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Kiew Pride soll in „Blutbad“ enden

Die Aktivisten der Partnerstadt München laufen trotzdem mit

Am 12. Juni soll es „ein Blutbad“ geben in Kiew – das ist der Tag, an dem die LGBTI-Gemeinde in der ukrainischen Hauptstadt für ihre Rechte auf die Straße geht. Das wollen ukranische Nationalisten verhindern. Artem Skoropadsky, der Sprecher des Rechten Sektors schrieb bei Facebook: „Am 12. Juni gibt es ein Blutbad in Kiew. Die Organisatoren haben immer noch Zeit, die Parade abzusagen.“

Kiew

Kündigt Blutbad an: Artem Skoropadsky (Foto: Facebook)

Aber das werden sie nicht tun. Und alle Mitglieder der koordinierenden Kontaktgruppe aus der Partnerstadt München wollen in Kiew mitlaufen. „Natürlich ist jeder frei, sich am Tag des Pride-Marsches zu entscheiden, ob er mitläuft oder nicht. Und natürlich müssen wir diese Drohungen ernst nehmen, es hat sie jedes Jahr gegeben. Mit dem Krieg im Osten haben sich Teile der ukrainischen Gesellschaft radikalisiert, sie sind gewaltbereit und Waffen kursieren in der Stadt. Eine Minderheit, aber eine gefährliche“, sagte uns Conrad Breyer, der Münchner Pride-Koordinator. (Das große Schweigen der Partnerstädte der russischen Hauptstadt Moskau – MÄNNER-Archiv.)

Denn die Verantwortung, die Veranstaltung zu schützen, liege bei der Polizei und der Stadt Kiew. Die Polizei habe 2013 sehr professionell, 2015 leider ungenügend den Demonstrationszug vor größerem Ungemach bewahrt, so Breyer. Die Stadt Kiew, allen voran Bürgermeister Vitali Klitschko, habe sich bislang vor einem klaren Bekenntnis gedrückt, obwohl sogar Präsident Petro Poroschenko im vergangenen Jahr den „Marsch der Gleichheit“ unterstützte.

Bewegt sich Klitschko?

„Wir sind guter Hoffnung, dass sich Klitschko dieses Jahr bewegt und die Polizeit die Veranstaltung nach allen Seiten hin gut einkesseln wird, auch danach. Die Pride Week mit ihren geschlossenen Veranstaltungen in der Woche davor, wird ohnehin sicher sein. Uns erwarten wunderbare und interessante Workshops, Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen und Partys, zu denen die Münchner Delegation ihren Teil beiträgt.“

Kiew

Kiew im Jahr 2015 (Foto: Munich Kiev Queer)

Städträtin Lydia Dietrich (Bündnis 90/Die Grünen) führt die Delegation an – wie in den Vorjahren in Vertretung von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). „Nach fünf Jahren großen Engagements seitens unserer Kiewer Freundinnen und Freunde und der Kontaktgruppe Munich Kiev Queer erhoffe ich bei meiner nun fünften Teilnahme am Marsch der Gleichheit in Kiew einen friedlichen und menschenrechtswürdigen Verlauf“, so Dietrich. „Ich erwarte zudem endlich eine deutliche Positionierung der Stadtspitze in Kiew, die sich bisher ignorant bis ablehnend gegenüber LSBTI-Menschenrechtsaktivist*innen in ihrer Stadt verhalten hat.“

Keine Gruppe hat das Recht, ihre Interessen über Menschenrechte zu setzen und unsere Demokratie durch aggressives Verhalten zu beschädigen

Das Motto für den diesjährigen Marsch wurde kurzfristig von „Für deine und unsere Sicherheit“ in „Die Sicherheit der Menschen dient der Entwicklung des Landes“ umbenannt. Schließlich sei es das wichtigste Gut der Verfassung, das Leben eines Menschen zu schützen, seine Gesundheit und Würde zu wahren. „In der Ukraine aber herrscht Krieg”, sagt Stanislav Mishchenko, der für den KyivPride spricht. „Und unsere Staatsautoritäten erlauben sich, ihre Pflicht zu vernachlässigen. In unserer Gesellschaft wird Gewalt verherrlicht, die Positionen radikalisieren und verhärten sich, wir werden manipuliert. In dieser Atmosphäre der Angst wollen wir ein Zeichen setzen. Denn keine Gruppe hat das Recht, ihre Interessen über Menschenrechte zu setzen und unsere Demokratie durch aggressives Verhalten zu beschädigen.“

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Lydia Dietrich führt die Münchner Delegation an (Foto: Munich Kiev Queer)

Ressentiments werden von den Kirchen angefeuert

Die ein gutes Dutzend starke Gruppe „Munich Kiev Queer“ kümmert sich das ganze Jahr um die Koordination sowohl zwischen Gruppen und Einzelpersonen aus Kiew und München, vor allem der Aufbau der LGBTI-Community soll vorangebracht werden (MÄNNER-Archiv). Da müsse man noch viel Grundlagenarbeit machen, so Breyer, weil viele Menschen in der Ukrainer noch glauben, Homosexualität sei ein Lebensstil, den man sich aussucht, oder schlimmer: eine Krankheit. Es gebe noch große Vorbehalte in der Gesellschaft, sagt Conrad, Ressentiments werden von den Kirchen angefeuert. Aber die Statements rechter Gruppen in der Ukraine fielen verhaltener aus als in den Vorjahren.

Im vergangenen Jahr hatte eine Gruppe Rechtsradikaler hat den Marsch mit Messern, Schraubenziehern und präparierten Feuerwerkskörpern attackiert. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, zum Teil schwer.

Titelbild: Munich Kiev Queer


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