„Ich bin ein schlechter Fußballer“

Ricky Martin ist die schwule Pop-Fachkraft für Fußballhymnen

In Frankreich beginnt heute die Fußball-Europameisterschaft. Als ihr großer Bruder, die WM, in Frankreich war – im Jahr 1998 – sang Ricky Martin die offizielle Hymne „Copa de la Vida“. Damals war er noch ungeoutet. Auch für die Fußball-Weltmeisterschaft in Rio 2014 veröffentlichte er eine passende Hymne, das eher fade „Vida“. Im Jahr 2016 ist der Sänger frisch verliebt (MÄNNER-Archiv).

 

Interview: Steffen Rüth

Ein persönlicher Meilenstein war Dein öffentliches Coming-out im Jahr 2010. Seitdem engagierst Du Dich für die Homo-Szene, bist sogar Botschafter der LGBT-Kampagne „Obama Pride“?
Ja, ich arbeite auf mehreren Ebenen mit der Regierung zusammen. Ich bin auch Ansprechpartner für die lateinamerikanische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten. Ich stamme ja aus Puerto Rico und habe jeweils eine Zeit lang in Argentinien, Brasilien und Mexiko gelebt. Und natürlich tue ich alles, was möglich ist, um die Gay Community zu unterstützen. Es geht dabei um ein grundlegendes Menschenrecht, für das es sich zu kämpfen lohnt. Zum Glück erwachen immer mehr Seelen und die Leute stellen fest, wie richtig und wunderbar Gleichberechtigung ist. Das ist großartig.

In Deutschland hat sich vor zweieinhalb Jahren der ehemalige Fußballnationalspieler Thomas Hitzlsperger geoutet (MÄNNER-Archiv). Die Reaktionen waren sehr positiv. Glaubst Du, dass auch Du als schwuler Sänger dazu beitragen kannst, Homophobie im Fußball zu überwinden?
Ich hoffe es. Homophobie darf nirgendwo auf der Welt einen Platz haben. Sie ist nicht zu tolerieren, egal ob im Fußball, in der Kirche oder wo auch immer. Ich träume von einer Welt, in der die sexuelle Orientierung keine Rolle spielt und offen gelebt wird. Ich habe das mit Thomas verfolgt und wünsche ihm das Allerberste. Und ich warte auf mehr.

Auf mehr Coming-outs von Sportlern?
Ja. Immer her damit. (lacht) Ich habe doch selbst erlebt, wie befreiend so was ist.

Bringen Coming-outs von Berühmtheiten auch Otto-Normal-Homo etwas?
Oh, davon bin ich überzeugt Eine Menge Kids haben an ihrer sexuellen Orientierung zu knabbern, manche leiden, weil Teile der Gesellschaft sagen, dass ihre Gefühle falsch sind. Wenn diese Kids erfolgreiche Menschen sehen, die öffentlich sagen „Hey, das Leben ist toll, ich bin schwul, und das war‘s“, dann bringt ihnen das sicher was. Mein Gott, worüber reden wir denn hier? Doch bloß über sexuelle Orientierung. (lacht) Das Leben ist definitiv zu kurz, um sich zu verstecken. Es ist doch vollkommen egal, in wen du dich verliebst. Verlieben ist toll.

Ricky Martin

Screenshot „Vida“ (2014)

Fühlst Du Dich als alleinerziehender Homo-Vater von Zwillingen als Vorreiter?
Moderne Familien wie wir sind gesellschaftliche Realität. Immer weniger Leute wundern sich über alternative Familienmodelle

Du scheinst ja richtiger Fußballfan zu sein.
Absolut. Spätestens seit ich 1998 bei der WM in Frankreich dabei war, bin ich Riesenfan.

Spielst Du auch selber?
Ich bin ein schlechter Fußballer. (lacht) Aber es kommt vor, dass ich kicke. Mit Kumpels oder mit meinen Söhnen. Matteo und Valentino sind erst fünf Jahre alt, aber haben schon ein Wahnsinns-Ballgefühl. Das kann ich von mir nicht sagen. Auch wenn ich im Video zu „Vida“ den Ball ein paar Mal oben halte.

Das vollständige Interview ist erschienen im Juni 2014 – hier geht’s zum Abo!

Titelbild: Screenshot/“Vida“

 


2 Kommentare

  1. Bernhard Kreiner

    freddy mercury von queen sicherlich fussball ohne die band queen ist wohl unvorstellbar aber ricky ist auch ein toller sänger- wenns nur um einzelsänger geht nunja–???


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