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‘Vermutlich heiraten’ reicht nicht!

Offener Brief an Ole von Beust (CDU)

Sehr geehrter Ole von Beust,

Sie haben ja Recht, wenn Sie im Interview mit der Welt den Widerstand der Union – Ihrer Partei! – in Sachen Ehe-Öffnung als „völlig unverständlich und auch unnötig“ bezeichnen. Zitat: „Manche in der Union halten die besondere Stellung der Ehe zwischen Mann und Frau für einen der letzten konservativen Grundsätze. Ich sehe das anders.“ Schön. Haben Sie bei anderer Gelegenheit ja auch schon mal gesagt: „Wer sich langfristig zu einem Partner bekennt, der handelt doch im Grunde konservativ.” Danke  dafür!

Aber was soll dann diese Spekulation im aktuellen Welt-Interview: „Und mit Schwarz-Grün würde die Ehe für alle vermutlich kommen“? Zumal Sie im selben Interview kurz vorher gesagt haben: „Ich kann der CDU nur raten, vor der Wahl nicht über Schwarz-Grün zu spekulieren.“ Daran hätten Sie sich mal besser gehalten.

Was sollen die Wähler mit so einer Empfehlung anfangen?

Was sollen wir, die Wähler, mit so einer Empfehlung anfangen? „Mit Schwarz-Grün würde die Ehe für alle vermutlich kommen“? Vermutlich? Ich soll eine Partei wählen, damit dann vermutlich die Ehe geöffnet wird? Und überhaupt: Unter welcher Kanzlerin soll das denn geschehen – oder welchem Kanzler?

Ich will Ihnen sagen, was passiert, wenn wir – die Schwulen, die Lesben und die Bisexuellen, die Trans*- und *Inter-Mitglieder unserer Gemeinde – die CDU wählen: Dann haben wir – vermutlich – weitere vier Jahre eine Kanzlerin an der Backe, die man dazu zwingen muss, etwas Empathisches über uns zu sagen.

Zwei von drei MÄNNER-Lesern nehmen Angela Merkel nicht ab, was sie auf öffentlichen Druck hin über das Massaker von Orlando sagte, weitere 15 % zweifeln (MÄNNER-Archiv). Die Kanzlerin hat bei einer früheren Gelegenheit gesagt  – und ich fand das gut: Der Islam gehört zu Deutschland – im Sinne von Inklusion und als Zeichen gegen Ausgrenzung. Aber was ist mit der queeren Bevölkerung? Gehört die nicht dazu? Wenigstens ein bisschen? Vermutlich nicht, oder?

Die Wahrscheinlichkeit, dass Männer wie Kauder oder Seehofer zulassen, dass Schwule in Deutschland heiraten, so lange sie etwas zu sagen haben, ist – vermutlich – gleich null.

Was lässt Sie eigentlich annehmen, dass die Grünen in einer Koalition mit der CDU durchsetzen können, was die SPD nicht geschafft hat? Gut, die SPD liegt momentan in Umfragen nur rund 8 % vor den Grünen, und vielleicht schneiden die bei der nächsten Bundestagwahl sogar besser ab als die siechen Sozialdemokraten und haben eine bessere Verhandlungsbasis. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass Männer wie Unions-Fraktionschef Volker Kauder oder CSU-Chef Horst Seehofer oder gar die Darstellerin einer CDU-Menschenrechtsbeauftragten Erika Steinbach zulassen, dass schwule und lesbische Paare in Deutschland heiraten und ihre Liebe ganz offiziell zelebrieren, so lange diese Politiker etwas zu sagen haben, ist – vermutlich – gleich null.

Mit freundlichen Grüßen,

Kriss Rudolph, MÄNNER-Chefredakteur

Der CDU-Politiker Ole von Beust war von 2001 bis 2010 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. Im Mai 2013 ging er mit seinem Freund Lukas Förster eine Eingetragene Partnerschaft ein. Hier geht es zum kompletten Interview mit der Welt.

Titelbild: Imago/Christian Thiel


3 Kommentare

  1. Volker Leppers

    .. und wenn die doofen Schwuppen dann CDU gewählt haben, weil „Ole” ja sooo sympathisch ist und außerdem noch adelig, wird mit der Schill-Partei koaliert, das entspräche dann heute wohl der AfD.

  2. Maik Gerlach

    Wie dem auch sei, aber ich glaube den Grünen keine Wort, die Lügen schneller als ein Ferrari. Die SPD geht auch nicht zur Zeit. Herr Steinmeier ist allerdings eine Ausnahme. Aber Herr Gabriel och nööö ne sorry, das Debakel hatten wir damals als er Ministerpräsident von Niedersachsen war … Als Bundesumweltminister war er auch nicht hellste Kerze am Baum. Zumindest sind wir uns einig das wir Frau Frauke, und von Frau Beatrix Amelie Ehrengard Eilika von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg nicht wählen werden.


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