Kiew: Keine Gewalt zum CSD

Rund 1000 Teilnehmer haben friedlich für LGBTI-Rechte protestiert

Trotz Androhung von Gewalt im Vorfeld: Der heutige Kiew Pride war ein großer Erfolg. Dank massiver Polizeipräsenz und eines ausgeklügelten Sicherheitskonzeptes verlief der CSD in Münchens Partnerstadt ohne Zwischenfälle, teilte Conrad Breyer von der Kontaktgruppe „Munich Kiev Queer” am Mittag mit. Zuvor hatte sich sogar die diesjährige ESC-Gewinnerin Jamala mit einem offenen Brief für die queere Gemeinde eingesetzt (MÄNNER-Archiv).

30 Minuten für Sicherheit und gleiche Rechte

Um die 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben friedlich für LGBTI-Rechte protestiert. Zwar waren sie nur etwa eine halbe Stunde lang auf der Straße, ganz 750 Meter waren es, auf denen sie für Sicherheit und gleiche Rechte für alle im Land protestierten. Und doch sei der diesjährige Marsch der Gleichheit historisch zu nennen. „Nie zuvor hatte die LSBTI-Community im Land eine so große Unterstützung aus der Mitte der ukrainischen Gesellschaft. Neben Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen trafen sich am Sonntagmorgen vor der Shevchenko-Universität im Zentrum der Stadt Menschen, die nicht zur Community gehören, sich aber solidarisch zeigten, Politiker, Künstler, Journalisten, Freunde der Aktivisten aus der ganzen Stadt. 6.000 Polizisten haben die Veranstaltung geschützt; die Straßen und U-Bahnen waren zum Teil gesperrt, der Abtransport erfolgte über Busse und die Metro. In den U-Bahn-Stationen war Polizei abgestellt, aus der Luft überwachten Drohnen das Geschehen.

Die Ukraine wollte Europa etwas beweisen

Die Ukraine, die sich für den Weg nach Europa entschieden hat, wollte beweisen, dass sie die Rechte von Minderheiten verteidigen und schützen kann. Der Marsch fand mitten im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt statt, aus den Fenstern der angrenzenden Häuser winkten die Menschen der Menge zu.”

Das ist ein guter Tag für Kiew und die Ukraine.

Auch die Unterstützung aus dem Ausland sei in diesem Jahr groß gewesen. Delegationen waren aus allen europäischen Ländern, der USA und Kanada gekommen, Amnesty International war präsent, das Europaparlament wurde u.a. durch Rebecca Harms vertreten, die Fraktionsvorsitzende der Grünen. Aus München waren 13 Aktivisten angereist, angeführt von der Stadträtin Lydia Dietrich (Bündnis 90/Die Grünen) in Vertretung von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). „Nach fünf Jahren Kampf verlief der KyivPride heute friedlich und konnte geschützt ablaufen. Das ist ein guter Tag für Kyiw und die Ukraine. Ich hoffe auf eine gute Entwicklung für die nächsten Jahre“, so Dietrich.

Bis auf kleinere Zwischenfälle verlief der Marsch ungestört. Einzelne Störer hatten sich in den Zug gemischt, auch die Münchner Gruppe angegriffen. Die Polizei schritt schnell ein, Gewalt wurde nicht ausgeübt. Nach dem Umzug hat sich die Menge in der ganzen Stadt verstreut. Da in den Straßen Rechtsradikale unterwegs sind, empfehle es sich, tagsüber zuhause zu bleiben.

Im Frühjahr 2015 hatte eine Menschenrechtsorganisation aus Kiew einen Bericht über die Situation von LGBTI in der Ukraine vorgelegt: Neben Diskriminierung und Gewalt ging es um den Brand in einem Kino in Kiew (MÄNNER-Archiv).

Fotos: Munich Kiev Queer


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