human's face with rainbow flag

Norweger dürfen sein, was sie wollen

Schon Kinder dürfen ihren Geschlecht mit einem neuen Gesetz jetzt frei wählen

Seit gestern dürfen Norweger machen was sie wollen, jedenfalls was ihr Geschlecht anbelangt. Das Parlament des Landes hat ein Gesetz verabschiedet, das es Einwohnern von Norwegen ab dem 16 Lebensjahr gestattet, selbst festzulegen, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen, ohne sich dafür Operationen unterziehen zu müssen, um ihr biologisches, ihrem empfundenen Geschlecht anzugleichen. Das neue Gesundheitsgesetz gestattet auch Kindern zwischen 6 und 15 Jahren, mit der Einwilligung ihrer Eltern, den Papierkram für eine solch offizielle Geschlechtsanpassung hinter sich zu bringen und so dafür zu sorgen, ihr wahres Geschlecht leben zu können.

Das norwegische Parlament hat heute eine positive Nachricht an andere europäische Regierungen gesandt.

Das von der norwegischen LGBTI-Community gefeierte Gesetz wurde mit großer Mehrheit verabschiedet, 79 Ja zu 13 Nein-Stimmen. Norwegen ist nach Dänemark, Malta und Irland das vierte europäische Land, indem eine offizielle Geschlechtsanpassung ohne Operation möglich wird. Brian Sheehan, einer der Co-Chairs von ILGA-Europe, sagte gegenüber Medienvertretern: „Das norwegische Parlament hat heute eine positive Nachricht an andere europäische Regierungen gesandt. Stigmatisierende Unterdrückung auf medizinischem Weg, durch Dinge wie Eingriffe, psychiatrische Konsultationen oder Sterilisation, muss ein Ding der Vergangenheit sein. Die Parlamentarier die heute für ein selbst bestimmtes Geschlecht gestimmt haben, haben ein Beispiel für ihre Kollegen auf dem ganzen Kontinent getan, es ihnen gleich zu tun.“

Das norwegische Gesetz bezüglich Transgeschlechtlichkeit war eines der ersten und fortschrittlichsten, als es vor sechzig Jahren eingeführt wurde.

Trans-Aktivisten wollen in den nächsten Jahren darauf hinwirken, dass die Altersbeschränkungen komplett aufgehoben werden und auch Kinder und Erwachsene, die sich nicht in einem der zwei Geschlechter wiederfinden, die Möglichkeit bekommen, das auszudrücken. Das norwegische Gesetz bezüglich Transgeschlechtlichkeit war eines der ersten und fortschrittlichsten, als es vor sechzig Jahren eingeführt wurde. War seitdem allerdings nicht angepasst worden. Gesundheitsminister Bent Høie sagte: „In diesem Bereich war Norwegen lange hinter anderen Ländern zurückgeblieben. Mit der Einführung des neuen Gesetzes, können wir wieder stolz auf uns sein.“ Der Fortschritt in Norwegen, scheint nicht aufzuhalten. Erst im April hatte die norwegische Amtskirche beschlossen, zukünftig auch gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. (MÄNNER-Archiv)

Handeln Sie, Frau Schwesig und Herr de Maizière. Es ist nur eine Frage des Respekts vor der geschlechtlichen Identität eines anderen Menschen.

Auch in Deutschland wurde die norwegische Gesetzesänderung wahrgenommen. Volker Beck, Mitglied der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, dazu: Die Abschaffung von Diagnoseverfahren in Norwegen ist ein gutes Zeichen. Es macht klar: Transsexuellenrechte sind Menschenrechte. Transsexualität kann nicht diagnostiziert werden, nur Betroffene können über ihre geschlechtliche Identität Auskunft geben. Entwürdigende Diagnoseverfahren zur Änderung des Namens oder der Geschlechtseintragung gehören abgeschafft, auch in Deutschland. Die Bundesregierung fehlt es bei Transsexuellenrechten an Haltung. Andere Länder wie Argentinien, Dänemark, Malta und Irland, und jetzt auch Norwegen sind da längst weiter. Davon könnte sich die Bundesregierung mal eine Scheibe abschneiden. Handeln Sie, Frau Schwesig und Herr de Maizière. Es ist nur eine Frage des Respekts vor der geschlechtlichen Identität eines anderen Menschen. Das deutsche Transsexuellengesetz (TSG) ist über 30 Jahre alt. Es baut unbegründete Hürden für die Änderung des Vornamens und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit auf. Ein modernes Transsexuellengesetz muss die Selbstbestimmung und Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellen und die Betroffenen selbst über ihre Geschlechtszugehörigkeit bestimmen lassen.“

Foto: Fotolia_luzitanija

 


2 Kommentare

  1. Karin Blum

    Auch jetzt schon können wir uns für eine Medizin stark machen, die ohne Gender-Deutung auskommt und sich auf das konzentriert, worum eigentlich gehen sollte: Menschen zu helfen und ihnen die Behandlung zukommen zu lassen, die sie benötigen.

    Eine medizinische Behandlung, die transsexuellen, intersexuellen und allen von geschlechtlichen Normen abweichenden Menschen hilft, und das Wohl des Einzelnen in den Vordergrund stellt, ist möglich.

    Mit der vorliegenden Erklärung wollen wir ethische und menschenrechtliche Aspekte des respektvollen Umgangs im Bereich der Medizin, Psychotherapie, Beratung und Begleitung mit transsexuellen, intersexuellen und allen von geschlechtlichen Normen abweichenden Menschen aufzeigen und erklären, was möglich und notwendig ist, um sinnvolle Hilfe und Unterstützung, sowie respektvollen Umgang miteinander möglich zu machen.

    Macht doch bitte auch mit und unterzeichnet die Stuttgarter Erklaerung http://www.geschlecht-selbst-bestimmt.de/?page_id=88 66 Mitglieder des Deutschen Bundestages, der Sozialdemokratischen Partei Fraktion DIE LINKE. im Bundestag, von Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion und der CDU, 6 Mitglieder des European Parliament, viele Wissenschaftler_innen aus den Bereichen Theologie, Erziehungswissenschaft, Pädagogik der Frühen Kindheit, Psychologie, Soziologie, Medizin, Medien, Kultur und Sexualforschung,Familienhilfe und Soziale Arbeit, Geschlechterforschung, Kultur- und Literaturwissenschaft, Ärzt_innen, Theolog_innen, Künstler_innen, Kabarettist_innen, Schauspieler_innen, Sänger_innen und Autor_innen, der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung, Barbara Unmüßig Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung, Dr. Wolfram Hartmann Ehrenpräsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Prof. Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer Deutsche Liga für das Kind, Sprecher National Coalition Deutschland -Netzwerk zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, Kinder- und Jugendarzt, Bff: Frauen gegen Gewalt e.V. und Dr. Christian Bahls, 1. Vorsitzender von MOGiS und Freunde haben die Erklaerung bereits unterschrieben. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendaerzte e.V. unterstuetzt die Bitte um Mitunterzeichnung intern. Zu den Unterzeichner_innen gehören auch Prof. Jutta Allmendinger, Ph.D, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung gGmbH, Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit (Ehem. Richterin und Justizsenatorin) , Prof. Dr. Dr. H.C. Heiner Bielefeldt, VN Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit; Univ.prof. FAU Erlangen-Nürnberg/Inhaber Lehrstuhl Menschenrechte und Menschenrechtspolitik, Prof. Dr. Manfred Nowak Professor für internationales Recht und Menschenrechte, Universität Wien, ehemaliger UNO-Sonderberichterstatter über Folter, Prof. Dr. Peter Dabrock Erlangen Ordinarius für Systematische Theologie (Ethik); Vorstand des Deutschen Ethikrates, Ilona Manthey-Konyen Berlin Gesamtfrauenvertreterin , AKF Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft. viele Vertreter der Evangelischen Kirche, der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V., Dr. Eske Wollrad, Geschäftsführerin Evangelische Frauen in Deutschland. e.V. und Dr. Ellen Ueberschär, Generalsekretärin Deutscher Evangelischer Kirchentag.

    Der Kirchenpraesident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Dr. Volker Jung unterstuetzt das Anliegen der Erklaerung und hat sich am Freitag, den 5. Februar, in Frankfurt am Main fuer eine theologische Neubewertung der Vielfalt der Geschlechter ausgesprochen. Dr. Jung hat im Zusammenhang mit transsexuellen Menschen von einer „schuldbelasteten Wahrnehmung“ der Kirche gesprochen.
    http://evangelischesfrankfurt.de/2016/02/kirchenpraesident-volker-jung-transsexualitaet-ist-schoepfungsgemaess/ Der Praeses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, unterstuetzt das Anliegen und setzt sich in Gespraechen, Vortraegen, Predigten, Besuchen individuell fuer die verschiedenen Anliegen ein, an geeigneter Stelle auch fuer eine menschenrechtskonforme Behandlung von Menschen mit geschlechtlichen Normabweichungen. Der Humanistischer Verband Deutschlands (HVD) und Prof Dr. Frieder Otto Wolf , die Giordano Bruno Stiftung, in ihrem Namen auch Dr. Michael Schmidt-Salomon haben die Erklaerung unterzeichnet und unterstuetzen neben den bereits in der Erklaerung genannten Foerderern/Unterstuetzern,
    Eberhard-Schultz-Stiftung fuer soziale Menschenrechte und Partizipation, Arbeitskreis LSBTTIQ in ver.di Stuttgart, Aktion Transsexualität und Menschenrecht e.V. und Weissenburg schwul/lesbisches Zentrum den Aufruf, die Erklaerung zu unterzeichnen. intaktiv e. V. – Eine Stimme für genitale Selbstbestimmung unterstuetzt die Erklaerung. Im Namen von intaktiv e.V. hat Viola Schaefer die Erklaerung unterzeichnet. Neben vielen Menschen mit sogennanten „geschlechtlichen Normabweichungen“ haben auch deren Freunde, Angehörige und viele Menschenrechtler_innen die Erklaerung unterschrieben. Die „Stuttgarter Erklaerung“ ist sowohl Selbstverpflichtung als auch Bekenntnis zu den Menschenrechten und den Grundsaetzen ethischen Handelns in Medizin und Psychotherapie.


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