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Das Leben als Aktivist in der Ukraine

Doku "Rein ins Leben" zeichnet vielschichtiges Bild zur aktuellen Lage der LGBTI-Community

Für Lorenz Kloska ist „Rein ins Leben“ nicht nur ein Film. Der Münchner Filmemacher kämpft seit vielen Jahren für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in Osteuropa. Für ihn ist die Dokumentation ein Mittel der Aufklärung. Das Kino Babylon zeigt seinen Film im September zum ersten Mal in Berlin.

Schwule und Lesben hoffen auf Verbesserung ihrer Lage

Die Ukraine hat es Kloska und seinem Filmpartner Sascha Vinogradov angetan, insbesondere seit sich vor gut zwei Jahren in der Hauptstadt Kyiw der Maidan formierte. Nach der „Revolution der Würde“ wandte sich der ehemalige Sowjetstaat dem Westen zu. Auch die Lesben und Schwulen des Landes, die Bisexuellen und Transgender, hoffen seitdem auf eine Verbesserung ihrer Lage in einem Land, das im Osten Krieg führt und in dem Übergriffe gegen sexuelle Minderheiten zum Alltag gehören. Menschenrechtsorganisationen listen allein für das vergangene Jahr 112 Hassverbrechen auf, die sich speziell gegen Homosexuelle richten. Staat und Polizei schützen sie nicht. (Das änderte sich in diesem Jahr beim Pride in Odessa – MÄNNER-Archiv.)

Wie ist es in der Ukraine möglich, mit einer so genannten nicht traditionellen sexuellen Orientierung ein selbstbewusstes Leben zu führen?

Kloska und Vinogradov haben 2014 schon einmal einen Dokumentarfilm über queere Aktivisten der Ukraine gedreht. Wie schon „Raus aus dem Schatten“ beschäftigt sich auch „Rein ins Leben“ mit ihrem Kampf. Doch hat sich die Perspektive geändert: Bezog sich die erste Dokumentation auf die Situation der Protagonisten, steht der Titel des neuen Films für die Intention der Autoren. „Wir wollten unter anderem wissen, wie die LGBT-Community zum Krieg steht, ob sich in Sachen Homophobie im Alltag etwas geändert hat. Kurz: Wie ist es in der Ukraine möglich, mit einer so genannten nicht traditionellen sexuellen Orientierung ein selbstbewusstes Leben zu führen“, so Kloska. (In Kiew verlief der Pride im Juni gewaltfrei ab – MÄNNER-Archiv.)

Kampf gegen anhaltende Diskriminierung

Ukraine

In der Manier des Direct Cinema dringen die Filmemacher in verschiedene Lebensbereiche der Menschen ein. Die Protagonisten aus Charkiw, Schytomyr und Kyiw haben sie mit offenen Armen aufgenommen, sie erzählen von ihrem Leben und ihrem Kampf gegen die anhaltende Diskriminierung (MÄNNER-Archiv). Maxim aus Schytomyr zum Beispiel beschäftigt die Ermordung eines langjährigen Freundes. Wir nehmen aber auch teil an einer Party im Queer Home der Stadt. Dort lernen wir Yuri kennen, der von seinem Engagement für die freiwilligen Bataillone in der Ostukraine berichtet. Mascha aus Kyiw spricht von ihrer Tätigkeit als Luftaufklärerin und Yura verurteilt die Diskriminierungen, denen er als Transsexueller ausgesetzt ist.

Ultrarechte jagen die Teilnehmer durch die Straßen

Der Film findet seinen dramatischen Höhepunkt im Pride March 2015, der überschattet wird von gewalttätigen Szenen: Erst fliegen Feuerwerkskörper und Splitterbomben, die einen Polizisten schwer verletzten, dann jagen Ultrarechte die etwa 250 Teilnehmer durch die Straßen. In 104 Minuten entsteht ein vielschichtiges Bild zur aktuellen Lage der LGBTI-Community in der Ukraine, die sich über die eigenen Belange hinaus für Menschenrechte im Allgemeinen einsetzt. „Rein ins Leben“ entstand in Kooperation mit dem CSD München, Munich Kiev Queer und der freundlichen Unterstützung des Kulturreferats der Stadt München.

Der Film läuft nun erstmals in einem öffentlichen Kino in Berlin: Am 8. September 2016 um 20 Uhr im Babylon in der Rosa-Luxemburg-Straße 30.

Titelbild: Still/Rein ins Leben


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