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„Dann müssen Sie mit uns marschieren!”

Die Eltern der 2015 ermordeten Shira Banki rufen zur Teilnahme am Jerusalem Pride auf

UPDATE (21.7.2016) Kurz vor dem am heutigen Donnerstag stattfindenden Jerusalem Pride hat Israels Präsident Reuven Rivlin ein Ende der Hetze gegen Homosexuelle gefordert. Rivlin hatte zuvor die Eltern von Shira Banki empfangen, die beim 2015er Jerusalem Pride von einem ultraorthodoxen Juden mit einem Messer ermordet wurde.

Jerusalem

Mahnwache für die Opfer des Jerusalem Pride 2015 (Foto: Imago)

„Auf Politik, Religion oder sexueller Orientierung basierende Unterschiede rechtfertigen nicht Gewalt und Hetze“, erklärte Rivlin und forderte ein Ende entsprechender Äußerungen: „Die Aussagen von Rabbinern, Anführern und geistlichen Leitern haben mich tief verletzt.“ Im Juni hatte etwa der ultrakonservative Rabbiner Jaakov Ariel Mitglieder der LGBTI-Familie als „Menschen mit Behinderung“ bezeichnet: Sie „litten an einem echten Problem, das mit psychologischer und pharmakologischer Behandlung gelöst werden muss“.

 

Es dauerte nur wenige Augenblicke, und der Mann, der beim Jerusalem Pride Ende Juli 2015 mit dem Messer auf mehrere Teilnehmer losgegangen war, wurde noch am selben Tag gefasst. Sechs Personen hatte er schwer verletzt. Eine davon, die 16-jährige Shira Banki erlag wenig später ihren schweren Verletzungen in einem Hospital. Der Täter heißt Yishai Schlissel: Der ultraorthodoxe Jude hatte bereits 2005 den CSD in Jerusalem mit einem Messer angegriffen, weil die Veranstaltung seinen Moralvorstellungen nicht entsprach. Auch damals verletzte er mehrere Menschen. Schlissel wurde zu einer langen Haftstrafe verurteilt, aus der er erst wenige Tage vor dem Jerusalem Pride entlassen wurde – vorzeitig. Verurteilt hatte man ihn damals ursprünglich zu 12 Jahren. Vor der Messerattacke hatte Schlissel einen Flyer verteilt, in dem es hieß: „Jeder Jude hat die Pflicht, die Entweihung von Gottes Namen aufzuhalten. Man muss um jeden Preis die Parade der Sünde aufhalten. Schissel wurde im Juni zu lebenslanger Haft verurteilt und wird das Gefängnis nie wieder verlassen. (MÄNNER-Archiv)

Wir hoffen, Sie in diesem und auch den kommenden Jahren, beim Jerusalem Pride begrüßen zu können.

Heute haben Ori and Mika Banki, die Eltern von Shira, auf Facebook zur Teilnahme am nächsten Jerusalem Pride am 21. Juli aufgerufen. Sie schrieben: „Nachdem Shira ermordet wurde, gab es viele, die sagten, sie könnten Gewalt nicht als Mittel der Auseinandersetzung akzeptieren, obwohl sie mit der Lebensweise der LGBTI-Community nicht einverstanden sind, und auch dem Konzept eines Prides in Jerusalem nicht zustimmen würden. An alle die, die das damals gesagt haben, und die, die ähnlich denken: Wir hoffen, Sie in diesem und auch den kommenden Jahren, beim Jerusalem Pride begrüßen zu können. Denn durch ihre Teilnahme signalisieren Sie nicht nur Ihre Unterstützung für die LGBTI-Community, sondern tragen den Gedanken von Toleranz und gleichen Rechten für alle in die Welt. Das bedeutet für uns auch, sich Gewalt als Lösungsversuch für gesellschaftliche Auseinandersetzungen entgegenzustellen.

Wenn wir uns ihnen nicht entgegenstellen, wird es bald neue Morde geben.

Shira war kein Mitglied der LGBTI-Community, aber sie glaubte daran, dass jeder Mensch das Recht hat, auch wie einer behandelt zu werden, ganz unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. Wir alle verdienen Respekt und sollten vor Gewalt und Missgunst geschützt werden. Anders als Shira glaubten und glauben viele, eine Rechtfertigung für Beleidigungen, Hass und selbst Mord in ihren Herzen finden zu können. All jene sind, bewusst und unbewusst, verantwortlich für den Mord an unserer Tochter. Wenn wir uns ihnen nicht entgegenstellen, wird es bald neue Morde geben. Wenn Sie für eine bessere Gesellschaft in unserem Land, ein besseres Jerusalem und ein besseres Israel stehen, müssen Sie dieses Jahr beim Jerusalem Pride mit uns marschieren. Wir laden Sie dazu ein, Blumen mitzubringen und sie an der Stelle niederzulegen, an der das Messer im letzten Jahr Shiras Leben beendet hat.” Der vom Jerusalemer Open House veranstaltete Pride findet dieses Jahr auch offiziell im Gedenken an Shira Banki statt.

Foto: Facebook


1 Kommentar

  1. Patrick Voß

    Und auf der Seite von Israel Botschaft auf Facebook, wird dieser Fall komplett verschwiegen trotz mehrmaligen hinweiss. Das ist schon traurig, aber passt halt nicht in deren Politik!


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