Wer ist Tim Kaine?

Hillary Clintons potentieller Vizepräsident. Und ein LGBTI-freundlicher Katholik. Doch, das geht.

Die Reaktionen auf den früheren Gouverneur und jetzigen Senator des Bundesstaates Virginia waren gemischt, um es mal freundlich auszudrücken. „Langweilig“, sagten die einen, „Wenig mutig“ die anderen, „Eine sichere Nummer“, die dritten. Was alles ein bisschen stimmt. Aber eigentlich eine gute Nachricht ist. Denn ja, es hätte aufregendere Varianten gegeben. Mit Elizabeth Warren war lange eine Frau für den Job im Gespräch und einige seiner Anhänger hatten auch gehofft, Bernie Sanders würde sich zu einer Kandidatur herablassen. Tat er nicht. Dafür rockte Kaine gleich bei seiner ersten Wahlkampfveranstaltung mit Clinton am Samstag das Publikum mit Sprüchen wie „Wollt ihr einen Präsidenten, der nur Unsinn redet, oder eine Präsidentin, die weiß, wie man Brücken baut?“ Deutlicher kann man Donald Trump kaum den Kampf ansagen.

Kaine ist ein streng gläubiger, sehr homofreundlicher Katholik. Doch, sowas geht.

Tim Kaine ist 58 und ein erfahrener Vollprofi, der Clinton in einem voraussichtlich schlammschlachtartigen Wahlkampf den Rücken freihalten kann, wenn er muss, bei Frauen genauso beliebt ist wie bei den US-Latinos und ein sehr populärer Politiker aus einem Staat ist, den Clinton gewinnen muss, will sie Präsidentin werden. Aus LGBTI-politischer Sicht beherrscht Kaine die Kunst, auf Messers Schneide zu tanzen. Er ist ein streng gläubiger, sehr homofreundlicher Katholik. Doch, sowas geht. Und zwar indem man sich, ähnlich wie Clinton, bei diesem Thema politisch und menschlich immer weiterentwickelt. Vor 15 Jahren antwortete Kaine auf die Frage nach der Öffnung der Ehe zwar noch mit einem entschiedenen „Jein“, sagte allerdings auch damals schon, er sei „dagegen, dass man Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert“ und setzte sich als Gouverneur 2006, gegen eine Verfassungsänderung ein, die zu einem Verbot der Eheöffnung führte.

Als er 2013 in den Senat gewählt wurde, begann er umgehend, sich für die Öffnung der Ehe stark zu machen.

2011 sagte er während seines Wahlkampfes für den Senat, er sei für das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, wenn es dem Kindeswohl helfe. Und 2008 unterschrieb er sichtlich stolz eine Anordnung seines Büros, die die Diskriminierung von Staatsbediensteten aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtszugehörigkeit verbot. Als er 2013 in den Senat gewählt wurde, begann er umgehend, sich für die Öffnung der Ehe stark zu machen. Die größte amerikanische LGBTI-Organisation, die Human Rights Campaign, gibt ihm 90 von möglichen 100 Prozent für seine Arbeit für LGBTI im Kongress. Nur wenige PolitikerInnen bekommen mehr. Eine von ihnen ist Hillary Clinton. (MÄNNER-Archiv) Danach gefragt, wie er seinen Glauben an Gott und seine LGBTI-Arbeit unter einen Hut bringen kann, sagte Kaine gegenüber Medien: „Ganz wunderbar. Sie mögen sich sehr.“ Wieder so ein Spruch von einem, der vielleicht ein sehr guter, wenn auch ein bisschen langweiliger Vizepräsident werden wird.

Foto: Imago/ZUMA Press


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