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Auswandern nach Kanada?

Habe ich das Zeug zum kanadischen Staatsbürger?

von Pascal Beck

Was für ein Mann, dieser kanadische Premierminister! Justin Trudeau dürfte in der weltweiten LGBTI-Gemeinde der beliebteste Politiker sein. Erst am Wochenende nahm er am Pride in Kanadas größter Stadt Toronto teil und war damit der erste kanadische Regierungschef, der an einer LGBTI-Demonstration teilnahm (MÄNNER-Archiv). Vor einem Monat hisste er als erster Premier die Regenbogenfahne vor dem Parlament, wie unser Titelfoto zeigt. Und jetzt arbeitet seine Regierung auch noch daran, einen geschlechtsneutralen Ausweis auf Bundeseben einzuführen. Er macht Kanada gerade so attraktiv, dass wir uns mal angeschaut hat, welche Kriterien eigentlich erfüllt werden müssen, um Trudeau-Jünger zu werden. Schließlich ist Kanada ein klassisches Einwanderungsland. Seit 1967 arbeiten sie mit einem Punktesystem. 100 Punkte kann man insgesamt erreichen.In Toronto etwa sind mehr als die Hälfte der Bewohner im Ausland geboren, und jedes Jahr kommen 100.000 Neubürger dazu.

Sexualität, Religion, Hautfarbe – unwichtig

Auf der Seite der kanadischen Botschaft findet sich ein Link zu einem Selbsttest, der einem erklärt, wie wahrscheinlich es ist, die Staatsbürgerschaft zu bekommen, und welcher Weg am ehesten Sinn macht. Neben ein paar Fragen zur Person – es wird nicht nach Sexualität, Religion oder Hautfarbe gefragt – soll man angeben, wie lange man im Land bleiben möchte und was einen überhaupt dazu bewegt kanadischer Staatsbürger zu werden.

In meinem Fall handelt es sich um einen Deutschen, gerade mal ein viertel Jahrhundert alt, der nach Kanada auswandern möchte, um dort einen festen Job zu finden. Nach wenigen Minuten wird mir auch schon vorgeschlagen, dass der „Express Entry“ für mich am meisten Sinn macht. Dieser bietet zukünftigen qualifizierten Einwanderern aus Deutschland eine schnelle Alternative, sich in Kanada niederzulassen. Hierbei sollen Menschen mit Fachkenntnissen und Erfahrung gezielt angesprochen werden, die den Erfordernissen des Arbeitsmarktes und der Wirtschaft Kanadas gerecht werden – einer OECD-Studie zufolge haben 52 Prozent der Immigranten einen Hochschulabschluss. Seit 2015 bietet der „Express Entry“ damit eine schnellere Einwanderung als bisher.

Will man als Fachkraft einen Antrag in einer bestimmten Wirtschaftskategorie stellen, kann man über ein eigenes Onlineprofil das Interesse an einem dauerhaften Aufenthalt in Kanada bekunden. Wer die Mindestkriterien erfüllt, wird in ein Bewerberpool aufgenommen und anhand von verschiedenen Faktoren wie Sprachkompetenz, Ausbildung und Arbeitserfahrung bewertet. Die besten Kandidaten werden anschließend eingeladen einen Antrag zu stellen, der innerhalb von sechs Monaten bearbeitet wird.

Deutsche Einwanderer haben als stolze und fleißige Arbeitskräfte zum Aufbau unseres Landes beigetragen und diese Tradition wird heute noch fortgeführt.

So sagt der kanadische Minister für Staatsbürgerschaft und Einwanderung, Chris Alexander, auf der Homepage der kanadischen Botschaft zum Programm: „Einwanderer aus Deutschland werden in Kanada mit offenen Armen empfangen. Deutsche Einwanderer haben als stolze und fleißige Arbeitskräfte zum Aufbau unseres Landes beigetragen und diese Tradition wird heute noch fortgeführt. Mit unserem neuen Express-Entry-Einwanderungssystem möchten wir mehr deutschen Einwanderern schneller als jemals zuvor einen dauerhaften Aufenthalt in Kanada ermöglichen“.

Gut, denke ich mir. Also ziehe ich zu Justin Trudeau. Da fällt mir auf, dass der Test noch weiter geht. Als nächstes werde ich danach gefragt, wo ich leben möchte. Ich gebe Ontario an, da Toronto als Hauptstadt der Provinz Ontario und als größte Stadt Kanadas für mich den höchsten Reiz hat. Bei der nächsten Frage werde ich darauf hingewiesen, dass die Amtssprachen Französisch und Englisch sind. Gut, hatte ich beides in der Schule. Allerdings will man jetzt wissen, welche Sprachtests ich vorzuweisen habe. Man kann zwischen drei verschiedenen oder „none“ wählen. Ich klicke: keine. So schnell wie mein Traum vom Leben in Kanada entstand, platzt er auch schon wieder: „Based on your answers, you do not appear to be eligible for Express Entry“. Mit anderen Worten: Null Punkte. Justin Trudeau muss noch eine Weile ohne mich auskommen.

Wer testen möchte, wie hoch seine Chancen sind – das geht hier.

Titelbild: Justin Trudeau/Facebook


3 Kommentare

  1. Thomas Hückstädt

    Nur weil der Premier beim CSD mitläuft, muss man ja nicht gleich nach Kanada umziehen. Ich war da gerade. Was dagegen spricht, z. B. : da ist länger kalt, mit so 6 Meter Schnee, Straßen sind marode, schlimmer als in Deutschland,


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