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„Wir sollten keine Vorbilder sein“

Jennifer Saunders und Joanna Lumley über den Sprung vom Bildschirm auf die große Leinwand

Jennifer Saunders und Joanna Lumley über den Sprung vom Bildschirm auf die große Leinwand – und darüber, wie sie unfreiwillig zu saufenden Vorbildern wurden

Niemand liebt Eddie und Patsy mehr als die schwulen Fans. Hatten Sie es darauf angelegt?

Saunders: Gar nicht. Allerdings habe ich noch nie etwas mit Blick auf ein spezifisches Publikum geschrieben. Mit „Ab Fab“ habe ich versucht, meine Freunde zum Lachen zu bringen, und natürlich die Leute im Probenraum. Aber ich war nie überrascht, dass die Serie bei Schwulen gut ankam. (Wie wird man zum Serienjunkie – MÄNNER-Archiv) Eddie und Patsy waren ja immer ein bisschen überlebensgroß, ein wenig überzeichnet, beinahe wie aus einem Cartoon. Dafür haben viele Schwule sicher mehr Sinn als etliche andere Zuschauer. Abgesehen davon standen diese beiden Frauen immer beispielhaft für Leute, die sich nicht das geringste bisschen darum scheren, was andere Leute von ihnen denken oder ob schlecht über sie geredet wird. So wie es ihnen selbst immer egal war, ob ihr Gegenüber homo, hetero oder sonst etwas war.

Vor allem in den 90er Jahren war die Serie damit ohne Frage ihrer Zeit voraus.

Lumley: Das ist Jennifers Verdienst. Sie war in den Drehbücher immer schon vollkommen blind, was Konventionen angeht. Hautfarbe, sexuelle Orientierung – diese Sachen waren zweitrangig wenn es um die Figuren und Gags ging. Deswegen ist Eddies Ex schwul, ihr Sohn auch. Und sie wünscht sich vergeblich, dass auch Saffy lesbisch ist.
Saunders: Auch Transgender war bei uns schon ein Thema Jahrzehnte, bevor es nun in jeder zweiten Serie vorkommt. Da war Patsy ohne Frage Vorreiterin! (MÄNNER-Archiv)
Lumley: Alle beide. Schließlich haben Eddie und Patsy in New York schon geheiratet, lange bevor es dort die Ehe für alle gab!

Absolutely Fabulous
Auch in anderer Hinsicht war die Serie fast prophetisch. In den 90ern schien dieser Fokus auf PR, auf Luxus, auf Promis und andere Oberflächlichkeiten vollkommen übertrieben. Heute wirkt das alles geradezu harmlos, oder?

Lumley: Irgendwie war das eine selbsterfüllende Prophezeiung!
Saunders: Oh ja. Allerdings war es nicht so schwer vorauszusagen, wohin sich unsere Gesellschaft entwickeln würde. Nur das Ausmaß und die Geschwindigkeit haben uns vollkommen überrollt. Damals gab es in Sachen Celebrity-Quatsch kaum mehr als das Hello Magazine. An E-Mails und Facebook oder gar an die Kardashians war noch lange nicht zu denken.

Wurde Ihnen die Aufmerksamkeit, die Eddie und Patsy bekamen, je zu viel?

Lumley: Nicht wirklich. Ich hatte nie das Gefühl, nur auf diese eine Rolle festgelegt zu sein. Schon weil wir selbst ja eigentlich nie mehr als sieben oder acht Wochen im Jahr mit der Serie beschäftigt waren.
Saunders: Na ja, das Schreiben dauerte schon ein wenig länger …
Lumley: Stimmt, sorry. Sagen wir neun Wochen. (lacht)

Keine negativen Erfahrungen im Kontext mit „Absolutely Fabulous“?

Lumley: Manchmal wurden Fotos von uns in den Zeitungen gedruckt, wenn es in irgendwelchen Texten um lasterhaftes Verhalten ging. Das fand ich ein wenig unpassend.
Saunders: Irgendwie wurden Eddie und Patsy zu Aushängeschildern dieser irgendwann aufkommenden „ladette“-Kultur. Damit meint man in England Frauen, die lautstark um die Häuser ziehen und feiern und saufen, wie es vermeintlich nur Männer, also echte „lads“ tun.

Ist das etwas, worauf Sie stolz waren?

Saunders: Um Himmels Willen, nein. Das war beschämend.
Lumley: Furchtbar!
Saunders: Wir fühlten uns da ein bisschen missverstanden. Eddie und Patsy sollten wahrlich keine Vorbilder sein. Für niemanden. Man sollte die beiden nicht mögen. Doch zu unserer großen Überraschung kam es anders.
Lumley: Man sollte nur über sie lachen!
Saunders: Ganz genau. In unseren Augen waren die beiden immer lächerliche Figuren. Dass es wirklich Leute gab, die ihnen nacheiferten, finde ich bis heute höchst bizarr.

Das vollständige Interview steht in MÄNNER 8.2016!

„Absolutely Fabulous – der Film“ ab 8. September im Kino!

Fotos: AbFab


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