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FBI: Orlando kein homophobes Attentat

Laut der Behörde liegen keine Hinweise darauf vor, dass der Schütze aus Schwulenhass gehandelt hat.

Gut einen Monat nach dem Massaker von Orlando, bei dem 49 Menschen erschossen und 43 verwundet worden sind, scheint das FBI nicht wirklich weit mit seiner Suche nach den Motiven des Killers vorangekommen zu sein. Bestimmte Antriebsgründe für die Tat schließt die Behörde allerdings inzwischen kategorisch aus: Bereits Ende Juni hatte man verlauten lassen, es lägen keine Hinweise darauf vor, dass Attentäter Omar Mateen selbst schwul war und aus Selbsthass gehandelt hat (MÄNNER Archiv). Nun berichtet die Washington Post, dass das FBI auch nicht mehr davon ausgeht, dass er mit dem „Pulse” bewusst einen schwulen Club attackiert hat.

Die Untersuchungen haben nicht ergeben, dass er das ‘Pulse’ ausgewählt hat, weil es ein schwuler Club ist.

„Natürlich ist nicht abzustreiten, dass (das Attentat) besonders tiefe Spuren bei der schwulen Community hinterlassen hat”, zitiert die Zeitung einen hochrangigen FBI-Beamten. „Doch die Untersuchungen haben nicht ergeben, dass er das ‘Pulse’ ausgewählt hat, weil es ein schwuler Club ist.” Zugrunde liegen dieser Aussage Zeugeninterviews sowie Auswertungen von Mateens Computer und seiner Kommunikation über elektronische Medien.

Zweifel an neutraler Spurensuche

Die Einschätzung des FBI dürfte vielerorts irritieren. Erklärten nicht sowohl Omar Mateens Vater wie auch seine Exfrau kurz nach dem Attentat, Mateen habe sich häufig homophob geäußert (MÄNNER-Archiv)? Und wäre es nicht ein merkwürdiger Zufall, dass er angesichts unzähliger Clubs in der Stadt ausgerechnet im Pulse gelandet ist? Fragen wie diese stellt sich auch Patty Sheehan, Stadträtin von Orlando. Sheehan ist selbst lesbisch und äußert sich gegenüber der Washington Post enttäuscht über das Verhalten der verantwortlichen Behörden – insbesondere über jenes von Rick Scott, dem Gouverneur von Florida und der Generalstaatsanwältin Pam Bondi.

Wir werden nicht über Waffen reden und nicht über Schwule – das hier ist ein Angriff auf alle Amerikaner.

Die Stadträtin erklärte gegenüber der Zeitung, welchen Eindruck sie von Scott und Bondi hatte, als diese kurz nach dem Attentat den Tatort besuchten: „Sie sagten: ‘Wir werden nicht über Waffen reden und nicht über Schwule – das hier ist ein Angriff auf alle Amerikaner.’ Das ist die Art und Weise, wie sie die Geschichte erzählen wollen, und das ist Unsinn. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es Hassverbrechen gegenüber LGBTI gibt und wir müssen Kriegswaffen von unseren Straßen verbannen.”

Man muss also nicht in Verschwörungstheorien verfallen, um (wie übrigens auch der Autor der Washington Post) zumindest skeptisch gegenüber den FBI-Statements zu bleiben. Fest steht außerdem, dass auch völlig unabhängig von Omar Mateens Motiven eine Un-Sichtbarmachung von LGBTI in Zusammenhang mit dem Massaker nicht nur ein falsches Signal an die Öffentlichkeit senden würde, sondern auch den Opfern nicht gerecht wird.

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5 Kommentare

  1. Kevin Montany-Jung

    >denke, was sich im unterbewusstsein der mörder/ täter abspielt und die wahl des tatortes schlussendlich beeinflusste, dürfte einem oder den vielen opfer egal sein = macht attentate / morde nicht besser oder schlechter … unstrittig bleibt, dass tatorte die vordergründig z.b. von minderheiten (z.b. schwule) frequentiert werden, immer auch eine opfer – täter kausalität beschreibt === da === mörder/ attentäter immer (z.b. vom unterbewusstsein) „getriebene” sind bzw. „psychologisch” als solche gesehen werden … denke ich=?!<


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