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Hoffnung für Österreich

Mario Lindner ist einer von drei Hoffnungsträgern für Homorechte

Lange Zeit wirkte die österreichische Politik in Sachen Homorechte ähnlich verschnarcht wie die deutsche. Das ist jetzt vorbei. Gleich drei Hoffnungsträger haben unsere südlichen Nachbarn derzeit zu bieten: Christian Kern, den neuen Bundeskanzler, der sich nicht erst seit seiner Rede bei der Regenbogenparade ausgesprochen schwulenfreundlich und dabei tiefenentspannt zeigt (MÄNNER-Archiv). Kern ist, ebenso wie Alexander van der Bellen, Mitglied im Kuratorium des Rechtskomitee Lambda – der österreichischen Entsprechung des Lesben- und Schwulenverbands, LSVD.  Und dann ist da noch Mario Lindner. Der 34-jährige SPÖ-Politiker ist Regionalvorsitzender in Liezen, Steiermark. Dass er sich bei der Wiener Regenbogenparade am 18. Juni geoutet hat, sorgte nicht zuletzt deshalb für Aufsehen, weil er ab dem 1. Juli die Präsidentschaft im Bundesrat übernimmt.

Österreich

Am 18. Juni 2016 besuchten Lindner (li) und Bundeskanzler Kern die Regenbogenparade

Genaugenommen war Lindner schon geoutet – drei Wochen vor der Parade war das schon Thema eines Zeitungsinterviews. Aber bei der Regenbogenparade passte es eben auch ziemlich gut. Die Reaktionen? „Ganz großartig, nur positiv”, sagt Lindner gegenüber MÄNNER. „De fakto regt es niemanden auf” haben die Salzburger Nachrichten geschrieben. Das zeige, wie reif die österreichische Demokratie sei. Gut, eine österreichische Nazi-Onlineplattform hat gemäkelt,  aber das gehört ja bei denen zum guten Ton.

Es ist wichtig, dass Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit auftauchen: Das erleichtert jungen Menschen den Schritt zum Coming-out

Klar könnte man sich die Frage stellen, so Lindner,  ob es 2016 noch nötig ist, so ein öffentliches Coming-out. Man hat sich aber dafür entschieden, dass es nach wie vor wichtig sei, dass man sich zeigt. „Es ist wichtig, dass Schwule und Lesben in der Öffentlichkeit auftauchen. Es erleichtert jungen Menschen den Schritt zum Coming-out.”

Also stehen die Zeichen auf Fortschritt in Österreich? Auf jeden Fall sind die Voraussetzungen besser als  vorher, sagt Lindner. Fairerweise muss man sagen, dass es im Nationalrat aber immer noch keine Mehrheit für die Ehe-Öffnung gibt. Sieht er beim Koalitionspartner ÖVP Bewegung? „Ich merke, es gibt Signale”, sagt Lindner und nennt die konservative Familienministerin Sophie Karmasin als positives Beispiel, die etwa die Behandlung von Vielfalt in den Schulen unterstützt. Aber viele in der ÖVP wollen eine Ehe-Gleichstellung eben auf keinen Fall.

Verstöße gegen Wahlgesetze?

Zu Lindners vornehmsten Aufgaben als Präsident im Bundesrat gehört es, dem neuen Bundespräsidenten das Amtsgelöbnis abzunehmen. Nach bisherigem Stand wäre das Alexander van der Bellen gewesen. Doch die FPÖ hat die Wahl erfolgreich angefochten, bei der ihr Kandidat Norbert Hofer knapp unterlegen war (MÄNNER-Archiv). Der Vorwurf: teils „gravierende Verstöße gegen Wahlgesetze”. Das Recht der Anfechtung habe in einer Demokratie jeder, sagt Lindner. Die geplante Anlobung des neuen Bundespräsidenten durch ihn ist nun erstmal verschoben.

Außerdem hat er die Sitzungen zu leiten und den Bundesrat nach außen zu vertreten. Aber auch inhaltliche Dimensionen hat die Präsidentschaft. Er kann für das halbe Jahr seiner Amtszeit einen politischen Schwerpunkt setzen. Lindner hat sich für das Thema „digitale Courage” entschieden. Wenn jemand in den Sozialen Netzwerken diskriminierende Äußerungen oder Hasskommentare postet – sei es homophob, ausländerfeindlich oder Mobbing unter Schülern, so müsse reagiert oder widersprochen werden – also entweder man meldet den Kommentar  oder weist den Urheber darauf hin, dass sein Kommentar verletzend ist oder sein kann. Lindner geht um die Kultur des Hinsehens. Mit diesem Thema sei man leider aktueller denn je. Er empfiehlt: Bevor man einen Like setzt oder etwas kommentiert, sollten man immer nachdenken. Das mit dem Denken hat ja bekanntlich noch niemandem geschadet.

Fotos: Flickr/Büro Mario Lindner


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