Mexico criminality

„Kein Hinweis auf Homophobie”

Warum die Meldung vom Massaker in Mexiko zunächst unter den Tisch aller deutschen Nachrichtenredakteure gefallen ist

Wie kann es eigentlich sein, dass die Nachricht von einer Tat wie der blutigen Schießerei in der mexikanischen Schwulenbar „La Madama” erst mit einem Monat Verspätung bei uns landet? Da werden bis zu 15 Besucher der Bar skrupellos niedergemetzelt, und die Welt erfährt beinahe nichts davon? Wir haben darauf erste Antworten gegeben (MÄNNER-Archiv), aber das hat uns noch nicht genügt.

Also fragten wir bei den großen Nachrichtenagenturen dpa und Reuters nach: Hattet Ihr die Meldung damals nicht auf dem Schirm? Dazu muss man wissen: MÄNNER hat beide Agenturen nicht abonniert. Während Reuters sich bisher nicht äußerte, erfuhren wir von der dpa die Hintergründe: Dort hat man für MÄNNER bei den Korrespondenten in Lateinamerika den Verlauf recherchiert.

Schießereien kommen dort häufig vor

Es gab demnach mehrere Gründe, die Schießerei nicht zum Thema für den dpa-Basisdienst zu machen. „Zum einen ist Veracruz einer der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos. Schießereien in Bars kommen dort häufig vor, meist stehen sie im Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen. Generell ist zu sagen, dass gewalttätige Auseinandersetzungen in Mexiko leider so häufig sind, dass wir nicht jeden einzelnen Fall aufgreifen können.”
Zum anderen, so die dpa, war im Fall der Bar „La Madame” zunächst nicht klar, dass es sich um eine von Schwulen frequentierte Bar handelte. Nach ersten Informationen kamen vier Menschen ums Leben, die weiteren Opfer erlagen erst später ihren Verletzungen.
„Zwar kommt es auch in Mexiko immer wieder zu homophoben Angriffen, allerdings lässt in diesem Fall nichts darauf schließen. Vier bewaffnete und vermummte Männer hatten Zeugenaussagen die Bar gestürmt und gezielt auf eine Person oder Personengruppe geschossen. Das deutet auf einen koordinierten Angriff auf eine Zielperson hin, nicht auf eine generelle Attacke gegen die Besucher der Bar.”

Dies ist die Originalmeldung vom 23. Mai von Associated Press (AP), deren Meldungen die dpa in Deutschland verbreitet:

Veracruz (AP) – Bei Schüssen in zwei Diskotheken im mexikanischen Golfküstenstaat Veracruz sind am Sonntag insgesamt sechs Männer getötet worden. Beim ersten der Vorfälle in Xalapa, der Hauptstadt des Bundesstaates, schossen drei Täter im Club «La Madame» von der DJ-Bühne aus auf vier Männer, die an einem Tisch saßen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Alle vier starben, rund ein Dutzend weitere Personen wurde verletzt.

Zwei weitere Männer wurden in einer Diskothek in der Stadt Orizaba bei einer Auseinandersetzung mit Vertretern der Strafverfolgung erschossen. Wie die Staatsanwälte erklärten, handelte es sich bei einem der Toten um den Kriminellen Luis Alberto Carrera Rodríguez, der auch als «El Negro» und «Blackie» bekannt ist.

Titelbild: Fotolia


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