GALERIE: Alle(s) inklusive

Berliner Schüler nähern sich wissenschaftlich dem queeren Leben

von Pascal Beck

 

Warum tragen Mädchen rosa? Gab es schon früher Trans*Menschen? Was meint der Begriff „Gender“? Dieser und noch vielen weiteren Fragen zum Thema Homosexualität stellte sich das Jugendmuseum in Berlin-Schöneberg in Kooperation mit sechs Schulen aus dem Bezirk und lädt nun zur Ausstellung „All Included“ ein.

Vielfältiges Miteinander

Mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seit 2015 verschiedene Initiativen, Vereine und engagierte Bürger, die sich in ganz Deutschland für ein vielfältiges, gewaltfreies und demokratisches Miteinander einsetzen. Eines der Förderprogramme ist die aktuelle Ausstellung des Jugendmuseums Berlin, die sich mit den noch immer in unserer Gesellschaft stark verbreiteten Diskriminierungsmustern der Homo- und Transphobie auseinandergesetzt haben. Hierfür suchte das Museum vor allem den Kontakt zu Grund- und Oberschulen aus dem Berliner Homo-Kiez Schöneberg. Kooperationspartner fand man schließlich in der Teltow-Schule, der Löcknitz-Grundschule, der Grundschule am Barbarossaplatz, dem Robert-Blum-Gymnasium, der Georg-Von-Giesche-Schule und der Gustav-Langenscheidt-Schule.

 Ist Conchita Wurst ein Mann oder eine Frau?

Ziemlich genau vor einem Jahr bekamen die sechs Partnerschulen Besuch des Museumteams. Jeweils eine Woche konnten die Kinder im JuMuMobil, dem für das Projekt eigens ausgestattetem Jugendmuseums Mobil, spielerisch einen ersten Zugang zum Thema sexueller und geschlechtlicher Vielfalt finden, erzählt uns Ellen Roters vom Jugendmuseum. So klärte die „Denkste-Wand“ beispielsweise über die geschlechtliche Zuschreibung der Farben blau und rosa (früher war rosa, die als „das kleine rot” galt, die Jungsfarbe, da rot für Blut und Kampf und damit für Männlichkeit stand; blau dagegen war für Mädchen, da auf alten Kirchenbildern die Jungfrau Maria häufig blau trug) und die Frage, ob Conchita Wurst ein Mann oder eine Frau sei (MÄNNER-Archiv). Klaus Wowereit, Showstar Romy Haag und vier weitere Personen wurden vorgestellt und die Kinder hatten die Gelegenheit, diesen eine Postkarte zu schreiben, um ihnen ihre eigene Meinung mitzuteilen. Auf einer „Meinungstafel“ konnten die Kinder sich u. a. auf einer Skala zwischen männlich und weiblich selbst einordnen.

Kinder werden selbst kreativ

Bei einem zweiten Treffen waren die Schüler schließlich selbst gefragt, kreativ zu werden. Sie entwickelten Fotostrecken, entwarfen eigene Comics und inszenierten einen Rollentausch. Ziel des Treffens war es einen Überblick darüber zu bekommen, wie sich die Kinder zum Thema verhalten und wo man anknüpfen könnte. In der anschließenden drei- bis viertägigen Lernwerkstätte wurden die Kinder in Gruppen eingeteilt, in denen sie nun selbst zu einem spezifischen Thema forschen durften. In „Queer Fashion“ wurde zu Mode und Schönheitsidealen geforscht und über geschlechtsneutrale Mode diskutiert. Am Ende entwarfen sie ihre eigene Kollektion und stellten drei großformatige Magazine zum Thema „Queere Mode“ her. Beim „Gender Marketing“ wurde wiederum die Frage gestellt, was Geruch, Geschmack oder Farben mit Geschlecht zu tun haben. Eine andere Gruppe wollte die Begegnung mit Transmenschen schaffen und diese zu ihrem Leben interviewen und porträtieren. (Allein die Vorstellung dürfte den Blutdruck der Autorin Birgit Kelle ins Unermessliche steigen lassen – MÄNNER-Archiv.)

Ängstliche und fast feindselige Reaktionen

Die Reaktionen der Kinder und Jugendlichen auf das Projekt waren sehr facettenreich. Neben begeisterten und interessierten Stimmen habe es auch ängstliche und fast feindselige gegeben. Aber genau das war es, worum es dem Team des Jugendmuseums ging, so Roters. Die Kinder und Jugendlichen sollten ihre eigene Meinung äußern dürfen, um anschließend damit arbeiten zu können und Vorurteile sowie Ängste bestmöglich beseitigen zu können.

Die Ergebnisse der Forschungsprojekte sind nun gesammelt im Jugendmuseum zu begutachten. Zusätzlich werden diese in der Ausstellung durch Begriffserklärungen vom Museumsteam selbst, Videomaterial eines Filmteams, das die Schüler bei ihrer Forschung begleitet hat, sowie einzelnen Stationen, an denen sich auch die Besucher beteiligen können, erweitert.

Die Ausstellung wird zudem von der Hochschule für Technik und Wissenschaft und der Alice-Salomon-Hochschule sowie auch vom Ministerium evaluiert. Die Ergebnisse werden am Ende des Jahres der Öffentlichkeit an einem Fachtag vorgestellt, an dem auch Experten zu verschiedenen Themen referieren werden.

Geöffnet ist die Ausstellung samstags bis donnerstags von 14 bis 18 Uhr sowie freitags von 9 bis 14 Uhr. Wegen des großen Interesses wurde sie bis September verlängert.

Mehr: www.jugendmuseum.de

Fotos: Jugendmuseum


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