„Eine Helene Fischer werde ich nicht“

Seyran vertritt Deutschland beim 4. Türkvizyon Song Contest

Im Dezember 2016 soll in Istanbul der vierte Türkvizyon Song Contest stattfinden. Dieser internationale Wettbewerb wurde erstmals 2013 nach dem Vorbild des Eurovision Song Contest ins Leben gerufen. Im Gegensatz zum ESC stammen die Teilnehmer dieser Veranstaltung aus Ländern bzw. Regionen mit türkischsprachiger Bevölkerung. In diesem Jahr wird Deutschland durch den Sänger Seyran Ismayilkhanov (36) vertreten.

Song Contest

(Foto: Viktor & Volker / vvg köln)

Seyran lebt heute in Köln ist stammt ursprünglich aus Aserbaidschan. Nach seiner Jugend in Aserbaidschan studierte und arbeitete er in Moskau und in Istanbul. 2005 kam er nach Deutschland, wo zu diesem Zeitpunkt bereits seine Mutter und sein Bruder lebten. Seyran ist Vollblutmusiker. Schon früh ist er mit der Musik in Kontakt gekommen, und sie hat ihn seitdem nicht losgelassen. Seit er 2008 beim „5 STARS Song Contest“ in Russland einen Spezialpreis gewann, hat ihn das Wettbewerbsfieber gepackt. Mit „Keine Angst“ nahm er 2016 am ESC-Vorentscheid der Schweiz teil. Thomas Petersen hat mit ihm gesprochen.

 

Herzlichen Glückwunsch zur Teilnahme. Steht das Lied denn schon fest?

Dankeschön. Beworben hatte ich mich bei den Produzenten Dügun TV und Türkshow, mit einem Demovideo eines Songs und mich wahnsinnig gefreut, dass ich für Deutschland ausgewählt wurde. Es wird aber einen neuen Song geben, für den auch schon ein künstlerisches Konzept von mir vorliegt. Produzieren werden wir den Song gemeinsam mit dem türkischen Musiker Volkan Gucer. Wir planen das Lied in türkischer Sprache mit deutschsprachigen Einschüben. Wir wollen beide Kulturen verbinden. Das ist schon sehr lange mein Anliegen. In mir verbinden sich ja auch aserbaidschanische, russische, türkische und natürlich deutsche Einflüsse.“

Wo würdest Du Dich musikalisch einsortieren?

Meine Musik ist eine Verschmelzung von europäischer Popmusik mit ethno-orientalischen Einflüssen und Soul. Ich liebe die verschiedensten Musikstile aber natürlich prägt mich in erster Linie meine Herkunft. Auch die deutsche Musik beeinflusst mich, aber eine Helene Fischer werde ich nicht!

Song Contest

(Foto: Bildexplosion)

Seit dem 5 STARS Song Contest hast Du auf vielen Song-Contest-Bühnen gesungen. Wie hat Dich das geprägt?

Ich weiß, dass ich eine Verantwortung habe, wenn ich da rausgehe. Die Erwartungen bei einem Wettbewerb sind enorm. Natürlich bin ich nervös – das ist aber auch gut für die Konzentration. In letzter Zeit bin ich tatsächlich etwas gelassener geworden. Wenn man nämlich gut vorbereitet ist, Zeit in die Proben und in die Choreografie investiert hat, muss man sich nur noch auf den Auftritt konzentrieren und versuchen, so gut wie möglich zu singen. So schaffe ich mir mit meiner Musik einen eigenen Platz im Musikbusiness und bei den Zuschauern.

Wie sind Deine Erfahrungen mit schwulen Künstlern in vielen der Länder, die am Türkvizyon teilnehmen?

Klar gibt es auch dort viele schwule Männer. Aber im Showbiz hält man zusammen; unabhängig davon, welcher sexuellen Orientierung jemand angehört. Untereinander kommt es da zu keinerlei Problemen mit Kolleginnen oder Kollegen. Wenn, dann kommen negative Bemerkungen oder Erfahrungen eher von außen. Oft auch aus reiner Sensationsgier. Das ist natürlich idiotisch.

Du unterstützt mit vielen Auftritten die Community.

Letztes Jahr habe ich auf dem CSD in Köln gesungen. In diesem Jahr war ich leider nicht dabei, weil ich im Ausland war. Dafür habe ich beim CSD in Mönchengladbach gesungen und werde auch beim CSD in Mannheim auftreten. Ich versuche damit meinen Beitrag zu leisten und zu zeigen, wie hoch die Freiheit, die wir leben, einzuschätzen ist – und das dies für alle Menschen gilt, egal, welchen Lebensstil sie führen.

Aus Deiner Zeit in Istanbul hast Du sicher noch viele Freunde. Wie informierst Du Dich über die aktuelle, politische Situation und was erfährst Du von dort?

Natürlich habe ich dort noch sehr viele Freunde und bin ständig in Kontakt mit ihnen. Die politische Situation ist zurzeit wirklich überhaupt nicht gut, und alle machen sich Gedanken, wie es weitergeht. Aber die Türken haben eine wunderbare Charaktereigenschaft: Sie sind lebensfroh. Ich habe den Eindruck, und bekomme das auch von meinen Freunden aus Istanbul so mit, dass sie sich die Lust am Leben nicht nehmen lassen werden.

Titelbild: Bildexplosion


12 Kommentare

  1. Bernd Ko

    Deutschland sollte bei diesem „Turkvision“ gar nicht mitmachen. Die Türkei boykottiert auch seit Jahren den ESC, weil sie meinen, dass Sie zu den gesetzten Ländern gehören sollten. Es ist sowieso seltsam, dass Deutschland bei einem Contest für „Türkischsprachige Lieder“ mitmacht. Hmmm……


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