police NEWS Gay Pride Marche des fiertes Paris 02 07 2016 StephenCaillet Panoramic PUBLICATI

Paris feiert Hochsicherheits-Pride

Weitreichende Sicherheitsmaßnahmen beim Gay Pride in Frankreichs Hauptstadt

von Thomas Petersen

Es war die erste Parade nach den Terroranschlägen in Frankreichs Hauptstadt vergangenen November, als 130 Menschen starben (MÄNNER-Archiv). Am vergangenen Samstag fand der Marsch der LGBTI-Community in Paris statt, allerdings nur halb so lang wie sonst üblich. Die zuständige Pariser Behörde hatte ihn von 5 auf 2,5 Kilometer gekürzt. Üblicherweise beginnt die Parade am Montparnasse und endet an der Bastille. Neuer Startpunkt war jetzt der Louvre. Zuvor musste schon das Datum verschoben werden, da an dem ursprünglich geplanten Tag die Polizei ein EM-Fußballspiel sichern musste und die Stadt nicht über genügend zusätzliches Sicherheitspersonal verfügte.

Es sendet ein falsches Signal, als würden wir der Angst nachgeben

Grund für die Kürzung waren laut der Behörde Sicherheitsbedenken im Rückblick auf das Attentat in Orlando. Für die Organisation The Gay Locals keine gute Herangehensweise. Bryan Pirolli sagte gegenüber thelocal.fr „Es sendet ein falsches Signal, als würden wir der Angst nachgeben und das enttäuscht mich ein wenig.“ Aber er sagte auch: „Ich bin dennoch stolz, wie die Stadt nach dem Anschlag ihre Solidarität mit Orlando ausgedrückt hat. Ich hoffe, dass diese Botschaft klar und deutlich am Umzug zu erkennen ist, so kurz er auch sein mag.“ Auch andere Organisationen wie der Inter-LGBT hatten die Nachricht von der Kürzung mit „leichter Verärgerung“ aufgenommen.

Polizeiaufgebot verdreifacht

Über 1.000 Polizisten waren am Samstag im Einsatz, um die Parade zu schützen. Dreimal so viel wie im vergangenen Jahr. Sicherlich geschah das im Hinblick auf die Ereignisse in Orlando, aber wohl auch als Reaktion auf die Anschläge in Paris im November vergangenen Jahres. Eltern wurde geraten, ihre Kinder besser zuhause zu lassen. So ging es unter erheblicher Polizeipräsenz die halbe Strecke entlang der Seine. Ihre Solidarität mit Orlando bekundeten die Teilnehmer durch das Tragen von schwarzen Armbinden.

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Hollande machte unglückliche Figur

Veranstalter und Teilnehmer nutzten die Parade in diesem Jahr, um auf die aus ihrer Sicht unzureichende Art und Weise hinzuweisen, wie Politik und Medien auf das Massaker in Orlando reagiert haben. Einzig die Zeitung Ouest France hätte die Tat als homophoben Akt betitelt. Besonders kritisiert wurde die Art, wie der französische Präsident François Hollande mit dem Thema umgegangen sei (auch Kanzlerin Merkel thematisierte erst auf öffentlichen Druck hin, dass Schwule und Lesben zu den Opfern von Orlando gehörten – MÄNNER-Archiv). Nachdem er zuerst seine Solidarität mit dem „amerikanischen Volk“ bekundet hatte, schob er noch ein Statement hinterher, in dem er auf das Recht hinwies, sich seine sexuelle Orientierung und Lebensstil „selbst zu wählen“. Als auch das kritisiert wurde – niemand sucht sich seine sexuelle Orientierung aus -, musste noch ein drittes Statement her, in dem es dann hieß, dass jeder das Recht habe, seine sexuelle Orientierung und Lebensstil zu leben. Geht doch!

Front National: keine Solidarität mit Pride!

Noch heftiger ging es beim rechtsextremen Front National, FN, zu. Nachdem eine Studentengruppe, die dem FN nahesteht, ihre Solidarität mit der Paris Pride im Licht des homophoben Attentats in Orlando via Twitter bekundet hatte, konterte Louis Aliot, einer der Vizepräsidenten des Front National: Der Gay Pride wird vom Front National nicht unterstützt! Sie sei ein „exhibitionistisches Symbol eines kämpferischen anti-FN Kommunitarismus“ (Verantwortung des einzelnen seiner Umgebung gegenüber). Die FN-Führungsspitze mit Marine Le Pen und drei weiteren Politikern teilten den Tweet und verurteilten damit die Solidarität der Studentengruppe.

Die sexuelle Orientierung eines Menschen zu missbrauchen und mit ihr, wie mit einer Fahne schwingend, zu drohen – das ist genauso verachtenswert wie Homophobie

Der Stadtrat der Ile de France Axel Loustau sagte dazu: „Die sexuelle Orientierung eines Menschen zu missbrauchen und mit ihr, wie mit einer Fahne schwingend, zu drohen, sei genauso unanständig und verachtenswert wie Homophobie selber.“ Von Le Pen und ihrer Partei kamen – bislang jedenfalls – keine weiteren Stellungnahmen.

Die Geschichte des deutschen CSD und wie er sich weiterentwickelt hat – das ist unser Titelhema in MÄNNER 7.2016.

Fotos: Imago


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