Mailand: Fahne hoch!

Die Lega Nord hat versucht, die Regenbogenfahne zu verbieten. Das ist mit den Mailändern nicht zu machen.

Vor kurzem wurde in Mailand gewählt. Deswegen hat die Stadt jetzt einen neuen Bürgermeister, Bebbe Sala von der Demokratischen Partei, und viele neue Bezirksbürgermeister. Einer von ihnen, Samuele Piscina von der Lega Nord, ist für den Verwaltungsbezirk 2, der sich rund um den Mailänder Dom erstreckt, zuständig. Die Lega Nord ist sowas wie die AfD, nur eben zusätzlich mit Italienern. Deswegen hat es auch gar nicht lange gedauert, bis Piscina seine erste, richtig dumme Idee hatte: Er hat die Regenbogenfahne verboten. Oder, besser gesagt, er hat verboten, dass die während der Pride-Week diese Woche an den offiziellen Gebäuden in seinem Bezirk weht, wie sie das, nach einem Beschluss der Stadtverwaltung, eigentlich seit 2014 immer getan hat.

Es ist traurig zu sehen, dass die Homophobie, die den gesamten Wahlkampf der Rechten geprägt hat, jetzt schon wirksam wird.

Der Bezirks-Abgeordnete Yuri Guaiana von der Demokratischen Partei, immerhin Ex-Vize-Bezirksbürgermeister, der das Verbot durch seine Anfrage, warum es dieses Jahr keine Fahnen im Bezirk 2 gäbe, erst zum Vorschein gebracht hatte, sagt dazu: „Vielleicht ist dem neuen Bezirksbürgermeister entgangen, dass die Beschlüsse der Stadtverwaltung auch respektiert werden müssen, wenn sie LGBTI betreffen. Es braucht einen neuen Beschluss der Stadtverwaltung, um die Regenbogenfahnen nicht mehr zu hissen. Es ist traurig zu sehen, dass die Homophobie, die den gesamten Wahlkampf der Rechten geprägt hat, jetzt schon wirksam wird. Wir sollten diesen Gesetzesbruch nicht einfach ignorieren. Heute betrifft er LGBTI, wer weiß wer morgen das Ziel solcher Verbote ist. Ich fordere unseren Bürgermeister auf, hier einzuschreiten.”

Die Regenbogenfahne nicht zu hissen, ist durch unser Mandat vollständig gedeckt.

Piscina antwortet: „Wir diskriminieren Homosexuelle nicht. Aber, die Bewohner des Bezirkes haben sich bei der Wahl für neue Mehrheiten entschieden, die nun Entscheidungen trifft, die wir uns nicht von Minderheiten in Frage stellen lassen. Die Regenbogenfahne nicht zu hissen, ist durch unser Mandat vollständig gedeckt. Im Laufe der Legislaturperiode, wird es sicher die Möglichkeit und den Willen geben, das Thema noch einmal zu diskutieren. Wenn die Verwaltung dann dafür ist, kann die Fahne wieder gehisst werden.” Noch einmal: Piscina ist der Vorsitzende der Verwaltung, die das Hissen auf einer Sitzung am 20. Juni gerade verboten hat.

Lokale Medien sprechen von einer „bunten Revolte des Volkes”.

Den Mailändern allerdings ist die Entscheidung der Bezirksverwaltung relativ egal. Sie umgehen sie einfach, indem sie in Massen Regenbogenfahnen an ihren Balkonen und Wohnungsfenstern befestigen. Das kann ihnen schließlich niemand verbieten. Lokale Medien sprechen von einer „bunten Revolte des Volkes”.  Unter dem Namen „Bandiere arcobaleno a Milano” hat sich inzwischen auch eine Facebookgruppe gebildet, die das zum Pride-Marsch am Samstag noch ausbauen und dokumentieren will. Wir wünschen den Mailändern einen bunten Pride und viele Regenbogenfahnen, egal wo und von wem sie aufgehängt worden sind. Schließlich haben sie mit der frisch eingeführten Lebenspartnerschaft (MÄNNER-Archiv) dieses Jahr wirklich etwas zu feiern.

Fotos: Luca Baldini/Facebook


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