Eine Ikone wird 70

Gitte ist eine von uns - gleich aus mehreren Gründen

von Thomas Petersen

Natürlich ist sie nicht nur das, eine „Schlagerikone“. Aber da sie so viele musikalische Stilrichtungen perfekt beherrscht, darf man ihr diese Krone ruhig auch aufsetzen. Gitte Hænning ist eine außergewöhnliche Künstlerin. Seit mehr als 60 Jahren behauptet sie sich im Showbiz – auf vielfältigste Weise. Dass sie mehrfach verheiratet war, immer wieder nach Neuem gesucht hat und auch eine lesbische Liebesbeziehung nicht verhehlt, macht sie uns umso sympathischer. 2004 erzählte sie der BUNTE von sich und ihrer Geliebten: „Wir waren beide jung, erfolgreich und blond“. Was will man mehr.

Erster Plattenvertrag mit 12

Am 29. Juni 1946 wird Gitte im dänischen Aarhus geboren. Aufgewachsen ist sie in Kopenhagen, wo sie schon sehr früh mit der Musik in Berührung kommt. Ihr Vater, Otto Hænning, selber erfolgreicher Liedermacher in Dänemark produziert mit ihr gemeinsam einen ersten Song „Giftes med farmand“. Damals ist sie gerade erst 8 Jahre alt. Von da war es nur ein kurzer Schritt zum gefeierten Teenie Star in Skandinavien. Schon 1958 erhält sie ihren ersten eigenen Schallplattenvertrag!

Sehr früh spielt aber auch der Jazz in ihrem Leben eine große Rolle. Nachdem sie bereits 1960 mit dem englischen Jazzmusiker Laurie London einen Song produzierte, haben in der Folge immer wieder große Stars der Jazzszene wie Oscar Pettiford oder Stan Getz mit ihr gearbeitet.

Ich weiß, dass so ein Cowboy küssen kann

In Deutschland wurde die Electrola in den späten 50ern auf den dänischen Wirbelwind aufmerksam. Diese Zusammenarbeit gipfelte 1963 in ihrer Teilnahme bei den Schlagerfestspielen Baden-Baden. Mit „Ich will ’nen Cowboy als Mann“ begeisterte sie das damalige Publikum. Platz 1 in allen Hitparaden. 800.000 verkaufte Singles. Für damalige Verhältnisse ein Erdrutsch. Kleine Kostprobe aus dem Text: „Dabei kommt’s mir gar nicht auf das Schießen an, denn ich weiß, dass so ein Cowboy küssen kann.“ (Noch mehr Schlager gefällig? Wie wäre es mit Vicky Leandros: MÄNNER-Archiv.)

Gitte

Rex und Gitte in „Jetzt dreht die Welt sich nur um dich“ – ein österreichischer Musikfilm aus dem Jahr 1964

Das war natürlich noch steigerungsfähig, dachten sich clevere Produzenten und brachten Gitte mit Rex Gildo (Hossa!) zusammen. Ihr romantischer Titel „Vom Stadtpark die Laternen“ ließ so manchen Teenie der 60er Jahre von der großen Liebe träumen. Dass Gildo schwul war, durfte damals natürlich niemand wissen.

Musikalisch zu einseitig

Langsam verdichtete sich bei Gitte das Gefühl musikalisch zu einseitig festgelegt zu sein. In der Folge widmete sie sich vermehrt ihrer Solokarriere und wollte auch persönliche Akzente setzen. Was folgte sind eine Reihe außergewöhnlicher Erfolge wie „Junger Tag“ beim ESC 1973, der damals noch „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ hieß. Einen achtbaren 8. Platz erreichte sie damals für Deutschland – ein Erfolg, von dem man heute nur noch träumen kann (MÄNNER-Archiv). Es folgten Hits auf Hits wie „Ich hab die Liebe verspielt in Monte Carlo“ (1974) oder „So schön kann doch kein Mann sein“ (1975). In Deutschland zählt sie zu den Topstars – kaum eine Ausgabe der „Hitparade“ im ZDF kommt damals ohne sie aus.

Gitte

Foto: Jim Rakete

Mit ihren Auftritten bei Jazzfestivals gelingt es ihr neben ihrem Schlagerdasein aber auch, kontinuierlich ein anderes Publikum an sich zu binden. Wer’s kann, der kann’s eben.

Gitte singt Streisand

Die 80-Jahre sind in der Popmusik ja auch ein Jahrzehnt der starken Frauen. Kein Wunder also, dass sich Gitte mit Coverversionen wie die des Webber Musicals „Tell me on a Sunday“ oder Songs von Barbara Streisand ins Rampenlicht singt. „Freu dich bloß nicht zu früh“ und „Die Frau, die dich liebt“ hielten sich monatelang in den deutschen Hitparaden.

Als das Interesse am deutschen Schlager in den 90ern abnahm, ist sich Gitte ihrer Linie treu geblieben. Und die bedeutet zuallererst: Vielseitigkeit. Jazzkonzerte, Musicalproduktionen, eigene Alben, Theaterproduktionen. Der Wirbelwind dreht sich weiter. Mit der Show „Gitte, Wencke, Siw“ haben die drei skandinavischen Superstars Gitte Hænning, Wencke Myhre und Siw Malmkvist dann Mitte der 2000er Jahre noch mal ihr gesammeltes Talent gebündelt auf die Bühne gebracht und großen Erfolg damit gehabt.

Dass es einmal ruhig werden könnte um Gitte, kann man sich nicht vorstellen. Da steckt einfach zu viel Musikalität drin. Ab Oktober spielt sie in Lübeck in Andrew Lloyd Webbers „Sunset Boulevard“ die Norma Desmond!

Tillykke med fødselsdage!

Titelbild: Jim Rakete


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