Mahout shepherd Elephant in forest at Elephant Village Thailand. Conservation of Animals Asia.

Indien will nicht modern werden

"Unnatürlicher Sex" zwischen Männern bleibt strafbar

UPDATE (29.6.2016) Auch der Einsatz von prominenten Schwulen und Lesben hat nicht geholfen: U.a. der Tänzer NS Johar, der Designer Sunil Mehra und die Starköchin Ritu Dalmia hatten beim Obersten Gerichtshof Indiens Einspruch gegen das Verbot homosexueller Handlungen eingelegt, weil es das verfassungsmäßig garantierte Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit einschränke. Paragraf 377 mache sie zu Kriminellen im eigenen Land, begründeten sie ihre Klage. Die Richter lehnten sie jedoch ab und verwiesen die Kläger an den höchsten Richter, den Chief Justice of India (CJI).

 

Über 150 Jahre ist es her, dass Lord Thomas Babbington Macaualay den Paragrafen 377 dem indischen Strafgesetzbuch hinzufügte. Dieser Abschnitt kriminalisierte „unnatürlichen Sex“, womit weitestgehend Anal- und Oralsex gemeint waren, der von homosexuellen Männern praktiziert wurde. In Indien existiert das Gesetz noch immer, obwohl es in Großbritannien 1961 bereits abgeschafft wurde. Immerhin, ab dem kommenden Jahr soll es erstmals sogenannte Rainbow-Taxis in Mumbai geben (MÄNNER-Archiv) – die schwule Community in Indiens größter Stadt ist so groß wie London und Paris zusammengenommen.

Indien

R. Raj Rao (Quelle: Schwules Museum*)

Ende Juni befasste sich das Schwule Museum* bei der Veranstaltung  „Wir sind Kriminelle. Indiens umstrittener Homosexuellenparagraph 377” mit den Versuchen schwuler Aktivisten, das Gesetz aufzuheben sowie mit dem kurzen Strafaufschub zwischen Juli 2009 und Dezember 2013: Damals „interpretierte“ das hohe Gericht in Delhi das Gesetz für einwilligende erwachsene Homosexuelle neu. Im Vortrag ging es außerdem um den Widerwillen der BJP-Regierung und des obersten Gerichtshofs das Gesetz zu korrigieren, wie es von progressivem Denken vorgesehen würde. Immer wieder lehnt das Parlament eine Liberalisierung ab (MÄNNER-Archiv).

Flüchtling im eigenen Land

Zu Gast im Museum war der indische Autor, Dichter, Dramatiker und Aktivist R. Raj Rao (Jahrgang 1955), der gegenwärtig an der Universität Tübingen lehrt. Zu seinen Werken zählt ein Buch mit Interviews mit homosexuellen Männern und Frauen sowie eine englische Übersetzung der Autobiographie der indischen Transgender (hijra)– Aktivistin Laxmi. Rao sieht sich als standardmäßigen Immigranten, da er in einem Land mit 30 beheimateten Sprachen auf Englisch schreibt. Und er betrachtet sich als Flüchtling, weil er letztendlich als schwuler Mann in seinem eigenen Land Asyl sucht. Wenn sich Rao in Indien aufhält, lebt er in den Städten Bombay und Poona, in denen er unterrichtet.

Titelbild: Fotolia


4 Kommentare

  1. Tim Berger

    Oha, der Artikel ist schon eine Stunde online und noch kein Relativierer hat gepostet, dass das Gesetz von den britischen Kolonialherren eingeführt wurde und immer noch aufrecht gehalten wird….


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