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Ein Supermarkt macht Politik

REWE will Umfeld bieten, das "fern von Vorurteilen und Ausgrenzung ist"

Wörtlich genommen bedeutet der Name REWE „Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften“; neuerdings steht der zweitgrößte deutsche Lebensmittelhändler (nach EDEKA) aber für eine fortschrittliche (Unternehmens)Politik, die die Bundesregierung noch älter aussehen lässt, als sie es ohnehin schon ist.

REWE eint Mitarbeiter verschiedenster Nationalitäten, Kulturen, Religionen, Interessen und sexueller Orientierung

Zum einen hat REWE angekündigt, Plastiktüten aus dem Sortiment zu nehmen und leistet damit einen „wesentlichen Beitrag zur Reduzierung von Plastikmüll“. Außerdem befinden sich schon seit einigen Wochen an den Eingangstüren der Märkte deutlich sichtbar Regenbogen-Aufkleber, das Symbol für die LGBTI-Gemeinde. „REWE eint Mitarbeiter verschiedenster Nationalitäten, Kulturen, Religionen, Interessen und sexueller Orientierung“, erklärt das Unternehmen. „Das Zeichen soll insofern unseren Mitarbeitern wie Kunden signalisieren, dass wir ihnen ein Umfeld bieten möchten, das fern von Vorurteilen und Ausgrenzung ist.“

REWE

REWE-Markt in Berlin (Foto: Redaktion)

Fern von Vorurteilen und Ausgrenzung

Nun geht es aber noch weiter: Im REWE-Radio, das in allen Märkten läuft, weist ein etwas zu gut gelaunter Sprecher mit diesen Worten auf die Aktion hin:

„Warum klebt da plötzlich ein Regenbogen-Aufkleber an der Eingangstür vieler REWE-Märkte? Ganz einfach: Das Symbol steht für Toleranz und Vielfalt. Denn REWE eint Mitarbeiter verschiedenster Nationalitäten, Kulturen, Religionen, Interessen und sexueller Orientierung. Das Zeichen soll unseren Mitarbeitern wie Kunden signalisieren, dass wir ihnen ein Umfeld bieten möchten, das fern von Vorurteilen und Ausgrenzung ist.

 

Die Idee stamme vom LGBTI-Mitarbeiter-Netzwerk di.to, das sich innerhalb der REWE Group „für mehr Toleranz und Akzeptanz am Arbeitsplatz, unabhängig von sexueller Orientierung, einsetzt“, so ein Sprecher gegenüber MÄNNER. Das Netzwerk wolle helfen, Mitarbeiter zu integrieren und möchte Anlaufstelle sein für Kollegen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung am Arbeitsplatz Nachteile fürchten.

Selbstverständlicher Respekt für homosexuelle Kollegen

Erfolg können wir nur erreichen, wenn Führungskräfte die Basis und ein Umfeld für ein tolerantes Miteinander im Unternehmen schaffen

Der verantwortliche REWE Group Vorstand Lionel Souque hat die Patenschaft für di.to übernommen. Jeder einzelne der 110.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leiste jeden Tag einen eigenen Beitrag für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung und sichere damit als ein Teil des Ganzen die Zukunft des Unternehmens. „Diesen Erfolg können wir nur erreichen, wenn Führungskräfte die Basis und ein Umfeld für ein tolerantes Miteinander im Unternehmen schaffen“, sagt Souque. „Hierzu gehört nicht nur die Integration von ausländischen Kollegen oder die Akzeptanz anderer religiöser Ausrichtungen und Kulturen, sondern auch der selbstverständliche Respekt, den wir homosexuellen Kolleginnen und Kollegen entgegen bringen.“ Der schwule Eurowings-Planungschef bescheinigt der deutschen Wirtschaft insgesamt ein Problem mit Diversity (MÄNNER-Archiv).

REWE versteht sich als toleranter, moderner Arbeitgeber. Mit der bundesweiten Initiative, an den Eingängen der Märkte den Regenbogen-Aufkleber zu zeigen, erreiche man Menschen außerhalb des Unternehmens, „denen wir signalisieren, dass sie – egal nach welcher sexuellen Ausrichtung sie leben – bei uns willkommen sind“.

Titelbild: Unternehmensgruppe Neupert


46 Kommentare

  1. Andreas Stiene

    Der Kölner Come-Together-Cup wird seit 2014 von REWE intensiv unterstützt. Ein klares Zeichen, das die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung und ein echtes Bewusstsein für Diversity bei REWE echt keine Phrase ist. Ich finde das was in dem Unternehmen im momentan passiert (auch den Stop von Plastiktütenverkauf) richtig gut.

  2. Jean Andre

    Der Kampf um jeden Kunden hat schon lange begonnen….egal mit welchen Mitteln und hat mit Homofreundlichkeit aber auch nichts zu tun (gerade bei REWE)

  3. Männer Magazin

    Hartmut Mueller & Martin Wilsmann: REWE sagt: Die Aufkleber-Aktion ist NICHT befristet. Wenn also die Aufkleber in Eurer Filiale z.T. wieder verschwunden sind, fragt doch einfach mal beim nächsten Einkauf nach dem Grund. 🙂

  4. Gregor Muders

    Toleranz, Akzeptanz und Respekt sollte unsichtbar und selbstverständlich sein. Sorry, solche sichtbaren und schreiende „Auszeichnungen“ sind peinlich und verlogen.

  5. Frank Bartels

    Schade, dass einige von euch immer nur motzen können.. Als Mit-Initator dieser Aktion kann ich jedem versichern, dass diese Aktion gemeinsam vom schwul-lesbischen Netzwerk di.to. sowie dem für REWE zuständigen Vorstand Lionel Souque ins Leben gerufen wurde und von der kompletten Geschäftsleitung zu 100% unterstützt wird. Der Aufkleber steht übrigen nicht nur vor Homosexuelle, sondern soll grundsätzlich aussagen: In unseren Märkten ist jeder willkommen.

  6. Jan Dominic Potthoff

    Schwachsinn und ueberfluessig… wenn sie damit Geld verdienen koennen, dann wuerden sie auch „Pro Klemmbrettklaurumaenen“ oder sonstwas sein. Unehrliche und nervende Trittbrettfahrerei, die niemand braucht.

  7. Gregor Muders

    Nein, es geschieht ja meist, gerade bei FB, aus solidarischen Gründen, gerade bei politischen Anlässen. Ich habe einfach das Gefühl dass, insbesondere in der Marktwirtschaft, aus falschen und scheinheiligen Gründen Regenbogensymbole erkennbar sind. Wir, die vor paar Jahren eine Randgruppe waren bzw. auch noch sind, sind als neue zahlende Zielgruppe entdeckt worden. Ich behaupte einfach dass das Symbol ganz einfach missbraucht wird.

  8. Jo Goede

    Guter Marketing und PR-Gag, welcher vermutlich von oberen Etagen seitens REWE vorgegeben wurde.

    Ein Pappschild sagt nichts über das, was sich in den Köpfen von einfachen Mitarbeitern in ihrer Berufsausübung und deren Kundschaft abspielt.

    Ein Pappschild ist ein Pappschild,
    welches Pappschild-fixierte Käufer
    zum Einkaufen animieren soll.

  9. Marcelo Jürgens

    Also ich kenne REWEs, da hängt der Aufkleber schon immer. Und es gibt bestimmt auch REWEs, da wird sich der Filialleiter weigern. REWE hat sowohl eigene Betriebe als auch Lizenznehmer, dementsprechend können sie dem Lizenznehmer vermutlich gar nicht vorschreiben, den Aufkleber zu montieren…

  10. Frank Bartels

    Schade, dass du auch zu denjenigen gehörst, die um des reinen Postens irgendeinen Unsinn erzählen. Ich habe weiter oben geschrieben, dass die Idee aus dem Netzwerk stammt, dessen Sprecher ich bin, und sofort vom Vorstand und Geschäftsleitung unterstützt wurde. Es handelt sich übrigens um einen Regenbogenaufkleber und kein Pappschild. Hättest du den Artikel in voller Gänze gelesen ( und verstanden), müsstest du nicht unwahre Behauptungen verbreiten.

  11. Jo Goede

    Herr Bartels, es steht Ihnen frei, als Mitarbeiter von REWE, diese Marketingaktion auch „zu verkaufen“.

    Als Kunde frage ich mich, wenn die Geschäftsleitung einer Unternehmung durch Top-Down-Delegation ein neues Verkaufspappschild initiert, was verändert eine solche Pappschild-Delegation in den Köpfen der einfachen Mitarbeiter und deren (bisherigen) Kundschaft? Durch ein neu entdecktes Pappschild halten sich nun alle an den Händen und haben sich furchtbar lieb?

    Mit Verlaub, diesen PR-Gag erachte ich nicht als glaubwürdig.

    Auch steht es Ihnen frei, gegenteilige Meinungen und Sichtweisen, weiterhin als „Unsinn“ zu betiteln. Es stärkt Ihr Verkaufsargument und Ihre Glaubwürdigkeit.

  12. Frank Bartels

    Ich denke, eine weitere Diskussion macht an dieser Stelle keinen Sinn. Es bestärkt mich in meiner Meinung, dass die größten Hater von Netzwerken wie dem unseren aus der eigenen Community stammen. Traurig, ist aber so.

  13. Andreas Stiene

    Ein Wirtschaftsunternehmen das etwas gesellschaftlich wirksames macht bzw. auf den Weg bringt, ist mir persönlich hundert mal lieber, als eines, dass gesellschaftlich überhaupt nichts macht oder sogar bewußt verantwortungslos handelt. Die Nachhaltigkeit und Ernsthaftigkeit zeigt sich doch eh erst auf längere Sicht. Dann kann man sich negativ darüber auslassen, dass es fast doch nur eine reine Marketingaktion war. Danke REWE, macht weiter so und gerne noch mehr gemeinsinniges 🙂

  14. Timon Sielke

    Bei REWE habe ich in 10 verschiedenen Filialen gearbeitet. Wenn nicht einmal die Angestellten geachtet werden, weshalb denn Kunden? Leute, es geht hier nicht um Toleranz, es geht hier um Verkaufszahlen. Und Ihr fällt darauf rein…

  15. Wolfgang Schmitt

    Frank Bartels – Im angelsaechsischen Raum sind diese Willkommens-Bekundungen mit Regenbogenflagge seit langem gang und gaebe. Es freut mich, dass deutsche Unternehmen hier nachziehen und hoffe, sie lassen sich nicht von Ewig-Noerglern, die ueber jede Aktion, die nicht ihre ganz individuellen Lebensumstaende wiederspiegelt, im Internet motzen, davon abhalten, dies auch in Zukunft zu tun! 🙂

  16. Dasich Unddiewelt

    Ich finde es gut. weiter so… Um so mehr es den Leuten vor Augen gehalten wird, um so normaler wird es.. Es zeigt das es Schwul auch im normalen Leben gibt und nicht nur in Bars und Sexshops. Ich denke das es bei Leuten die ehr gegen „homo“ sind unbewusst was im Hinterkopf ändert wenn ihnen der gleiche Alltag vor Augen gehalten wird.

  17. André Dravenau

    Hut ab. Richtige Aktion. Haltung zeigen bewirkt immer etwas und wirtschaftliche Interessen sind, wenn sie sinnvoll, nachhaltig und verantwortungsbewusst sind, nichts falsches. Jeder soll selbst entscheiden, ob diese Aktion sein Kaufverhalten beeinflusst. Ich kaufe lieber bei einem Unternehmen, dessen Ausrichtung ich in Toleranzfragen kenne. Und für eine reine Marketingstrategie ist die Aktion zu weit gefasst. Wollte man nur die Kunden aus der Community locken, hätte der Aufkleber und eine PM an bekannte Szenemedien gereicht. Mit den Durchsagen jedoch nimmt REWE sogar in Kauf, Kundschaft zu verlieren. Denn so tolerant ist unsere Gesellschaft, egal welchen Gesellschaftsschichten gegenüber noch lange nicht. Da können solche Aktionen einen Beitrag leisten. Ich finde es gut und werde beim nächsten REWE – Besuch mal schauen, ob der Lizenznehmer am Ort mitmacht.

  18. Gerald Lindner

    Eine Frage: wie kann ein Supermarkt schwulenfeindlich sein und wie soll sich das äußern? Keine rosa Artikel im Sortiment. Tut mir leid, aber das ist ein reiner Marketinggag, wenn man darauf reinfällt, muss man schon ein bisschen naiv sein!


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