Schwuler Bacchus an der Mosel

Die Idee hatte der Bürgermeister

Der schwule Jurastudent Sven Finke (24) vertritt als Bacchus zwischen einer Schar von Mosel-Weinköniginnen den kleinen Weinort Kesten. Bei einer Ratssitzung im Februar hatte der Ortsbürgermeister Michael Beer (parteilos) die rettende Idee. Aufgrund mangelnder Bewerberinnen für den Posten der Weinkönigin meinte er, dass der Ort genauso gut auch einen Bacchus krönen könnte. Sven saß mit in der Ratssitzung, weil er dort in einer Arbeitsgruppe zu schnellerem Internet mitarbeitet. Als der Ortsbürgermeister dann seinen Namen nannte, applaudierten alle im Rat spontan. Er selber beschreibt das so: „Und ich saß da und dachte, sag bitte nicht deinen Namen, tja, und in dem Moment fällt mein Name. Der Gemeinderat guckt mich an, fängt an zu klatschen und lacht.” Damit war die Sache geritzt. (Auch die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner war mal Weinkönigin – MÄNNER-Archiv.)

Mit den Nachbarn ganz locker

Der junge Jurastudent ist vor ein paar Jahren nach Kesten gezogen und lebt hier zusammen mit seinem Lebenspartner. Zu der Frage, ob das ein Problem für die Nachbarn war sagt er: „Das war hier ganz locker.“

Kesten ist ein kleiner Weinort an der Mosel mit rund 350 Einwohnern. Seinen Namen verdankt das Dorf den „Kesten“, wie man an der Mosel die weit verbreiteten Esskastanien nennt. Die Römer hatten in dem milden Moselklima hier einst einen Kastanienwald angelegt.

Überhaupt stößt man in dieser Region ja auf viele römische Spuren. Da verwundert es nicht, dass Sven im August den Titel des Bacchus verliehen bekommt. Für zwei Jahre darf er dann seinen Wohnort als Weinkönig repräsentieren. Auf der Internetseite des Dorfes heißt er die Besucher schon mal mit einem launigen: Salvete, hospites observantes! (Seid gegrüßt, verehrte Gäste) willkommen. Ausgestattet mit römischer Toga, goldenem Weinkelch und Lorbeerkranz hat er auch schon für das eine oder andere Pressefoto posiert.

Ich bin auch froh, dass mich die Gemeinde so unterstützt. Jeder hilft, wo er kann

Dem SWR erzählte er: „Ich kann nicht mehr durchs Dorf laufen, ohne mit Bacchus angesprochen zu werden. Ich bin auch froh, dass mich die Gemeinde so unterstützt. Jeder hilft, wo er kann. Da kommen Leute aus dem Dorf und sagen ‘Komm ich erklär dir was zum Wein’, ‘Ich helfe dir bei deiner Rede’. Es gibt wirklich niemanden, der negativ ist, sondern alle freuen sich mit.” Die Unterstützung kann er gut brauchen. Durch Besuche diverser Weinseminaren muss er sich bis zu seinem Amtsantritt noch eine Menge Fachwissen zum Wein aneignen. Er muss lernen, Rebsorten und Geschmacksrichtungen bestimmen können. Bei einem ersten Seminar für Weinköniginnen war er der einzige Mann. Er fühlte sich aber total wohl. „Alle waren begeistert.“

Emanzipation rückwärts

Sven sagt selber, dass er ein Verfechter der „Emanzipation rückwärts“ sei. „Auch Männer müssen gleichgestellt zu Frauen werden. Dementsprechend ist das hier die beste Chance zu zeigen: Männer können auch Frauensachen machen“ erklärt er in einem SWR Interview.

Bacchus galt in der römischen Mythologie übrigens als Gott des Weines und der Fruchtbarkeit. Um den Weinkonsum muss man sich in dieser Region sicher keine Sorge machen. Aber es wäre doch schön, wenn diese Idee auch andernorts „Früchte“ trägt.

Titelbild: Screenshot/SWR


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