Cricket Batsman Batting Action

„Ich konnte mich nicht mehr verstecken“

Englischer Cricket-Profi über sein Coming-out

Zehn Jahre lang wusste er nicht genau, was mit ihm los ist. Bis zu einem Skirurlaub in Frankreich vor zweieinhalb Jahren. Damals stellte er fest: „Ich konnte mich nicht länger davor verstecken, wer ich war, ich konnte mir nicht länger etwas vormachen und musste mich der Sache stellen.“

Nur eine Phase?

Dass er sich für Jungs interessiert, fand er zunächst schockierend, schreibt der heute 22-jährige Jonny Gascoigne in einem Beitrag für das Portal OutSports. Er passte, wie er fand, nicht zu der allgemeinen Definition eines schwulen Mannes und nahm an, dass er sich nur in einer Phase befände.

Bei der vor allem in England und den ehemaligen Commonwealth-Staaten gespielten Sportart kann es recht ruppig zugehen, verbal jedenfalls: Spieler, um den Gegner zu verunsichern und seine Konzentration zu schwächen, können einander beschimpfen oder einschüchtern – „Sledging“ genannt: eine durchaus umstrittene Taktik. (So wird Homophobie im Fußball geahndet – MÄNNER-Archiv.)

Ich ging Fragen nach Mädchen aus dem Weg und hab mich in der Umkleidekabine möglichst unauffällig benommen

Klar, dass man als schwuler Mann Angst hat, eine Angriffsfläche zu bieten. „Den Gedanke, dass andere Teams um meine Sexualität wissen und sie gegen mich verwenden, fand ich erschreckend.  Also spielte ich einfach weiter Cricket, ging Fragen nach Mädchen aus dem Weg und hab mich in der Umkleidekabine möglichst unauffällig benommen.“ (Dieser junge Fußballer aus Seattle outet sich nach dem Massaker in Orlando – MÄNNER-Archiv.)

Coming-out

Jonny Gascoigne (Foto: privat)

Bis zu jenem Skiurlaub, wo er einen schwulen Animateur traf – ohne zunächst zu ahnen, dass er schwul ist. Bis der andere ihn, auf dem Nachhauseweg nach ein paar Drinks, plötzlich küsste. „Ich hatte Schiss und war gleichzeitig total aufgeregt: Es fühlte sich absolut richtig an.“

Beziehung im Verborgenen

Zurück in seiner Heimatstadt Manchester outete er sich zunächst noch nicht, machte aber online Dates aus und fand sogar einen Freund. Im Februar 2015 trennte der sich von Jonny. Seinem Freund waren die Lügen gegenüber Freunden zuviel geworden, er wollte nicht länger ein Geheimnis in Jonnys Leben sein. „Ich konnte es ihm nicht verübeln, aber es tat weh“, sagt er heute.

Ich konnte danach aufs Spielfeld gehen und wusste, dass ich ihre Unterstützung hatte

Jonny war nun bereit: Er erzählte seiner Familie, dass er schwul ist. Deren Reaktion war sehr positiv, auch seine Freunde akzeptierten ihn, wie er war. Vor dem Coming-out im Cricket-Team hatte er große Angst, weil einige Spieler die Worte „schwul“ und „Schwuchtel“ als Schimpfworte benutzten. Aber alle reagierten sehr zivilisiert und Jonny war erleichtert. „Ich konnte danach aufs Spielfeld gehen und wusste, dass ich ihre Unterstützung hatte.“

Am Ende seines Textes lädt Jonny alle Leser auf, ihn zu kontaktieren, falls sie Fragen oder das Bedürfnis hätten, zu chatten:

Twitter: jonnygazza250

Mail: jonathan.gascoigne250@googlemail.com

Titelbild: Fotolia


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