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Jerusalem Pride: Lebenslang für Täter?

Bürgermeister nach der Tat: "Killer darf nicht unsere Grundwerte untergraben"

UPDATE  (17.6.2016) Der ultraorthodoxe Jude Yishai Schissel, der beim Jerusalem Pride 2015 eine Teenagerin erstochen hat, soll zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Das fordert die Staatsanwaltschaft. Bei dem Anschlag wurden fünf weitere Pride-Teilnehmer verwundet. Das Urteil wird in 10 Tagen erwartet.

 

Die brutale Messerattacke beim Jerusalem Pride, bei der sechs Menschen schwer verletzt wurden, hat sein erstes Opfer gefunden: Die 16-jährige Shira Banki ist im Hadassah Ein Karem Hospital in Jerusalem ihren schweren Verletzungen erlegen. Der Zustand des Mädchens war von Beginn an äußerst kritisch; trotz zahlreicher medizinischer Maßnahmen konnten die Ärzte ihr Leben nicht mehr retten. Der Zustand des zweiten Opfers, das ähnlich schwer wie Shira verletzt wurde, ist mittlerweile jedoch wieder stabil. Nach aktuellem Stand wird es in wenigen Tagen aus dem Krankenhaus entlassen.

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Foto: Facebook

„Sie musste aufgrund des Bösen sterben“

Die Nachricht vom Tod von Shira Banki eroberte kürzester Zeit das Internet und bewegt die Welt. Vor allem das Statement der Familie des Mädchens rührt zu Tränen – und macht einmal mehr klar, dass stets Unschuldige bei einer Hassattacke ihr Leben opfern müssen:

„Unsere magische Shira wurde ermordet, weil sie eine glückliche 16-Jährige und voller Leben und Liebe war, die gekommen war, um ihre Unterstützung für das Recht ihrer Freunde zu zeigen, so zu leben wie sie wollen. Sie musste aufgrund von des Bösen, von Dummheit und Nachlässigkeit sterben. Schlimme Dinge passieren guten Menschen, und eine sehr schlimme Sache passierte unserem erstaunlichen Mädchen. Wir wünschen uns zukünftig in der Welt weniger Hass und mehr Toleranz.“

Auch die Schule, die Shira besuchte, setzte ein öffentliches Zeichen von Trauer: Sie hisste sichtbar vor dem Eingang die Regenbogenflagge. Mittlerweile ist diese auf Halbmast gesetzt. Auch dieses Jahr gibt es wieder einen Pride in der Stadt, kündigte man uns beim Besuch des Open House in Jerusalem an (MÄNNER-Archiv).

Bürgermeister spricht Beileid aus

Der Jerusalemer Bürgermeister Nir Barkat sprach den Hinterbliebenen sein Beileid aus und versprach, die Sicherheit aller Bürger von Jerusalem zu schützen. „Shira wurde ermordet, weil sie sich mutig für die Prinzipien eingesetzt hat, dass jeder sein Leben in Ehre und Sicherheit leben kann“, so Barkat in einer ersten Stellungnahme. Und weiter: „Der Mord bei der Lesben- und Schwulenparade auf den Straßen von Jerusalem ist ein krimineller Akt, und wir werden ihm nicht erlauben, sein Ziel zu erreichen. Wir werden es diesem verachtungswürdigen Killer nicht erlauben, die Grundwerte der israelischen Gesellschaft zu untergraben. Wir verurteilen seinen Hass und seine Gewalt aufs Schärfste. Wir werden alles Menschenmögliche tun, damit dieser Mörder zur Rechenschaft gezogen wird.“ Die Meinungsfreiheit für alle Gruppen müsse weiter garantiert werden, so der Bürgermeister.

Schissel ist Wiederholungstäter

Als Täter konnte Yishai Schlissel nur wenige Augenblicke nach der Tat verhaftet werden. Der ultraorthodoxe Jude hatte bereits 2005 die Jerusalem Pride mit einem Messer angegriffen, weil sie seinen Moralvorstellungen nicht entsprach. Auch damals wurden mehrere Menschen verletzt. Dafür wurde er zu einer langen Haftstrafe verurteilt, aus der er erst drei Wochen vor der Tat entlassen worden war.

Demo als Zeichen gegen Homophobie

Nicht nur die Welt, auch das Land Israel selbst zeigt sich ob der Tat bei der Pride geschockt und zeigt Anteilnahme. In mehreren Städten Israels haben zehntausende Menschen gegen Homophobie und Gewalt demonstriert. In Jerusalem versammelten sich mehrere tausend Menschen auf dem Zion-Platz; es war die erste LGBT-Veranstaltung, bei der die Stadtverwaltung kooperiert hatte, die Organisatoren des CSD sprachen von einer „historischen Demonstration gegen Homophobie und Gewalt“. Auch Israels Präsident Reuven Rivlin war anwesend – und fand klare Worte: „ Wir müssen die Flammen der Gewalt, des Hasses, der falschen, verzerrten und verstörten Überzeugungen ersticken, bevor sie jeden zerstören!  Was erlaubt Extremismus, sich selbstbewusst bei Tageslicht zu zeigen?“ us Jerusalem müsse ein Weckruf in das Land gehen, so der Präsident: Allein mit Solidaritätskundgebungen, Facebook-Nachrichten oder Politiker-Botschaften in den Medien könne man keine Flammen löschen. „Gefragt ist nun entschlossenes Handeln!“

Titelfoto: Yonatan Sindel/Flash90


5 Kommentare

  1. Petra Röger

    Ist Mord im Judentum keine Sünde? Traurig was Fanatismus aus Menschen macht und dieses arme Mädchen musste sinnlos sterben. Mein Beileid an die Familie.


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