Pride_2012_15

Belgrad Pride Organisator attackiert

Er sagt: "Wir müssen weiterkämpfen, mit Liebe und Toleranz"

Der Organisator der Belgrad Pride Parade, Boban Stojanowitsch, wurde letzte Woche Dienstag auf offener Straße von mehreren Männern attackiert und zusammengeschlagen. Seine Reaktion: Er versprach, weiter für eine Gesellschaft zu kämpfen, in der allen Menschen mit Respekt begegnet wird, und die sich von Toleranz und menschlichem Miteinander leiten lässt. Die Angreifer hatten auf offener straße Menschen angesprochen, Hassbotschaften über Homosexuelle geschrien und Stojanowitsch als solchen identifiziert.

Er sagt aber, der Gedanke, dass es irgendwann ein Belgrad geben wird, in dem er das tut, sei seine Antriebsfeder.

„Ich fürchte, dass wir es nach den Kriegen in den 1990ern versäumt haben, eine Zivilgesellschaft aufzubauen, die den Wert menschlichen Lebens zu schätzen weiß“, so Stojanowitsch. „Stattdessen leben wir in einem Gedankengebäude, dass immer einen Feind braucht.“ Er sagt, in Serbien hätte es nie eine nationale Anstrengung gegeben, Toleranz und Akzeptanz als gesellschaftliche Werte zu etablieren. Auch die dazu notwendigen Medien seien nur schwach entwickelt, weil in privater Hand und oft ein Sprachrohr für Interessen von Einzelnen, ihren Besitzern. Die Polizei reagierte nach dem Angriff zwar prompt und verhaftete die Angreifer, trotzdem fühlt sich Stojanowitsch nicht sicher. Er sagt aber, der Gedanke, dass es irgendwann ein Belgrad geben wird, in dem er das tut, sei seine Antriebsfeder. Der letzte Belgrad Pride war ein voller Erfolg. (MÄNNER-Archiv)

Ich habe von anderen Menschenrechtsaktivisten gelernt, dass man als selbstbewusster Bürger immer das Unmögliche verlangen muss.

„Ich habe von anderen Menschenrechtsaktivisten gelernt, dass man als selbstbewusster Bürger immer das Unmögliche verlangen muss. Wir müssen das Erreichte feiern, aber immer mehr wollen. Als wir 2010 anfingen, den Belgrad Pride zu organisieren und unsere Organisation gründeten, haben wir eine Analyse in Auftrag gegeben, die ergab, das LGBTI in Serbien nur frei sein werden, wenn wir beharrlich und mit vollen Einsatz dafür kämpfen und darauf bestehen, dass uns die Rechte, die uns laut Gesetz und Verfassung zustehen, auch gegeben werden. … Unser größter Erfolg ist, dass inzwischen auch Politiker sagen, dass wir die Parade und LGBTI-Rechte nicht nur wegen der EU brauchen, sondern auch für uns, als Land und Volk. Unsere zweite Errungenschaft ist, dass LGBTI nie mit Gewalt auf die Gewalt geantwortet haben, die wir täglich erfahren.“ Die diesjährige Prideweek wird vom 11. bis 17. September stattfinden, der Pride Parade am 18. September. Sie steht unter dem Motto „Love Changes The World“, „Liebe verändert die Welt“. Daran glaubt auch Boban.

Foto: Media Center Belgrad


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close