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Arabisches LGBTI-Magazin provoziert

Das Online-Magazin My. Kali sorgt für Aufregung im nahen und mittleren Osten

von Thomas Petersen

My. Kali gibt es bereits seit neun Jahren. In englischer Sprache verbreitet es LGBTI-Themen im nahen und mittleren Osten (MÄNNER-Archiv). Mit seiner Mai/Juni-Ausgabe hat sich der Herausgeber Khalid Abdel-Hadi auf ein neues, unerprobtes Terrain begeben. Der libanesischen Webseite Raseef 22 gegenüber hat er erklärt, warum. „Die Wende kam nachdem so viele homosexuelle Leser, die kein Englisch können, wollten, dass wir eine arabische Ausgabe machen. Wir wollten damit das Bewusstsein für unsere Themen weiter verbreiten.“

Jordanien

MÄNNER-Coverboy Hamed Sinno hat auch schon den Titel von My.Kali geziert (Foto: My.Kali)

Was zunächst von den Usern als Meilenstein, auch im Sinne der LGBTI-Rechte, weltweit gefeiert wurde, entpuppt sich nun als echte Bedrohung für den Herausgeber. Die Ankündigung gerichtlicher Klagen bis hin zu Morddrohungen – die Liste ist sehr lang. Weiter erklärt er: „Als ich anfing, das Magazin zu machen, habe ich Englisch gewählt, um Anfeindungen aus der jordanischen Gesellschaft zu entgehen.“ („Jordanien ist nicht so frei, wie man vielleicht denken mag” – erzählt ein offen schwuler Buchhändler aus Amman – MÄNNER-Archiv.)

Finanziert, um Homosexualität ins Land zu tragen?

Doch jetzt, da die erste Ausgabe in arabischer Sprache vorliegt und durch das Interview, das er gegeben hat, sieht sich Khalid Abdel-Hadi genau diesen feindseligen Äußerungen ausgesetzt. Viele arabische Nachrichtenquellen fragen sich, warum My. Kali die arabische Welt provoziert und unterstellen dem Online-Magazin, nicht offiziell registriert zu sein.

Mai/Juni-Ausgabe von My.Kali (Foto: My.Kali)

Mai/Juni-Ausgabe von My.Kali (Foto: My.Kali)

Es wurde unter anderem auch berichtet, dass das Magazin in gedruckter Form erhältlich sei – was nicht stimmt. Andere Quellen wiederum werfen dem Magazin vor, aus dem Ausland gesteuert und finanziert zu sein, um Homosexualität „ins Land zu tragen“. Die Medienbehörde Jordaniens hat angeblich damit gedroht, Klage zu erheben, sollte bewiesen werden, dass das Magazin gedruckt wird.

My. Kali ist nicht dazu da, die jordanische Tradition oder Gesellschaft zu entwerten

Auf der Homepage von My. Kali reagiert der Herausgeber mit folgendem Statement:

„Das Magazin ist ein Null-Budget Online ‘Social- und Entertainment E-Zine’, das als eine kollektive Plattform, freiwillige Beiträge unbezahlter Autoren, Blogger und anderer Kreativen aus dem Nahen Osten und Nordafrika verbreitet. Es ist nicht und wurde nie gedruckt. Es gibt keinerlei Pläne, das Magazin als Hardcopy auf den Markt zu bringen.“ Weiter erklärt er, dass My. Kali unabhängig sei und nicht von einer ausländischen Regierung oder einer anderen internationalen Organisation gesponsert oder unterstützt werde. „Es ist weder die Absicht des Magazins, die Traditionen und die Kultur der jordanischen Gesellschaft zu untergraben, noch Homosexualität zu verbreiten, wie behauptet wurde. Das E-Zine glaubt an die Meinungsfreiheit und übt dieses Recht als informelles Kollektiv im Internet aus, Artikel mit denen zu teilen, die freiwillig seine Website besuchen. Die jordanische LGBTI-Community war immer schon fester Bestandteil im sozialen Gefüge Jordaniens. My. Kali ist kein Fremdexport und ist nicht dazu da, die jordanische Tradition oder Gesellschaft zu entwerten.“

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung

In der UN-Menschenrechts-Charta heißt es: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Jordanien ist seit dem 14. Dezember 1955 Mitglied der Vereinigten Nationen – 7 Jahre und 4 Tage nach der Formulierung der Menschenrechte.

Titelbild: My.Kali


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