US Act Up NY and LGBTQ groups stand to Donald Trump Participants staged a die in outside Trump Towe

Diskriminierung ist „Tradition“

US-Republikaner planen Neuausrichtung ihrer Sprachregelung zur LGBTI-Politik

UPDATE (12.7.2016) „Alles worum ich bitte, ist, dass Ihr mich mit einbezieht.“ Mit diesen Worten wandte sich das lesbische Mitglied der Republikaner, Rachel Huff, gestern an ihre Partei. „Wenn unsere Partei eine Zukunft haben will, muss sie sich entwickeln“, sagte sie in ihrem emotionalen Appell im Rahmen der einwöchigen Tagung. Die Gouverneurin von Oklahoma, Mary Fallin, entgegnete ihr: Der Kampf gegen die gleichgeschlechtliche Ehe habe eine „lange Tradition“ bei den Republikanern. Huff sei aber natürlich „willkommen“ in der Partei.

Annie Dickerson, Republikanerin aus New York, wandte sich gegen Regenbogenfamilien. Es lägen „schreckliche Beweise“ vor, die gegen homosexuelle Elternschaft sprächen: Kinder aus traditionellen Haushalten seien körperlich und psychisch gesünder, weniger anfällig für Alkohol- und Drogenabhängigkeit, weniger gefährdet, kriminell zu werden – oder unehelich schwanger.

Auf der in Cleveland, Ohio, stattfindenden Tagung der Republikaner soll ein Bericht zur Erneuerung der politischen Haltung gegenüber Fragen zur LGBTI-Thematik vorgelegt werden. Ob Donald Trump daran mitarbeitet ist unklar. Bislang hat die Partei in ihrem 2012 veröffentlichen Statement die gleichgeschlechtliche Ehe immer als „Angriff auf die Grundlagen der Gesellschaft“ bezeichnet. Handelt es sich hier tatsächlich um ein Umdenken, oder die hohe Kunst der politischen Versprechen, um eine sehr potente Wählerschaft ins Boot zu holen? Ein Mitglied des Ausschusses erklärte gegenüber CBS News: „Gleichheit für alle Menschen – das wäre hart für Republikaner nicht dafür zu stimmen.“ Der Delegierte führt aber auch weiter aus, dass es möglicherweise am Ende nur „rhetorische Kniffe“ sein werden. Er deutet an, dass man Dinge so sagen kann, dass sie Republikaner als Partei erscheinen lassen, die an Fairness für alle Amerikaner glaubt.

Sie wurden in Orlando nicht getötet, weil sie nicht heiraten können, sondern weil sie homosexuell sind. Und wir sind dagegen

Donald Trumps Haltung zu LGBTI-Fragen ist unklar. Zwar hat er nach dem Attentat in Orlando auf einer Veranstaltung in New Hampshire gesagt: „Fragen Sie sich, wer der wahre Freund der Frauen und der LGBTI-Community ist. Donald Trump mit seinen Taten oder Hillary Clinton mit Ihren Worten.“ Genauso hat er sich aber auch mehrfach und vehement gegen die gleichgeschlechtliche Ehe in den USA ausgesprochen. Jim Bopp Jr., ein konservativer Delegierter aus Indiana erklärte gegenüber CBS News, er glaube, dass die Sprache der Republikaner in dieser Hinsicht nicht mehr zeitgemäß ist. Eine Änderung bedeute aber nicht automatisch, dass seitens der Konservativen große Zugeständnisse zu erwarten seien. „Trump hat zu den schwulen Opfern des islamischen Terrors gestanden – das habe ich auch. Das ist nicht homosexuellenfreundlich, sondern menschenfreundlich. Die Frage nach gleichgeschlechtlicher Ehe hat damit aber nichts zu tun. Sie wurden in Orlando nicht getötet, weil sie nicht heiraten können, sondern weil sie homosexuell sind. Und wir sind dagegen.“

Trump hatte das Gesetz kritisiert und gesagt, dass Transgender die Toilette aufsuchen sollen, die ihrer Meinung nach die passende ist.

Kürzlich meldete sich auch Caitlyn Jenner zu Wort. Als Bruce Jenner geboren, gewann sie 1976 in Montreal olympisches Gold im Zehnkampf der Männer. 2015 hatte sie ihr Coming-out als Trans und hat mittlerweile die eigene Reality-Serie „I am Cait“ im US-Fernsehen. Als bekennende Republikanerin hält sie zu Donald Trump und begründet das mit seiner Aussage zu dem Toiletten-Gesetzt in North Carolina, das Transgender Personen nur gestattet auf die Toilette ihres per Geburtsurkunde festgestellten Geschlechts zu gehen. Er hatte das Gesetz kritisiert und gesagt, dass seiner Meinung nach Transgender Personen die Toilette aufsuchen sollen, die ihrer Meinung nach die passende ist. Kurze Zeit später hat er dann aber auch wieder einen Rückzieher gemacht. Er hält das Gesetzt zwar für falsch, ist aber der Meinung, dass jeder Staat eigenständig entscheiden solle. Außerdem beschreibt Jenner Donald Trump als Mann, der „sehr stark auf der Seite der Frauen“ steht. Na ja! Nach allem, was wir vom Wahlkampf in Amerika schon gesehen und gehört haben, kann ich mir nicht vorstellen, dass es innerhalb der konservativen Republikaner zu einer ernsthaften Auseinander-setzung mit dem Thema LGBTI kommt. Hier handelt es sich wohl doch eher nur um wahlstrategische Maßnahmen. „Rhetorische Kniffe“ eben. Aber: die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Text: Thomas Petersen, Foto: Imago/Pacific Press Agency


2 Kommentare

  1. Mirko Welsch

    Trump war unter allen Kandidaten der Republikaner der LTGBI-Freundlichste. Während Cruz, Bush und andere die dortige ELP abschaffen wollten, hatte er dies nie gefordert. Vielmehr war er sogar vor etlichen Jahren der Wunschkandidat der Homosexuellen Republikaner.


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