imago59043868h

Zürich: Neuer Anlauf für Regenbogenhaus

Acht Jahre nach den ersten Ideen werden die Planungen konkreter

Zürich soll das landesweit erste LGBTI-Gemeinschaftszentrum bekommen. Denn in der größten Stadt der Schweiz gibt es viele Vereine und Verbände, die sich für die Belange der Community einsetzen. Auch wenn zuletzt Streit zwischen Lesben- und Schwulenverband gab (MÄNNER-Archiv) herrschte, wollen die Initiativen dennoch ein gemeinsames Zentrum. Bislang bestehen nur Büro- und Sitzungsräume der Homosexuellen Arbeitsgruppen ­Zürich (HAZ).

Deshalb wurde eine Interessengemeinschaft gegründet, die das Projekt Regenbogenhaus verfolgt. „Die Vision: Ein Haus mitten in Zürich für Lesben, Schwule, ­Bisexuelle, Transmenschen und queer lebende Menschen“, heißt es auf der Homepage. „Als Treffpunkt, Kulturort und Anlaufstelle, mit einem Café, Informationsmöglichkeiten und Räumen für Events, Sitzungen und Beratungen, mit einer Bibliothek, einem Gesundheitszentrum und anderen Dienstleistungen, mit altersgerechtem Wohnen und Wohnungen für Menschen in Not­lagen (z. B. queer refugees).“

Es gibt bereits konkrete Gespräche mit Immobilien

Um Planung und Finanzierung des Regenbogenhauses voranzutreiben, wurde eine Projektleiterstelle geschaffen, die zunächst auf zehn Monate befristet ist. „Zürich ist für die LGBT-Community ein wichtiges über­regionales Zentrum“, erklärt Projekt­leiterin Laura Pestalozzi. Das neue LGBTI-Zentrum soll als „offenes und öffent­liches Haus“ als Bindeglied zwischen Community und Öffentlichkeit stehen, sagte sie dem Tagesanzeiger. So soll mehr Akzeptanz geschaffen werden.

Das Regenbogenhaus hat prominente Vorbilder: Die Rosa Lila Villa in Wien, das Outhouse in Dublin oder das Centre LGBT in Paris. Allesamt Begegnungs-, Veranstaltungs- und Kulturzentren von LGBTIs, aber auch der interessierten und breiten Öffentlichkeit.

Regenbogenhaus

So könnte die Nutzung aussehen: Unten Café, darüber Büros und eine queere Bibliothek sowie unterm Dach Praxisräume. Grafik: dasregenbogenhaus.ch

Deshalb sei der Standort so wichtig. Aktuell sei man auf der Suche nach „einem zentralen, gut zugänglichen Standort mit Publikumsverkehr“, sagt Pestalozzi. Über Ideen und Vorschläge freut sich die Interessengemeinschaft, auch wenn es bereits konkrete Gespräche gibt. Für ein Haus wird sich die IG in nächster Zeit bewerben. Zeitdruck besteht dennoch nicht: Ziel ist es, das Regenbogenhaus bis spätestens 2020 zu eröffnen, sagt die Projektleiterin.

Stadt bezuschusst Konzept mit fast 10.000 Franken

In der Interessengemeinschaft vernetzen sich fünfzehn Organisationen. Etwa die Aids-Hilfe Schweiz oder das Transgender Network Switzerland, Pink Cross und die Lesbenorganisation Schweiz bis zum Zurich Pride Festival, das den größten CSD des Landes organisiert (Männer-Archiv).

Unterstützung bekommen sie auch von der Politik. „Die Idee hat Potenzial, das zeigen auch Beispiele aus anderen Städten wie Wien oder Brüssel“, sagt Nat Bächtold, Sprecher von Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP). Deshalb habe die Stadt auch bereits 9500 Franken (etwa 8800 Euro) für die Erarbeitung des Konzepts bereitgestellt.

Ein Treffpunkt außerhalb von Partys sei wichtig

„Es wäre ein Meilenstein für die Stadt Zürich mit ihrer langen Tradition als Vorkämpferin für die Rechte der LGBT-Community“, sagte Alan David Sangines, SP-Gemeinderat und Co-Präsident der Fachkommission sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität der Schweizerischen Volkspartei. Ein Treffpunkt außerhalb von Clubs und Partys, auch für junge und ungeoutete LGBTI, sei sehr wichtig, betonte er.

Die ersten Ideen für ein solches Regenbogenhaus bestanden bereits im Jahr 2008. Es sollte ein Jahr später – pünktlich zum Europride – eröffnen. Daraus wurde jedoch nichts. Jetzt ist Projektleiterin Pestalozzi jedoch zuversichtlich, dass in Zürich bis 2020 das erste LGBTI-Zentrum des Landes steht.

Titelbild: imago/EQ Images


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close