Carlos Paolo DANCE

Trocks privat: Carlos & Paolo

Ein Paar aus der Trocks-Männertanz-Crew erzählt seine Story

Carlos und Paolo kamen vor vier Jahren zu den Trocks. Kurz darauf wurden sie ein Paar. Vor anderthalb Jahren haben sie in New York geheiratet. Zum Start der Trocks-Europatour wollten wir wissen, wie das Leben als Paar auf der Spitze funktioniert

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CARLOS

Carlos 3

Carlos, wie war Deine erste Bekanntschaft mit Spitzenschuhen?
Für mich war es eigentlich nicht so ungewohnt. In meiner Heimat Kuba war meine Mutter eine Primaballerina. Spitzenschuhe waren bei uns Zuhause immer verfügbar. Ich habe schon mit 13 gelernt auf ihnen zu tanzen. Aber es ist natürlich ein großer Unterschied, es aus Spaß zwischendurch zu tun oder die Dinger jeden Tag zu tragen. Das schmerzt nach einer Weile ganz schön.

Ist es hart, sich als Sohn einer Primaballerina-Mutter zu behaupten – zumal in weiblichen Rollen?
Ich tanze in „Don Quichotte“ und „La Sylphide“ sogar Rollen, die meine Mutter selbst während ihrer Karriere getanzt hat. Da war ich schon auf ihre Reaktion gespannt. Aber als sie mich im letzten April zum ersten Mal bei den Trocks erlebt hat, war sie begeistert. Sie ist mein größter Fan. Aber sie ist auch streng. Sie sagt: „Auch wenn es Comedy ist, es ist immer noch Ballett“. Womit sie absolut Recht hat.

Was kam denn zuerst: Die Bekanntschaft mit den Trocks oder das Bewusstsein, dass du schwul bist?
Die Trocks sind in Kuba sehr populär. Ich hab das Gefühl, sie begleiten mich schon mein ganzes Leben. Genauso wie mein Schwulsein. Das war mir eigentlich auch schon immer klar. Ich kann nicht sagen, was zuerst da war.

Bei einer Drag-Company stellt man sich einen ziemlich schwulen Haufen vor. Seid ihr einer?
In der momentanen Besetzung sind tatsächlich alle Tänzer schwul. Aber das ist kein Einstellungskriterium. Man muss nicht schwul sein, um bei den Trocks anzufangen. Umgekehrt richtet sich unsere Show ja auch nicht explizit an ein schwules Publikum. Es ist eine Show für die ganze Familie.

PAOLO
Paolo 3
Wie war Deine erste Bekanntschaft mit den Spitzenschuhen?
Ich stamme aus Süditalien und bin in Neapel zur Ballettschule gegangen. Dort habe ich nach dem Training immer ein bisschen rumgealbert und Pirouetten auf den Spitzenschuhen der Mädchen gedreht. Bei den Trocks ein komplettes Ballett mit ihnen zu erarbeiten, war allerdings harte Arbeit. Ich bin ein groß gewachsener Typ und sehr muskulös. Mit höherem Gewicht ist es deutlich anstrengender auf Spitze zu tanzen als wenn man leicht und dünn ist wie eine weibliche Ballerina.

Was kam zuerst: Die Bekanntschaft mit den Trocks oder das Bewusstsein, dass du schwul bist?
Mir wurde klar, dass ich schwul bin, als ich 10 war. Mit 14 hab ich mich vor meiner Familie geoutet. Damals kannte ich die Trocks noch nicht. Ich hab sie erst entdeckt, als ich 16 war. Da hab ich immer Videos von ihnen geguckt und fand die superlustig. Ich finde die komödiantische Herangehensweise ist die beste, um sich den alten Balletten anzunähern.

Wusstest du immer, dass du selber Tänzer werden willst?
Seit ich drei Jahre alt war, bin ich durchs Wohnzimmer getanzt und hab meinem Vater solange in den Ohren gelegen, dass ich tanzen will, bis mein Vater mich mit sieben endlich in einer Ballettschule angemeldet hat. Meine Familie hatte mit Tanz nichts am Hut, deshalb war das ein gutes Stück Überzeugungsarbeit. Heute sind meine Eltern und mein Bruder meine größten Fans.

In deiner Italienischen Heimat bist du als Fernsehstar berühmt?
Oh nein, nenn mich bitte nicht Fernsehstar! Ich habe damals einfach in einer Talentshow mitgemacht, die einige bekannte italienische Tänzer und Sänger hervorgebracht hat. Es hat Spaß gemacht, aber berühmt bin ich dadurch nicht geworden. Darum ging es auch nicht. Ich wollte einfach ein bisschen Geld verdienen, um mir einen Workshop in New York leisten zu können.

CARLOS & PAOLO
Carlos Paolo 3

Habt Ihr euch bei den Trocks kennengelernt oder kanntet euch schon vorher?
Wir kannten uns schon vorher vom Ballettunterricht. Aber das erste Date hatten wir erst, als wir schon beide bei den Trocks waren. Danach waren wir relativ schnell zusammen.

Ist es schwierig eine Beziehung innerhalb einer Ballett-Company zu führen?
Für uns nicht. Wir lieben beide Ballett, wir lieben beide unseren Job, wir können uns gegenseitig korrigieren, Tipps geben und die Situation des jeweils anderen nachvollziehen. Das Beste aber ist: Dadurch dass wir zusammen arbeiten, können wir viel zusammen sein.

Lebt ihr monogam oder habt ihr eine offene Beziehung?
Monogam. Das passt besser zu uns. Wir nehmen das Dauerhaftigkeitsversprechen unserer Ehe sehr ernst. Trotzdem ist uns wichtig, dass es bei Beziehungen kein Richtig oder Falsch gibt. Jeder muss tun, wonach er sich fühlt. In erster Linie geht es doch darum, dass man sich liebt und ehrlich zueinander ist. Wir kennen alle Geheimnisse und Fantasien des anderen und reden offen darüber. Natürlich haben auch wir Hochs und Tiefs wie jedes andere Paar. Bisher sind wir aus den Tiefs aber immer gestärkt hervorgegangen.

Gibt es in einer schwulen Company wie eurer Eifersüchteleien?
In jeder Company gibt es Drama, aber in der aktuellen Besetzung der Trocks ist es sehr harmonisch. Wir respektieren einander und stehen füreinander ein. Es gibt kein böses Blut oder böses Gerede hinter dem Rücken. Wir sind auch nicht das einzige verheiratete Paar innerhalb der Company. Es gibt noch eins. Und zwei weitere Tänzer sind mit Männern von extern verheiratet.

Wurde eure Hochzeit mit der ganzen Company gefeiert?
Nein, das war ganz klein. Wir haben am 22. Dezember 2014 in New York geheiratet. Es war mitten in unserer Spielzeit am Joyce Theater. An unserem freien Tag sind wir mit unseren zwei besten Freunden zur City Hall gegange, haben Ja gesagt und das war’s. Am nächsten Tag standen wir auf der Bühne als ob nichts passiert wäre. Die Party kam ein paar Wochen später völlig unerwartet. Wir waren auf Tour in Italien. Paolo hatte seinen Vater gebeten, ein Mittagessen zu organisieren, bei dem alle Verwandten mütterlicher- und väterlicherseits eingeladen werden, damit sie Carlos kennenlernen können. Das Ergebnis war, dass wir mit einer richtigen Hochzeitsfeier überrascht wurden. Es gab einen Hochzeitskuchen, es gab ohne Ende Essen, es wurde getanzt und fotografiert wie verrückt. Das Ganze hat von halb zwölf Uhr mittags bis um 17 Uhr gedauert. Wahnsinnig schön.

Wollt ihr Kinder?
Natürlich. Kinder machen eine Familie aus, oder? Sobald die ökonomische Situation es hergibt und wir nicht mehr jeden Tag tanzen müssen, nehmen wir das in Angriff. Man kann ein Engagement in einer Ballett-Company nicht mit dem Großziehen eines Kindes vereinbaren. Dafür ist der Job zu einnehmend. Bis wir ein Baby bekommen, sind die Trocks unsere Familie.

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