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Ja-Wort für Australien?

Die Parlamentswahlen sind jetzt 7 Wochen her

UPDATE (21.8.2016) Nach einem Bericht des Sunday Telegraph will der australische Premier Malcolm Turnbull das Referendum zur Ehe-Öffnung offenbar auf Februar 2017 verschieben. Im Wahlkampf hatte er gesagt, er wolle möglichst noch 2016 darüber abstimmen lassen. LGBTI-Organisationen halten das Referendum ohnehin für reine Hinhalte-Taktik, die obendrein viel Geld koste. Vermutlich müssen sich Australiens Schwule und Lesben noch bis zum 13. September gedulden – dann soll ein Termin im Rahmen eines Koalitionstreffens bekannt gegeben werden.

 

„Die Liberalen werden es nicht tun! Die Grünen können es nicht tun! Nur Labor wird in den ersten 100 Tagen die Ehe gleichstellen.“ Mit diesem Slogan buhlte die sozialdemokratische Labor-Partei um schwule Wählerstimmen. Ein markiges Bekenntnis. Besonders, wenn man bedenkt, dass die traditionsreichste Partei des Landes mit dem schwulenfeindlichen Joe Bullock noch Anfang März einen erklärten Gegner der Ehegleichstellung aus ihren Reihen werfen musste. Bullocks Abgang war das krachende Ende eines Reformprozesses, mithilfe dessen Labor-Vorsitzender Bill Shorten nach drei Jahren in der Opposition wieder an die Regierung kommen will. Er war es, der den 100-Tage-Plan ins Leben rief und seine Parteifreunde schon vor einem Jahr mit Sätzen wie „Gleichgeschlechtliche Paare haben zu lange gewartet. Australien hängt hinter dem Rest der Welt zurück. Die Debatte über die Gleichstellung der Ehe hat einfach schon zu lange gedauert“ auf Spur brachte.

Konkurrenten: Bill Shorten von der Labor-Partei (links) und der amtierende Premierminister Malcolm Turnbull Kontras
Knapp drei Viertel der Australier sind für die Ehe für alle

Tatsächlich spielte das Thema Ehe-Öffnung bei den 45. australischen Parlamentswahlen eine zentrale Rolle (MÄNNER-Archiv). Umfragen zufolge sind knapp drei Viertel der Bevölkerung für die Gleichstellung. So fuhr auch Liberalen-Chef Malcolm Turnbull keinen explizit gegnerischen Kurs beim Thema Ehe, sondern stellte einen Volksentscheid zum Thema in Aussicht, auf dessen Datierung er sich allerdings nicht festlegen lassen wollte. Das interpretieren viele als Salamitaktik. Grünen-Boss Richard Di Natale ist derweil ein langjähriger Verfechter einer Öffnung der Ehe, während der Gründer und Vorsitzende von Katter’s Australian Party seit jeher ein Gegner homosexueller Ja-Worte ist – wofür er von seinem schwulen Halbbruder Carl (Mitglied bei Labor) immer wieder öffentlich kritisiert wird.

Queere Kandidaten von links nach rechts! Oben: John Pavetto, Geoffrey Winters, Pat O’Neill
Unten: Kirsten Lovejoy, Trevor Evans, Bridget Clinch
Australien Kandidaten
Queere Kandidaten quer durch alle Parteien

Letztlich wurden die parteiübergreifend sehr durchlässigen Standpunkte bei Homo-Themen aber schon durch die Präsenz offen queerer Kandidaten deutlich. Für Labor ging der schwule Vater Pat O’Neill ins Rennen, für die Grünen die lesbische Abgeordnete Kirsten Lovejoy, für die Liberalen stehen mit Trevor Evans, Geoffrey Winters und John Pavetto gleich drei junge Schwule in den Startlöchern. Mit der parteilosen Bridget Clinch stellte sich zudem Australiens erste Trans-Politikerin zur Wahl. Am Ende stand die konservative Regierungskoalition unter Turnbull als Siegerin fest.

Weitere Hintergründe zur Australien-Wahl stehen in MÄNNER 7.2016

Australien

ABC-Wahl-Experte Antony Green

 

Fotos: PR / ABC


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