Theresa May wird neue Premierministerin

Die Nachfolgerin von David Cameron wird keine „Kämpferin“ für LGBTI-Rechte sein.

Update 11. Juli: Die neue Bewohnerin von Downing St. 10 wird Theresa May heißen. Ihre Konkurrentin Andrea Leadsom gab heute bekannt, ihre Bewerbung als Premierministerin zurückzuziehen. Leadsom hatte May letzte Woche wegen deren Kinderlosigkeit angegriffen und war deswegen inner- und außerparteilich harsch kritisiert worden. „Ich geriet unter enormen Druck, dem ich jetzt nachgegeben habe”, begründete sie ihre heutige Entscheidung. Somit wird May nicht nur neue britische Premierministerin, sondern auch neue Parteichefin der Torys. Für LGBTI sind das keine guten Neuigkeiten.

 

Die Bilanz der konservativen Tory-Partei in den vergangenen Jahren, was die Rechte der Homosexuellen betrifft, ist gemischt. LGBTI-Hilfsangebote wurden auf kommunaler Ebene eingedampft, die HIV-Prophylaxe PrEP  nicht in das britische National Health System (NHS) aufgenommen. Andererseits hat der scheidende Premierminister David Cameron die gleichgeschlechtliche Ehe durchgesetzt – aber wohl nicht aus eigener, tiefster Überzeugung, sondern eher, weil der gesellschaftliche Druck in Großbritannien und in großen Teilen Europas ihm es nahelegte.

Die BREXIT-Wirren machen es nun möglich, dass sich zwei konservative Politikerinnen um Downing Str. 10 bewerben – fast 26 Jahre nach dem Ende von Maggie Thatcher, die als Regierungschefin die homophobe Gesetzgebung Section 28 zu verantworten hatte: u. a. war es damals Lehrern verboten, an Schulen positiv über Homosexualität zu sprechen. (Das erinnert an das russische Gesetz gegen Homopropaganda – MÄNNER-Archiv.)

Eine Frau also wird Cameron beerben. Am Ende aber nicht vom Volk gewählt, sondern von ihrer eigenen Partei in den Posten gehoben. Eine „Kämpferin“ für die Rechte der LGBTI-Community wird es auf jeden Fall nicht geben.

Konsequent bei jeder Abstimmung gegen die Gleichberechtigung

Theresa May, konservative Politikerin und Mitglied des Parlaments seit 1997 gehört der Tory Partei an. In den Jahren 2010 bis 2012 war sie Ministerin für Frauen und Gleichberechtigung.

England

Theresa May (Foto: UK Home Office)

Seit 1998 hat sie trotzdem konsequent bei jeder Abstimmung gegen die Gleichberechtigung von LGBTI-Rechten in Großbritannien gestimmt. Und daran wird sich wohl zukünftig auch nichts ändern. In ihrer Zeit im Innenministerium wurde gar eine Regelung eingeführt, dass Asylsuchende ihre Sexualität beweisen müssen. Wie soll das gehen? Mit intimen Fotos oder Videos? Das ist geschmacklos! Asylsuchende haben zum Beispiel zu hören bekommen: „Wenn du Kinder hast, kannst du gar nicht schwul sein.“ Das zeugt nicht gerade von einer ernsthaften und sensiblen Auseinandersetzung mit dem Thema.

Ich bin bei der Regelung zur gleichgeschlechtlichen Ehe „nicht glücklich“ gewesen sei und dass dieses Gesetz „viele Christen verletzt“

Nicht viel besser steht es um Andrea Leadsom, der zweiten Bewerberin um das Amt der Premierministerin. Die Mutter von drei Kindern wollte schon mit 13 Jahren ins britische Parlament. Bei einem solchen Berufswunsch in diesem Alter hätte man damals vielleicht schon hellhörig werden können.

Andrea Leadsom (Foto: Twitter)

Andrea Leadsom (Foto: Twitter)

Im Mai 2010 hat sie es dann auch geschafft. Seitdem hat auch sie in sämtlichen Fragen der LGBTI-Rechte ihre Abneigung nicht verhehlt. Sie stimmte gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und dafür, dass heterosexuelle Paare gleichgeschlechtlichen Paaren beim Adoptionsrecht vorgezogen werden sollen. In einem Interview, das sie vor ein paar Tagen dem Sender ITV gegeben hat, bekräftigt sie ihre Aussagen noch und spricht davon, dass sie bei der Regelung zur gleichgeschlechtlichen Ehe „nicht glücklich“ gewesen sei und dass dieses Gesetz „viele Christen verletzt“. Natürlich schiebt sie schnell hinterher, dass sie die gleichgeschlechtliche Liebe akzeptiere – nur halt nicht mit dem Segen der Anglikanischen Kirche.

Rund 150.000 Parteimitglieder sind aufgerufen, die künftige Parteichefin und Premierministerin per Briefwahl zu bestimmen. Bis zum Anfang September soll das Ergebis feststehen.

Gleichgeschlechtliche Ehe: „entzweiend“ und „absurd“

Die Männer, die auch auf das Amt des Premierministers geschielt hatten, sind mittlerweile nicht mehr dabei. Auch sie hatten mit ihren Aussagen zur Gleichstellung klar Stellung bezogen. Einzig Michael Gove hat in dieser Hinsicht eine weiße Weste. Liam Fox dagegen nannte die gleichgeschlechtliche Ehe „entzweiend“ und „absurd“. Den Vogel schoss aber wieder einmal Boris Johnson ab, der dazu bemerkte, dass dann ja auch genauso gut Männer Hunde heiraten könnten.

Solche Aussagen bestätigen Vorurteile und heizen Homophobie nur noch weiter an. Letztlich führt diese Einstellung zu weiterer Ausgrenzung. Da ist der Weg zu Hass und Gewalt nicht mehr weit.

Titelbild: Imago

 


8 Kommentare

  1. Rainer Philipp

    Na herzlichen Dank….womit haben wir die Hackfresse verdient? Die hat uns Kohl mit der Wiedervereinigung eingebrockt und dann auch noch groß gemacht und nun übertrumpft sie ihn auch noch. Er hat uns nur die Schulden der DDR aufgedrückt. Die HExe lässt uns für die ganze Welt bluten


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