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Rom: Modehaus droht CSD-Organisatoren

Die alteingesessene Modemarke Fendi will nicht mit dem "Roma Pride" in Verbindung gebracht werden. Die Organisatoren wehren sich.

Hiobsbotschaft für die Organisatoren des „Roma Pride”: Kurz vor dem am Samstag stattfindenden CSD der Stadt Rom flatterte ihnen ein Anwaltsschreiben herein, das es in sich hat. In dem Schreiben beklagt sich die alteingesessene italienische Modemarke Fendi über die aktuelle Kampagne zur Demo. Diese zeigt auf unterschiedlichen Plakatmotiven Schwule, Lesben, Transgender und Dragqueens vor dem so genannten „Palazzo della Civiltà” (deutsch: „Palast der italienischen Zivilisation”).

Das Gebäude, das auch unter dem Namen „Quadratisches Kollosseum” bekannt ist, wurde ursprünglich für eine (abgesagte) Weltausstellung im Jahr 1942 gebaut und gilt als monumentalstes Bauwerk des Stadtviertels. Nachdem es in den vergangenen Jahrzehnten unter anderem als Hintergrundkulisse für zahlreiche Filme für Regisseure wie Fellini oder Greenaway und Werbespots für Nike genutzt wurde, ist es seit 2015 Hauptsitz von Fendi. Die Modemarke hat es für geschätzte 2.8 Millionen Euro renovieren lassen.

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Drei der vier Poster aus der aktuellen Roma-Pride-Kampagne

„Geschäftsschädigende” Kampagne?

Fendi scheint sich nun daran zu stören, mit dem Roma Pride und dem dazugehörigen Motto „Wer sich nicht zufrieden gibt, kämpft” („Chi non si accontenta, lotta”) in Verbindung gebraucht zu werden. In dem Schreiben an die Organisatoren beschwert sich der Anwalt des Modehauses, die Abbildung des Gebäudes sei von der Modemarke als „Lizenznehmer” des Palazzos „nie autorisiert” worden. Man habe die Bilder also missbräuchlich gemacht. Doch das ist noch nicht alles: Fendi hält die Darstellung seines Hauptsitzes in der Kampagne für geschäftsschädigend. Man droht dem „Roma Pride” daher sogar mit rechtlichen Schritten, wenn die Organisatoren nicht sofort alles Werbematerial vernichten und die Motive aus den sozialen Medien zurückziehen.

Eine Forderung, die die Organisatoren nicht nur kalt erwischt, sondern auch zum Staunen bringt. In einem aktuellen Statement antwortete die LGBTI-Organisation Mario Mieli, die den Pride mitveranstaltet, man werde sich weigern, die Kampagne zurückzuziehen. Der Palazzo sei ein öffentliches und „internationales anerkanntes” Symbol der Stadt und deshalb als Motiv für das Poster ausgewählt worden. Man könne sich außerdem „nicht vorstellen”, dass ein Unternehmen, welches unter seinen Kunden sehr viele LGTBI hat, durch die indirekte Verbindung mit dem Pride an Ansehen einbüßt.

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Der Palazzo della Civiltà in Rom.

Nichts gelernt

Scheint so, als habe Fendi nichts aus den Fehlern von italienischen Unternehmen wie Barilla (MÄNNER-Archiv) oder Dolce & Gabbana (MÄNNER-Archiv) gelernt, die für ihre abwertende Statements gegenüber der Community international Kritik kassiert haben. Bereits jetzt ist ein Shitstorm auf der Facebook-Seite der Unternehmens in vollem Gange (Hashtag: #ofFENDIng). Außerdem bewegt sich das Modehaus mit seiner Drohung auch rechtlich auf einem schmalen Grad, hat es das Palazzo-Gebäude doch von der Stadt Rom lediglich gemietet.

Doch auch die Organisatoren des Roma Pride müssen sich zumindest eine kritische Frage gefallen lassen: Warum hat man sich als Hintergrundmotiv für die Pride-Poster eigentlich überhaupt für den „Palazzo della Civiltà” entschiedenen – gilt das Gebäude doch als eines der symbolträchtigsten Bauwerke der faschistischen Architektur und als Symbol für die Mussolini-Ära? Doch diese Frage wird wohl an einer anderen Stelle zu diskutieren sein, wenn sich die Wogen geglättet haben.

Foto: FaceMePLS/FLickr, Copyright CC BY SA 2.0 (modifiziert)

 


9 Kommentare

  1. Walter Oberschlick

    Ja, aber die Art und Weise, mit Anwalt etc. ist dann schon sehr widerlich. Als wäre die gaypride eine ansteckende gefährliche Krankheit von der man nicht berührt werden möchte… Schon ziemlich ungute Einschüchterungstaktik die Klagsdrohung….

  2. Phil Grafe

    Zugegeben. Jedoch sind die Mittel der Wahl, wenn es darum geht schwule Interessen zu vertreten, zuweilen an Impertinenz nicht zu überbieten und da würde ich mir auch nicht unbedingt groß Aufwand machen und ebenfalls den juristischen Weg einschlagen.

  3. Bernhard Kreiner

    cool wieder ein dreckshaus was man nicht betreffen darf- irgendwie finde ichs aber richtig auch weil ich hoffe das homosexuelle immer mehr auf die idee kommen unsere rasse und unser leben im vordergrund zu stellen und mehr für uns selber machen- wie eben die religionen auch mehr wir für uns eben- und religionen aussen vor lassen auch aus des csds schmeissen wenn nötig

  4. Alfred Wilhelm

    tutti gli psicologi di questo mondo sono d’accordo que la omofobia piu cattiva nasce di omosessualita propria nascosta ! una impresa di moda dovrebbe essere pienissimo di gay pero considerato il stile di questa impresa gli manca ovviamente il rapporto giusto con questo fatto … #boycottfendi


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