Ein positives Signal

Ein schwules Paar in Orlando, das vor zwei Wochen Freunde verlor, darf seine Kinder adoptieren

Joshua Meleends (51) und sein Ehemann Randy Lowe (54) haben bei dem Massaker in Orlando (MÄNNER-Archiv) enge Freunde verloren und trauern seitdem gemeinsam mit deren Freunden und Angehörigen. Noch lange wird es dauern, bis sie diese unfassbare Tat verarbeitet haben – verstehen werden sie sie wohl nie. Lowe ist Florist, also haben sie zum Vatertag in ihrer Heimatstadt gemeinsam mit Freunden Blumengebinde zur Erinnerung an die Toten hergestellt.Dann bekamen sie einen unerwarteten Anruf, der alles änderte. Bereits seit 2012 sind Joshua und Randy Pflegeltern für den 6-jährigen Robert und den 3-jährigen Jacob, der zum Zeitpunkt der Pflegschaftsübernahme gerade einmal 12 Tage alt war, ein Baby. Im Januar 2015 haben die beiden Männer dann geheiratet, nachdem es in Florida endlich möglich gemacht wurde. Daraufhin haben sie den Adoptionsantrag gestellt. Der Ausgang eines solchen Antrags ist natürlich immer ungewiss.

Bereits seit 2012 sind Joshua und Randy Pflegeltern für den 6-jährigen Robert und den 3-jährigen Jacob.

Penny Jones, Adoptionsbeauftragte, selber Adoptivmutter und Freundin von Joshua und Randy spürte, dass gerade jetzt, nach der verheerenden Tat, ein positives Signal für die ganze Community von enormer Wichtigkeit ist. Kurzerhand hat sie es ermöglicht, dass ihnen über alle bürokratischen Hindernisse hinweg, die legale Adoption der beiden Jungs kurzfristig ermöglicht wurde. Ein Termin bei der zuständigen Richterin Patricia Doherty wurde frei und sie hat veranlasst, dass Joshua und Randy diesen Termin bekommen konnten. Sie sagte der Tageszeitung The Orlando Sentinel dazu: „Wir brauchten hier unbedingt eine starke Geschichte, die von Liebe handelt. Diese beiden Väter stehen für ein Licht im Dunkel.“ Joshua und Randy zogen ihre besten Anzüge an und machten sich natürlich sofort auf zum Gericht. Nun ist alles geregelt! Sie stimmen beide darüber ein, dass Pateneltern zu sein, ein nicht immer einfacher Job ist, aber er zahlt sich mehr als hundertfach aus. Joshua Melendez zum Orlando Sentinel: „Auch wenn das Adoptionsbüro dir sagt, dich nicht in die Kinder zu verlieben – wie willst du das anstellen?“ Schon immer wollten beide Väter sein und als sie vor vier Jahren zusammenkamen, war das eines der ersten Ziele, die sie sich gesetzt haben.

Lowe fühlt sich „on top of the world“ während er den kleinen Jacob auf dem Schoß hat.

Jetzt, wo die Adoption bestätigt ist, will das Paar mit seinen Kindern nach vorne schauen. Vor allem wollen sie den Kindern weiter die Werte vermitteln, die ihnen selber wichtig sind und sie mit ganz viel Liebe großziehen. Lowe sagt: „Nach der entsetzlichen Tat haben wir unseren Jungs gesagt, dass jemand eine wirklich schlimme Entscheidung getroffen hat und viele Menschen verletzt hat. Umso wichtiger ist es, sich darauf zu fokussieren gute Entscheidungen zu treffen.“ Lowe fühlt sich „on top of the world“ während er den kleinen Jacob auf dem Schoß hat. Gefeiert haben sie die Adoption dann gemeinsam bei Pizza und Cola – ganz im Sinne der Kinder. Lowe meint dazu: „Sie sind so glücklich. Diese Jungs kümmert es nicht, ob sie zwei Väter, zwei Mütter oder was auch immer haben. Sie wollen nur geliebt werden.“ So unfassbar entsetzlich und abstoßend eine Tat wie die in Orlando ist, zeigt sie dann aber gerade doch, wie wichtig zwischenmenschliche Verantwortung ist. Es muss natürlich nicht immer die ganz große Geste sein. Allein der Inhalt zählt. Für Joshua und Randy bedeutet diese Episode, mit neuer Hoffnung und dem Glauben an Liebe in die Zukunft zu schauen. Und wenn sie das ihren Jungs eines Tages vermitteln können, wäre doch schon viel gewonnen.

Text: Thomas Petersen, Bild: Facebook


8 Kommentare

  1. René Schmökel-Wegner

    Fragt sich nur wann wir in Deutschland so weit sind….Bin ja froh dass wir wenigstens Pflegekinder aufnehmen dürfen und dies nicht durch ein Gesetz verboten wird. Wir haben uns dafür entschieden ein Pflegekind aufzunehmen, Vorbereitungskurs ist beendet und nun folgt die Überprüfung unserer Personen und unserer Lebenssituation. Also Daumen drücken, dass auch wir bald Eltern werden


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