Orlando – und der Wahnsinn geht weiter

Kirchenvertreter wollten Beerdigung stören, und Republikaner halten am liberalen Waffengesetz fest

Es ist schon ein ziemlich perfides Vorhaben, eine Beerdigung zu stören – nicht nur, weil es sich um die Trauerfeier für mehrere Opfer des Massakers im „Pulse“-Club von Orlando handelte, sondern weil die, die sich zum Stören angemeldet hatten, Vertreter einer Kirche sind. Gläubige, die vor allem an eins glauben: an Hass und Ausgrenzung. Vertreter der Westboro Baptist Church, WBC, die die Ansicht vertritt – und leider auch verbreitet -, dass Naturkatastrophen und die Terroranschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center die Strafen Gottes für die Duldung von Homosexualität seien (MÄNNER-Archiv), hatten sich am Wochenende zum Protest angekündigt. Ihr Plan war es, vor der St. James Catholic Cathedral zu demonstrieren und Plakate mit Hassbotschaften zu zeigen – etwa „Gott hasst Schwuchteln” oder „AIDS heilt Schwuchteln” -, während in der Kirche Angehörige von ihren Partnern, Freunden, Söhnen oder Töchtern Abschied nehmen, die bei der Schießerei am 12. Juni brutal aus dem Leben gerissen wurden (MÄNNER-Archiv).

Schutzengel gegen den Hass

Wäre da nicht eine Gruppe von Schutzengeln gewesen, die die Trauernden von den Hassbotschaften der Kirchen-Vertreter abschirmten. Etwa 200 Menschen, die sich über Facebook gefunden und organisiert haben, darunter Ensemblemitglieder des Orlando Shakespeare Theaters, hatten eine Menschenkette auf der Straße vor der Kirche gebildet und verdeckten mit großen weißen Flügeln die Plakate, die ein kümmerlicher Haufen von weniger als einem Dutzend WBC-Protestierer hochhielt. Passanten, die dazu kamen, halfen mit Regenschirmen, die Hassbotschaften zu verdecken.

Gott hat mich gemacht, wie ich bin

Ein schwules Paar, das sich dem Engel-Protest anschloss, erklärte: „Gott liebt jeden. Er hat mich gemacht, wie ich bin”, so Angel. „Ich kann es nicht ändern. Ich habe versucht, normal zu sein, hetero. Aber ich bin nunmal so.” Sein Mann Adam nannte die Positionen der WBC „krank und gestört”, mit denen sie Menschen vom Christentum verscheuchen würden.

Die Vertreter der Baptistenkirche gaben irgendwann auf und zogen ab. Die Menge rief ihnen nach: ‘Orlando strong! Orlando strong!’

Dieselbe Strategie hatte man schon erfolgreich erprobt, als sich 1999 nach dem homophoben Hassverbrechen an Matthew Shepard aus Wyoming Vertreter der Westboro Church vor dem Gerichtsgebäude versammelten, in dem den Tätern der Prozess gemacht wurde.

Waffengesetze werden nicht verschärft

Die Kirchenvertreter sind nicht die einzigen, die die schlimmste Schießerei eines Einzeltäters in der Geschichte der USA kalt lässt. Die Republikaner im US-Senat lehnten es am Montagnachmittag ab, die Waffengesetze zu verschärfen. Abgelehnt wurde etwa der Gesetzeszusatz der demokratischen Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien, der es dem Bundesstaatsanwalt erlauben würde, Menschen den Verkauf von Waffen zu untersagen – wenn sie im Verdacht stehen, einer terroristischen Vereinigung nahezustehen. Die Republikaner lehnten auch den Vorstoß des demokratischen Senators Chris Murphy aus Connecticut ab, der einen Backgroundcheck jedes Waffenkäufers verpflichtend gemacht hätte.

Tim Cook gegen Donald Trump

Unterdessen schränkt der offen schwule Apple-Chef Tim Cook (MÄNNER-Archiv) seine Unterstützung für die Republikianer ein. Wegen der Ausfälle ihres Kandidaten Donald Trump wird der Konzern den Nominierungsparteitag, auf dem Donald Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird, nicht wie früher technisch und materiell unterstützen. Im Wahlkampf 2008 hatte Apple die Republikaner noch mit 140.000 US-Dollar unterstützt. Immerhin wird Cook aber nächste Wochen für den republikanischen Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Paul Ryan, ein Fundraising-Frühstück veranstalten. Trump-Anhänger rufen schonmal mit dem Hashtag #BoycottApple zum Boykott von Apple-Produkten auf.

Titelbild: Fotolia

Galerie: Twitter & Instagram


10 Kommentare

  1. Patrick Voß

    Wenn diese Republikaner und ihre fanatischen Kirchen Futzis keinen Respekt vor den Lebendigen haben, dann sollten sie es doch wenigstens vor den Toden und deren Angehörigen ein wenig haben und sie nicht für ihre Propaganda missbrauchen!!!

  2. Dietrich-Nis Schlömer

    Ich finde immer erstaunlich wie Menschen behaupten können, Gott hasst …. ! Haben die mit Gott gesprochen, kennen sie Ihn persönlich? Gott hasst niemanden, der Mensch hasst, weil er nicht verstehen will/ kann. Alles was anders ist muß gehasst werden. Statt zu sagen, ich hasse, wird immer Gott eingebaut. Dann hasst, lass Hass euch zerfressen, aber leidet alleine… Idioten!!!

  3. Jens Roediger

    Und ich frage mich zudem: wenn Gott doch so allmächtig ist, warum braucht er dann die Hilfe dieser Leute? Würde Gott der Allmächtige Schwule hassen, dann traue ich ihm (oder ihr oder *) zu, dass er das problemlos ohne die Hilfe der WBC zum Ausdruck bringen könnte.


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