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Was bringt der Europride?

PRO und CONTRA: Fortschritt oder Feiern pur?

Amsterdam bereitet sich auf den Europride vor, der am 23. Juli beginnt. Der große Bruder der nationalen CSDs findet jährlich statt und soll noch mehr Aufmerksamkeit auf Homo-Rechte und den Kampf gegen Homophobie lenken. Im Vorjahr fand der Europride in Riga statt (MÄNNER-Archiv). Dort haben wir gefragt: Hält er, was er verspricht?

JA – Kaspars Zalitis (33)

Nach fast drei Jahren Vorarbeit wurde unser Europride das größte LGBTI-Event, das es je in dieser Region gab. Auch wenn die Zahlen für den Rest Europas lächerlich klein sind, für uns war es riesig! 5000 Leute sind bei der Demo mitmarschiert, davon 3000 Letten. Das war unglaublich, nur zehn Jahre nach dem ersten Pride in Riga. Mein Eindruck war außerdem, dass viele Heteros daran teilgenommen haben. Und das größte Kompliment, das ich bekommen habe, war, als ein paar Schwule auf mich zugekommen sind. Sie haben gesagt, dass es einer ihrer größten Fehler war, Angst vor dem Pride gehabt zu haben.

 Wir haben ein möglichst vielfältiges Programm erstellt, das auch dem Mainstream gefällt

Wir haben es außerdem geschafft, dass heterosexuelle Intellektuelle, Akademiker, Sänger und Künstler uns unterstützt haben. Sie haben den Leuten vermittelt, dass es beim Europride nicht um Schwulen-, sondern um Menschenrechte geht. Deshalb haben wir auch ein möglichst vielfältiges Programm erstellt, das auch dem Mainstream gefällt.

Weil wir keine Zeit hatten, die Fragen aller Journalisten zu beantworten, haben wir ihnen gesagt, dass sie Leute von der Straße interviewen sollen. Aber nicht die Drag Queens oder Ledermänner, denn das sind nicht die einzigen Repräsentanten. So kam es, dass in den Medien plötzlich LGBTI-Menschen von nebenan vertreten waren …

 

NEIN – Tālivaldis Kronbergs (40)

Der Europride war wie ein Feiertag, nur eine ganze Woche lang. Da gab es ein bisschen mehr Freiheit für alle. Aber von den 5000 Teilnehmern war der Großteil Ausländer. Und es war irgendwie wie Silvester: Eine große Party, und am nächsten Tag hat man Kopfschmerzen. Denn die Leute haben erwartet, dass sie die Freiheit bekommen. Das ist typisch für Länder, die lange unterdrückt waren. Doch ein Gefühl von Freiheit, wie etwa in Berlin oder Paris, das bekommt man nicht einfach so. Dafür müssen wir selbst was machen. Viele LGBTI haben die falsche Erwartung, dass jemand ihnen die Freiheit bringt. Sie glauben, dass Mozaika (die einzige LGBTI-Organisation in Lettland, Anm. d. Red.) alles schafft, doch das geht nicht.

Ein Teil der Community findet den Status Quo okay

Dann gibt es noch den Teil der Community, der nur ihr eigenes Interesse sieht. Die haben keine Probleme und finden den Status Quo okay. Sie wollen gar nicht demonstrieren, sie wollen gar keine Eheöffnung, weil sie keine Veränderung wollen. Es gab zum Beispiel eine Online-Petition. Wäre die erfolgreich gewesen, hätte sich das Parlament zumindest mit der Ehe für Homosexuelle befassen müssen. Aber wir haben da nicht einmal die 10.000 Unterschriften geschafft. Und ich glaube auch nicht, dass wir mit der nächsten Regierung die Ehe für alle bekommen. Dafür sind wir einfach noch zu konservativ. In einer Fernsehdebatte vor dem Europride musste ich mich etwa gegen den Vorwurf verteidigen, Homosexualität sei eine Krankheit …

Die ausführlichen Statements zum Euro Pride sind erschienen in MÄNNER 7.2016

Titelbild: Shutterstock


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