Chris Voth

„Das ist nur zu deinem eigenen Schutz“

Der offen schwule Volleyball-Star Chris Voth wurde aus Angst vor homophoben Fans nicht als Trainer engagiert

Chris Voth ist eine Ausnahme-Volleyballspieler: Nicht nur ist der 25-Jährige wirklich erfolgreich in seinem Sport, er ist seit 2014 auch offen schwul. Diesen Sommer wollte der Kanadier den nächsten Schritt in seiner Karriere gehen und als Trainer arbeiten. Er hatte allen Grund anzunehmen, Mannschaften würde ihn mit offenen Armen empfangen. Schließlich war die letzte Saison die erfolgreichste seiner Karriere gewesen: Er hatte in den Niederlanden gespielt und als Linksaußen für Abiant Lycurgus Volleyball Groningen drei wichtige Titel mit seinem Team gewonnen. Sein Agent und er machten sich große Hoffnungen und es gab auch ein tolles Angebot eines Clubs, der Voth als Trainer engagieren wollte. In welchem Land wollen weder Spieler noch Agent sagen.

Sie hätten Befürchtungen, ich könne aufgrund meiner Homosexualität angegriffen werden.
Aber plötzlich wurde das Angebot zurückgezogen. Mit einer mehr als schwierigen Begründung, die Voth der Winnipeg Free Press gegenüber so zusammenfasst: „Mein Agent erklärte mir, die Führung des Clubs hätte ihm mitgeteilt, sie würden mich nicht beschäftigen wollen. Um mich zu schützen. Sie hätten Befürchtungen, ich könne aufgrund meiner Homosexualität angegriffen werden. Nicht in ihrem eigenen Club, sondern von den Fans anderer Teams.“ Voths Agent, der ehemalige Profi Steve Welch, ergänzt: „Das Team hat Voths sexuelle Orientierung als einzigen Grund angeführt. Sie sagten, viele Menschen in ihrem Land seien einfach noch nicht so offen und tolerant wie sie. Es ist nicht ungewöhnlich, Absagen zu bekommen. Manchmal sammelt man 20 oder 30 bis man das passende Team gefunden hat. Aber mit Chris kann es schwieriger sein. Bestimmte Mannschaften sind sehr interessiert und ändern ihre Meinung plötzlich in rasender Geschwindigkeit. Das scheint oft an dem Punkt zu passieren, an dem sie begreifen, dass Chris offen schwul ist.“
Das tat schon weh. Schließlich versuche ich für andere Spieler in Kanada, und vielleicht der Welt, ein Vorbild zu sein

Voth sagt, es hätte ihn verletzt, als der Vertrag mit dieser Begründung geplatzt sei: „Das tat schon weh. Schließlich versuche ich für andere Spieler in Kanada, und vielleicht der Welt, ein Vorbild zu sein, zu zeigen, dass man als offen schwuler Sportler sehr wohl erfolgreich sein kann. Und wenn es jetzt das Gegenteil der Fall ist, wenn mich meine Offenheit im Umgang mit meiner sexuellen Orientierung, Möglichkeiten und Jobangebote kostet, das ist schon hart. Mein Team in den Niederlanden hat mich einfach immer unterstützt, weswegen ich auch sehr gern dort war. Deswegen dachte ich, mein Schwulsein würde auch anderswo kein Problem sein. Ich hatte schon Angebote aus Ländern, in denen Homosexualität illegal oder schwierig ist, wie Ägypten oder Iran, und würde das nie in Erwägung ziehen. Manchmal überlege ich mir, wieviel mehr Geld ich verdienen könnte, wenn ich mein Coming-out nicht gehabt hätte und ob ich es einfacher hätte. Aber, natürlich hätte ich es trotzdem gemacht. Die Reaktionen darauf waren so gut, und ich habe wohl einigen Menschen damit geholfen. Damit hat sich das alles schon gelohnt.“ Und sei es nur, weil Kanada eines der homofreundlichsten Länder der Welt ist. (MÄNNER-Archiv) Dazu tragen auch Sportler wie Chris Voth bei.   

Foto: ChrisVoth.ca


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