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Moskau zeigt „Die Mitte der Welt”

Interview mit Regisseur Jakob M. Erwa

Es war ein heißes Wochenende, auch in Moskau. Perfekter Tag um ins Kino gehen, denn die Säle sind klimatisiert. Das war nicht der einzige Grund, sich in der russischen Hauptstadt in einen dunklen Saal zu setzen: Die Verfilmung von „Die Mitte der Welt” (MÄNNER-Archiv) hatte Weltpremiere in Moskau auf dem Moscow International Film Festival – einem der weltweit 15 A-Festivals, zu denen auch Berlin und Cannes zählen. Dort bewerben sich bis Ende Juni 12 Filme um die Trophäe des Heiligen Georg, auch die deutsch-österreichische Koproduktion „Die Mitte der Welt” von Jakob M. Erwa, nach dem Roman von Andreas Steinhöfel.

In dem Land, wo es seit drei Jahren ein Gesetz gegen Homosexualität gibt, das es den Menschen verbietet, „Propaganda für gleichgeschlechtliche Liebe” zu machen – d.h. in einem positiven Kontext über sie zu reden (immerhin, der prominente russische TV-Moderator Wladimir Posner hat Stellung bezogen für die LGBTI-Gemeinde – MÄNNER-Archiv) – , dort hatte ein sogenannter „schwuler Film“ Premiere. Danach hatten wir  Gelegenheit, mit dem Regisseur zu sprechen.

Moskau

Jakob M. Erwa (Foto: Facebook)

Jakob, Du hast die Gelegenheit genutzt, in Moskau zu sein, und Dich am Roten Platz mit einem „Stop Homophobia!”-Aufkleber fotografieren lassen.

Das war kein Problem, auch wenn da überall Polizisten stehen. Aber das Gesetz gegen Homopropanda vebietet ja vor allem, Werbung für gleichgeschlechtliche Liebe zu machen.

Aus der Sicht der russischen Behörden könnte man genau das Deinem Film vorwerfen.

„Die Mitte der Welt” geht ganz neutral mit dem Thema Homosexualität um, es ist kein Problemfilm, kein Coming-out-Film. In erster Linie ist es eine Liebesgeschichte. Da verliebt sich ein Junge – aber eben nicht in eine Blondine, sondern in einen anderen Jungen. Der Film erzählt von Gefühlen, von Liebe und Menschlichkeit.

Hast Du nach der Vorstellung mit Zuschauern reden können?

Es waren einige Schwule und Lesben im Publikum, die ich auf mich zugekommen sind. Am Samstag hat mich ein Junge angesprochen, weil er ein Foto mit mir machen wollte. Als ich ihn fragte, ob er einen Freund hat, reagierte er ganz verschüchtert. Sowas fragt man in Russland sonst nicht so offen. Am Tag danach kam er dann sogar mit seinem Freund in die Vorstellung. Es war auch eine Frau da, die von dem Sohn einer Freundin erzählte. Er wurde brutal zusammengeschlagen, weil er schwul ist, und überlebte nur knapp. Dadurch hat die Frau überhaupt erst erfahren, dass ihr Sohn schwul ist.

Wie haben Presse und Öffentlichkeit auf Deinen Film reagiert?

Die Pressekonferenz zu unserem Film war besser besucht als die zum Eröffnungsfilm. Und ich war sehr erstaunt, wir hatten mehr Ablehnung erwartet, und dass die Leute Angst haben mit dem Thema umzugehen. Aber ganz viele Menschen haben uns gedankt. Deshalb auch mein ausdrücklicher Dank an die Macher des Festivals, weil die sich getraut haben, uns einzuladen.

„Die Mitte der Welt” (Link zur Facebook-Seite) startet im November in den deutschen Kinos.

Titelbild: „Die Mitte der Welt”/Universum Film


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