„Mein Gott, es ist 2016!“

Christian Kern entwickelt sich zum Justin Trudeau Österreichs

„Ich bin Bundeskanzler, und ich bin auf der Regenbogenparade – ja und?“, rief Christian Kern gestern der jubelnden Homo-Gemeinde bei der Wiener Regenbogenparade zu. „Mein Gott, es ist 2016! Die Zeit dafür war überreif.“

Kern ist jetzt einen Monat im Amt, und wo er in Sachen Homo-Rechte steht, ist spätestens seit gestern glasklar und für alle im Video nachzuhören. Er sei gekommen, um mit allen LGBTI-Menschen für Vielfalt und Toleranz einzutreten. Auch die Bluttat von Orlando sprach Kern an:

Ein feiger Mord erinnert uns daran, wer unser gemeinsamer Gegner ist – Hass und Intoleranz

„Es geht um die Frage, wie wir in diesem Land gemeinsam leben wollen. Und wir haben in den vergangenen Wochen erlebt, wie aus einem friedlichen Zusammenleben eine furchtbare Tragödie werden kann. Ein feiger Mord, der uns daran erinnern soll, wer unser gemeinsamer Gegner ist – der Hass, die Intoleranz, die Gewalt.“

Zwischen dem lockeren Aufreten Kerns, der seinen Auftritt sichtlich genießt, und dem verdrucksten Statement der Kanzlerin, die erst nach öffentlichem Druck überhaupt von schwulen und lesbischen Opfern und von Homohass sprach (MÄNNER-Archiv), liegen Welten. Der neue Bundeskanzler erinnert in seiner lässigen Art an den beliebten Justin Trudeau, der Anfang des Monats als erster Premierminister Kanadas die Regenbogenfahne vor dem Parlament hisste. Deutschland wirkt nun isolierter und rückschrittlicher, seine Regierungschefin kaltherziger als ohnehin schon.

trudeau

Kanadas Premier Trudeau will auch beim Toronto Pride Anfang Juli mitlaufen (Foto: Toronto Pride)

Der SPÖ-Politiker und frühere Manager der Österreichischen Bahn, der sich in der Vergangenheit stets für Homo-Rechte ausgesprochen hat (MÄNNER-Archiv), will verhindern, dass die Rechtspopulisten von der FPÖ noch stärker werden.

„Der Hetze gegen Minderheiten müssen wir mit einem eigenen Programm begegnen”, hatte er bei seiner Wahl angekündigt. Weltoffen soll Österreich sein. Außerdem will der neue Bundeskanzler zusammen mit dem konservativen Koalitionspartner ÖVP das Wirtschaftswachstum ankurbeln und neue Jobs schaffen. Kern will nichts weniger als die Stimmung im Land verbessern: „Die größte Wachstumsbremse ist am Ende die schlechte Laune.”

Titelbild: SPÖ/Facebook

 

 


8 Kommentare

  1. Mike Effey

    Sorry, man kann aber auch immer meckern. Wenn ich über Frauenrechte , über Krebserkrankte, über Schwangere, über Beamte, über Rentner ect. rede, sage ich auch nicht wir, weil ich bestenfalles zwar gute Politik für die genannten Gruppen mache, aber nun einmal nicht selber dazu gehöre.Wie gesagt, wenn es nichts zu kritisieren gibt.

  2. Michael Kühler

    Ich finde es sehr positiv, dass er von „Ihr“ usw. spricht. Man muss selbst nicht schwul sein, um die Rechte von Schwulen etc. erkennen und durchsetzen zu wollen.

  3. Andrea Hintermaier

    Wenn man von einer Bewegung redet, in der es um die Gleichheit aller Menschen geht, kann man schon mal in der Wirform reden. Es geht doch nicht nur um die sexuelle Orientierung, sondern um Gleichheit, Freiheit und Akzeptanz für alle.


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