Schwule Trauung

Britische Kirche sagt „Ja”

Eine protestantische Kirche macht den Weg frei für gleichgeschlechtliche Trauungen. Doch es bleibt eine Hintertür.

Gute Nachrichten für alle schwulen und lesbischen Mitglieder der britischen „United Reformed Church” (URC): In einer Generalversammlung haben sich die Oberhäupter der protestantischen Kirche am Samstagabend mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, gleichgeschlechtliche Eheschließungen zu erlauben. Mit über 56.000 Mitgliedern ist die URC damit die bisher größte kirchliche Vereinigung des Landes, die den Weg für eine gleichwertige Trauung von Schwulen und Lesben frei macht. Damit folgt sie Vorbildern wie der Norwegischen Kirche (MÄNNER-Archiv) und mehreren protestantische Landeskirchen in Deutschland (MÄNNER-Archiv), die in den vergangenen Monaten ähnliche Beschlüsse gefasst haben.

Bemerkenswert ist dabei vor allem die Einigkeit, mit der die Entscheidung getroffen wurde: In der Abstimmung über einen gemeinsamen Beschluss zur Öffnung für gleichgeschlechtliche Trauungen stimmten 240 Mitglieder der Versammlung mit „Ja” ab, während nur 21 Mitglieder sich dagegen aussprachen. Die große Zustimmung könnte allerdings auch damit zu tun haben, dass der Beschluss den einzelnen Kirchengemeinden eine Hintertür offen lässt: Gleichgeschlechtliche Trauungen werden zwar erlaubt, sind aber keine Verpflichtung.

Alles kann, nichts muss

„Wir haben einen wichtigen Entschluss getroffen”, erklärte dazu John Proctor, der Generalsekretär der Kirche. „Eine Entscheidung, die einige freudig begrüßen, mit welcher andere sich aber unwohl fühlen werden. Jene Kirchengemeinden, die gleichgeschlechtlichen Paaren eine vollwertige Trauungszeremonie anbieten wollen, haben nun die Erlaubnis, dies zu tun – und jene, die dies nicht wollen, müssen es nicht tun.” Alles kann, nichts muss also.

Ausnahmeregelungen wie diese sind nicht untypisch, wie ein Blick nach Deutschland zeigt. Hier hat die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg im April zwar mit großer Mehrheit beschlossen, gleichgeschlechtliche Trauungen gleichzustellen (MÄNNER-Archiv) und am Freitag erst bekannt gegeben, im August die erste gleichgeschlechtliche Trauung durchführen zu wollen. Ein Passus in dem Beschluss vom April erlaubt es jedoch Pfarrern und Gemeinden, Schwulen und Lesben eine Trauung aus Gewissensgründen zu verweigern. Die Zeremonie muss dann in einer anderen Gemeinde stattfinden. In fünf Jahren soll diese Regelung noch einmal auf den Prüfstand kommen.

Foto: Fotolia


2 Kommentare

  1. Carsten Janssen

    Es ist nicht die „Reformkirche” sondern die evangelisch-reformierte Kirche (das sind die Protestanten, die sich nicht auf Luther sondern auf Calvin berufen). Die gibt es auch in Deutschland, vor allem in Nordwest-Deutschland und Bayern. Auch in der Schweiz und in Holland gibt es viele Reformierte.


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