13 02 2016 DSSD Düsseldorf Demo gegen Kongress europäischer Rechtspopulisten rund um das Messe C

AfD-Mitglieder so homophob wie Afghanen

Eine neue Studie beschäftigt sich auch mit Homophobie unter Flüchtlingen. Gucken wir mal genauer hin

Am Montag hat die Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Berlin eine nicht repräsentative Studie vorgestellt, die „zum Teil erhebliche Werteunterschiede“ zwischen Flüchtlingen und Deutschen feststellt. Die Forscher haben dafür im Juni und Juli etwas mehr als 1.000 Fragebögen in Farsi, Arabisch und Englisch in Flüchtlingsunterkünften verteilt, von denen gut die Hälfte, 445, ausgefüllt und ausgewertet wurden. Zu den Ergebnissen gehört: Die deutliche Mehrheit der Flüchtlinge bekennt sich zu Demokratie und fordert eine klare Trennung von Staat und Kirche. Allerdings haben die antwortenden Flüchtlinge oft eine andere Vorstellung davon, was das heißt, als es viele Deutsche tun würden. Viele von ihnen stimmen rechtpopulistischen Aussagen zu. „Damit ähnelt das Wertebild der Flüchtlinge in zentralen politischen Teilen am ehesten dem der AfD-Anhänger oder der Pegida-Bewegungen”, schlussfolgern die Forscher der HMKW.

Die Umfrage bestätigt, dass und wo es erheblicher Anstrengung bedarf, eine Integration zu realisieren.

„In anti-liberalen Einstellungen zu (Homo-)Sexualität, Ehe und Partnerschaft, ja selbst zu Wohn- oder Lebensformen wie einer WG zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Flüchtlingen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft”, so die Studie. Aber: „Die positive Botschaft unserer Umfrage lautet: Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge möchte sich in die deutsche Gesellschaft integrieren und weiß, dass das großer Anstrengungen bedarf. Sie sind bereit, diese Anstrengungen zu schultern. … Die Umfrage bestätigt, dass und wo es erheblicher Anstrengung bedarf, eine Integration zu realisieren. Politische Bildungsarbeit und die Vermittlung liberaler, humanistischer Werte müssen im Mittelpunkt stehen. Andernfalls könnten aus den vorhandenen, zum Teil erheblichen Werteunterschieden ernsthafte Konflikte werden.”

„Mehrheit der Flüchtlinge so homophob wie die AfD“ stimmt eben nicht.

Was klingt wie eine Hiobsbotschaft, Flüchtlinge als zukünftige AfD-Wähler, hat einen viel beweglicheren Kern, als es einige Schlagzeilen, die nach einer am Wochenende vorab veröffentlichten Pressemitteilung der Hochschule die Runde machten, vermitteln wollen. Nein, „Mehrheit der Flüchtlinge so homophob wie die AfD“ stimmt eben nicht. Die eigentliche Schlagzeile könnte lauten „AfD-Mitglieder sind so homophob wie viele Menschen in Afghanistan und wollen das auch bleiben“. Denn, im Gegensatz zu Flüchtlingen, die sich bemühen wollen, sich europäische Werte wie Gleichberechtigung, Weltoffenheit oder eben eine neue Einstellung zu Familie, Partnerschaft und Sexualmoral zu erarbeiten, sich also in die liberale, deutsche Mehrheitsgesellschaft im Jahr 2016 zu integrieren, ist bei den Höckes und von Storchs dieser Welt und ihren Anhängern das genaue Gegenteil der Fall: Homophobe Einstellungen sind Teil eines politisch-konservativen, teilweise kirchlich unterfütterten, politischen Umgestaltungsprojekts für eben jene Mehrheitsgesellschaft. Die Chance, dass sich die Befragten in den Flüchtlingsheimen nach mehreren Jahren in Deutschland auch zu Homosexualität ganz äußern als jetzt, wo sie einige Wochen oder Monate Zeit hatten, sich in einem teilweise neuen Wertesystem zurechtzufinden, ist sehr groß. Beatrix von Storch lebt seit über 40 Jahren in Deutschland. Hedwig von Beverfoerde seit über 50, Björn Höcke ist seit 43 Jahren deutscher Staatsbürger. Dabei, sich in die liberale Mehrheitsgesellschaft in Deutschland einzufinden, hat ihnen das, satirisch betrachtet, offensichtlich nicht geholfen. Man muss eben auch wollen.

Titelbild: Imago


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