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Studie: Folter durch Zwangsuntersuchung

Anale Zwangsuntersuchungen von schwulen Männern und Transfrauen sind in mindestens acht Ländern Praxis.

Es ist ein Akt der Erniedrigung und der Machtdemonstration: Die anale Zwangsuntersuchung von Männern und Transfrauen mit dem Zweck, ihnen „homosexuelles Verhalten“ nachzuweisen. Laut einer neuen Studie von Human Rights Watch wird die Methode heute noch in mindestens acht Ländern auf der Welt praktiziert. Dazu gehören Kamerun, Ägypten, Kenia, Libanon, Tunesien, Turkmenistan, Uganda und Zambia. In Kenia wurden die „Untersuchungen“ sogar vor einigen Wochen erst noch einmal höchstrichterlich bestätigt, nachdem zwei Männer dagegen geklagt hatten (MÄNNER-Archiv).

Polizei, Justiz und Mediziner arbeiten Hand in Hand, um vermeintliche Schwule als solche zu identifizieren.

In ihrer Studie legen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Menschenrechtsorganisation anschaulich dar, wie Polizei, Justiz und Mediziner in den betroffenen Ländern Hand in Hand arbeiten, um vermeintliche Schwule als solche zu identifizieren. Konkret wird in der Regel ein Finger oder ein Instrument in den Anus der „verdächtigen“ Person eingeführt – im Glauben, so ließe sich nachweisen, dass die oder der Betroffene Analverkehr habe. Wissenschaftliche Beweise für die Aussagekräftigkeit der Methode gibt es allerdings nicht: Sie entstammt dem 18. Jahrhundert und ist seit Jahrzehnten durch Studien widerlegt.

Methode verstößt gegen Menschenrechte

Human Rights Watch kommt daher zu dem Schluss, dass die Zwangsuntersuchung nichts weiter als eine „grausame, degradierende und unmenschliche Behandlung“ darstellt, die häufig Formen von Folter und sexueller Misshandlung annimmt. Viele der Geschädigten tragen teilweise schwere Traumata davon, darüber hinaus widerspricht die Praktik jeglicher medizinischer Ethik. Die Regierungen der Länder, die diese Tests durchführen, verstoßen daher schwer gegen internationale Menschenrechtskonventionen, wie die Menschenrechtsorganisation hervorhebt.

„Ich hätte niemals erwartet, dass ein Doktor mir so etwas antun würde.“

Ein besonders bedrückender Teil der Studie sind die Auszüge aus den 32 Interviews, die mit Betroffenen geführt wurden. So beschreibt beispielweise der Kenianer Louis seine Erfahrungen wie folgt: „Ich habe noch immer Albträume davon. Manchmal liege ich nachts wach und erinnere mich daran zurück. Ich hätte niemals erwartet, dass ein Doktor mir so etwas antun würde.“ Genwa Samhat von der libanesischen LGTBI-Organisation Helem, die viele Opfer betreut hat, erklärt dazu: „Es ist eine Form des Traumas. Die Zwangsuntersuchungen haben einen ähnlichen Effekt wie eine Vergewaltigung.“

Wer mehr zum Thema erfahren will, findet die gesamte Studie in englischer Sprache auf der Webseite von Human Rights Watch.

Grafik: Human Rights Watch

 


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