„Wir müssen uns weiterentwickeln”

Der britische Comedian Paul Foot über Klischees und heterophobe Schwule

von Jake Taylor (Übersetzung: Christian Lütjens)

An Paul Foot schieden sich von Anfang an die Geister. Als einer der führenden britischen Vertreter des surrealen Humors stakst er auf Flamingobeinen über die Bühne, rollt irre die Augen, schnalzt mit der Zunge und blökt schrille Behauptungen über alles und jeden in den Raum. Er ist ein ultimativer Außenseiter, unfähig auch nur einer Erwartung gerecht zu werden, die konservative Comedy-Fans an ihn stellen könnten (Foots US-Kollegin Margaret Cho ist wütend über Frauenfeindlichkeit und Homophobie – MÄNNER-Archiv).

Unabhängig von den Einflüssen der Kollegen

Nachdem er in Oxford ein Diplom in Mathematik erhalten hatte, entwickelte er zunächst Webseiten. Er hasste die Konformität dieses Jobs. Vielleicht auch, weil er als offen schwuler Mann immer einer Minderheit angehörte. Das Infragestellen von Erwartungen und sozialen Normen war stets eine Grundlage für seine verrückten Ausschweifungen. Dafür lieben ihn seine eingefleischten Fans, die er die „Guild of Connoisseurs“ (Gilde der Eingeweihten) nennt.

„Im Herzen war ich immer Surrealist“, sagt der 42-Jährige. „Oft sagen Leute über meine Comedy, sie sei so ungewöhnlich und einzigartig. Aber da steckt kein Kalkül hinter. Ich mache einfach nur, was ich will, was aus meiner persönlichen Sicht folgerichtig ist. Als ich anfing, Comedy zu machen, hatte ich nicht viel Ahnung vom Schaffen anderer Komiker. Dadurch entstand mein eigener Act wie in einer Blase, unabhängig von den Einflüssen bestehender Künstler.“

Ich war immer offen schwul, rede aber auf der Bühne wenig darüber

Tatsächlich ist Foots Kunst ziemlich einzigartig. Zwar wird sein Schaffen zuweilen mit dem bizarren Stil von Noel Fielding und dem ausufernden Vokabular von Russell Brand verglichen, trotzdem ist der Bühnencharakter Paul Foot – exotisch, verblüffend, individuell – vor allem eines: Er selbst.

Paul Sofa 5

Seine Sexualität war dabei nie ein Geheimnis, aber auch nie ein Thema. „Ich war immer offen schwul, rede aber auf der Bühne wenig darüber“, erklärt er. „Es gibt eine Nummer über Homophobie, da erwähne ich meine Sexualität beiläufig, aber sonst könnte das jeder Comedian machen. Man muss dafür nicht schwul sein. Ansonsten dreht sich mein Programm nicht groß um Sexualität. Muss es meiner Meinung nach auch nicht. Wir haben die Gay Marriage, wir werden nicht mehr auf Klischees festgelegt, also können wir einfach wir selbst sein.“

Homophobie bekämpft man nicht zwangsläufig, indem man auf schrille Queens macht

Trotzdem ist sich Foot, der aus der Grafschaft Buckinghamshire vor den Toren Londons stammt, der Gefahr von Stigmatisierung bewusst: „Es hat im Laufe der Jahre immer wieder Leute gegeben, die bei meinen Shows dummes Zeug reingebrüllt haben, darunter auch homophobe Scheußlichkeiten. Und solange Leute auf Parkplätzen zusammengeschlagen werden, weil sie entweder schwul sind oder auch nur dafür gehalten werden, müssen wir uns dagegen wehren. Wir müssen uns aber auch weiterentwickeln. Homophobie bekämpft man nicht zwangsläufig, indem man auf schrille Queens macht. Es muss auch Leute geben, die Dinge tun und dabei nur nebenbei schwul sind. Sonst grenzt man das eine ja selbst vom anderen ab.“

Einseitige Erwartungshaltung bei Schwulen

Die Erwartungshaltung in der schwulen Szene empfindet Foot somit oft zu einseitig. „Vor ein paar Jahren hab ich eine Show in einem Schwulenclub gemacht. Ich kann die Stimmung dort nur als heterophob bezeichnen. Ich erwähnte kurz, dass ich schwul bin, machte dann aber Comedy, die mit Sexualität und Sex nichts zu tun hatte. Das war irgendwie nicht das, was die Leute erwartet hatten. Am Ende dachten sie, ich sei hetero und will ihnen ans Bein pissen.“

Mehr über Paul Foot und den Begründer von „Fetish Comedy”, Ben MacLean in MÄNNER 8.2016!

Fotos: paulfoot.tv


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