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Orlando: Crowdfunding in Millionenhöhe

Eine Onlinekampagne hilft den Hinterbliebenen und jenen, die bei dem Massaker verletzt wurden.

Die Angehörigen und Freunde der Verstorbenen von Orlando haben mit dem Verlust eines geliebten Menschen unter derart schrecklichen Umständen bereits ein schweres Los zu tragen. Wir haben am Montag ja bereits einigen der Opfer ein Gesicht gegeben (MÄNNER-Archiv). Doch als wäre das nicht schon genug, drohen vielen Hinterbliebenen auch handfeste finanzielle Probleme: Eine Beerdigung kostet in den USA zwischen 7.000 und 10.000 Dollar. Ein Betrag, der für viele der Familien der Opfer, die oftmals in sehr einfachen Verhältnissen leben, schwer zu stemmen sein wird. Dazu kommt, dass einige der Verstorbenen auch Kinder hatten, die nun versorgt werden müssen.

Viele werden für die Kosten für Krankenhaus, Arbeitsausfall und psychischer Unterstützung selbst aufkommen müssen.

Die andere Seite der Medaille sind jene, die das Massaker überlebt haben. Sie liegen mit teilweise schwersten Verletzungen im Krankenhaus und werden zusätzlich zu möglichen körperlichen Beeinträchtigungen und dem psychischen Trauma ebenfalls finanzielle Konsequenzen zu spüren bekommen. In den USA gibt es nach wie vor keine flächendeckende Krankenversicherung – viele werden für die Kosten für Krankenhaus, Arbeitsausfall und möglicher psychischer Unterstützung selbst aufkommen müssen. Dabei kann schnell ein fünfstelliger Betrag zusammenkommen.

Die Community spendet

Eine Kampagne auf der Crowdfunding-Webseite Go Fund Me hat sich diesem Problem angenommen. Die Spendenaktion wurde bereits kurz nach Bekanntwerden der furchtbaren Tat im Pulse-Club ins Leben gerufen. Sie hat das Ziel, sowohl die Angehörigen von Verstorbenen wie auch die Menschen, die im Pulse-Club verletzt wurden, finanziell zu unterstützen. Und sie ist ein Beweis dafür, dass die Community in Zeiten wie dieser eine gemeinsame Sprache spricht: Bereits über 4 Millionen Dollar, also umgerechnet etwa 3,6 Millionen Euro sind bereits bei der Aktion zusammengekommen, knapp 90.000 Menschen haben sich bislang beteiligt. Die Spenden gehen an die Organisation Equality Florida, welche wiederum mit der Stadt Orlando und anderen Partnern zusammenarbeitet. Inzwischen hat sogar Go Fund Me selbst 100.000 Dollar zur Kampagne beigetragen.

„Ich danke jedem, der meiner Familie hilft.“

Bereits jetzt melden sich auf Go Fund Me Opfer des Massakers zu Wort und bedanken sich in der Kommentarspalte für die Spenden.

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Eddie Justice, eines der Opfer von Orlando

Gemeldet hat sich anderem auch die Schwester des verstorbenen Eddie Jamoldroy Justice, dessen Namen zu tragischer Berühmtheit kam, weil er mit seiner Mutter noch kurz vor seinem Tod einen SMS-Austausch hatte. Sie schreibt: „Mein Bruder Eddie Justice war einer der Opfer, die bei dieser schrecklichen Tragödie ums Leben gekommen ist. Er hatte keine Lebensversicherung und wir versuchen nun, einen Weg zu finden, seine Beerdigung zu bezahlen. Ich danke jedem, der meiner Familie hilft.“ Auch Überlebende wie ein Kommentator mit dem Usernamen Dan Atlas melden sich zu Wort: „Ich möchte allen für die Spenden danken. Was passiert ist, das Ausmaß des Verlusts dieses furchtbaren Vorfalls, ist sehr schwer zu beschreiben.“

Wer sich an der Spendenaktion beteiligen will, kann das über diesen Link tun. Berliner haben außerdem am Samstagabend die Möglichkeit, ihre Solidarität mit den Opfern von Orlando bei einer Mahnwache am Brandenburger Tor zum Ausdruck zu bringen. Dort werden die Namen der Verstorbenen verlesen und es sollen symbolisch Kerzen angezündet werden. Treffpunkt ist der Pariser Platz um 21 Uhr.

Fotos: Imago, Heavy.com


1 Kommentar

  1. Frank La Biel

    Bei uns kostet eine Beerdigung auch keine 50cent, die meines Vaters hat auch 9000 Euro gekostet…das nimmt sich gar nichts. Das sind die Fakten und Zahlen… man bekommt eine die kostet 4000 euro und das ist Feuerbestattung ein Pappsarg und Streuwiese. Ich habe einige Jahre in den USA gelebt und es gibt auch die Pflicht die Toten zu beerdigen. Bei einer Feuerbestattung kann man so gar die Urne zu Hause aufbewahren oder im Garten oder wo man will beisetzen. Das Massaker ist schrecklich keine Frage, aber es wird hier so hingestellt als würden sie dann nicht verbrannt oder beerdigt werden ohne Spenden, dem ist nicht so….. Es gibt auch in den USA eine Sozialbestattung. Viele unserer schwulen älteren Männer haben so eine vor sich, weil sie hier nichts haben, die Rente reicht für nichts. Die haben kaum Geld die laufenden Kosten zu tragen. Auch wir sollten uns hier besser um unsere Mitbürger kümmern…. Über dieses Massaker zu berichten ist quasi Pflicht…. nichts zum Trotze haben wir das Elend, wenn wir schon danach verzweifelt suchen direkt vor unserer Haustür…. Ich könnte euch ein paar hundert schwule Männer allein in Berlin aufzählen die im Elend, im sozialen Abseits und quasi im Dreck hausieren… Dafür interessiert sich niemand , weil nicht Medienfreundlich genug und weil es nicht wie eine Show dargestellt werden kann …. DIe schwulen Medien haben auch eine Verpflichtung, die sie schon lange nicht mehr nachkommen… denn das Elend der weit entfernten darzustellen ist kommerziell einfach mehr wert.


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