Bushaltestelle Haltestelle auf dem Land 0883

Fehler der Polizei in Gütersloh?

Könnte die Polizei doch gegen Gewalt gegen Schwule vorgehen, wenn sie nur wollte

Könnte die Polizei in Gütersloh, doch wegen der antischwulen Gewalt ermitteln, die dort in den letzten zwölf Monaten gehäuft aufgetreten ist (MÄNNER-Archiv), will aber nicht? Die Neue Westfälische berichtete vor zwei Tagen über mehrere Hassverbrechen in Gütersloh. Nachdem ein  von der Redaktion der  Zeitung  „Stefan M.” genannter Mann am Samstag der letzten Woche in der Brockhäger Straße nur knapp mehreren Männern entkommen konnte, die ihn mit Eiern und Steinen bewarfen, stellte er einen Warnhinweis auf Gayromeo. Denn eigentlich war „Stefan” an einer Bushaltestelle mit „Uwe” verabredet gewesen, zu einem, wie die Westfälische schreibt, „erotischen Treffen”. Die beiden Männer hatten ein Internetdate. Allerdings darf bezweifelt werden, dass es „Uwe” überhaupt gibt.

Der logistische Aufwand, drei Männer innerhalb weniger Stunden zur gleichen Stelle zu lotsen, lässt eine hohe kriminelle Energie vermuten.

Denn seit die Warnung öffentlich ist, haben sich elf weitere Männer gemeldet, denen das Gleiche passiert ist wie „Stefan”. Auch sie wurden an die Bushaltestelle in der Brockhäger Straße gelockt und dort angegriffen. „Stefan” sagt dazu: „Da sind Leute am Werk, deren Ziel es ist, möglichst viele Schwule in eine Falle zu locken. Der logistische Aufwand, drei Männer innerhalb weniger Stunden zur gleichen Stelle zu lotsen, lässt eine hohe kriminelle Energie vermuten.” Ein Fake-Profil mit Bildern aus dem Netz zu erstellen, ist nicht schwer. Allerdings gaben der oder die Täter auch immer eine Handynummer an und telefonierten vor den angeblichen Treffen mit ihren Opfern. Haben also für ein Gayromeo-Date alles richtig gemacht. Der erste der Fälle, die jetzt bekannt sind, liegt schon mehr als ein Jahr zurück. Damals wurde ein 37-Jähriger das Opfer, der „Stefan” schrieb: „Ich fuhr zu der Haltestelle, dann fing er an, mich zu bedrohen. Ich sollte die Drogen (gemeint ist Poppers A.d.R.) auf den Boden legen und verschwinden. Ansonsten würde er mich zusammenschlagen.”

Wir können erst dann tätig werden, wenn jemand Anzeige erstattet.

Die Neue Westfälische stellt auch fest, da keiner der Männer Anzeige erstattet hat, könne die Gütersloher Polizei bislang nicht ermitteln und zitiert Polizeisprecherin Corinna Koptik. „Bei den geschilderten Vorfällen handelt es sich um Antragsdelikte. Das heißt, wir können erst dann tätig werden, wenn jemand Anzeige erstattet”. Selbstständig ermitteln könne die Polizei erst dann, wenn jemand verletzt würde. Für versuchte Körperverletzung, wie sie hier vorliegt, gälte das nicht.

Zusätzlich kommt hinzu, dass die Polizei sobald sie Kenntnis von einer Straftat hat, diese auch zu verfolgen hat.

Marco Klingberg von VelsPol, dem Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Deutschland, sieht das völlig anders. Er sagte gegenüber m-männer.de. „Im vorliegenden Fall geht die Polizeisprecherin, davon aus, dass der Polizei die Hände gebunden sind und da keine Anzeigen erstattet wurden nicht tätig werden kann. Sie spricht hier von einer versuchten einfachen Körperverletzung. Natürlich stimmt es, dass hier ein Strafantrag von den Opfern gestellt werden müsste, Strafanträge können immer noch im Nachgang eingeholt werden. Zusätzlich kommt hinzu, dass die Polizei sobald sie Kenntnis von einer Straftat hat, diese auch zu verfolgen hat. Über die Einstellung entscheidet dann immer noch die Staatsanwaltschaft. Hier ist auch noch eine Häufung von Straftaten erkennbar, was noch zusätzlich hinzukommt und dann noch, dass gezielt gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe vorgegangen wird, und zwar gegen homosexuelle Männer. Derartige Straftaten zählen hier zu den politisch motivierten Straftaten. So kann sogar von einem öffentlichen Interesse ausgegangen und auf einen Strafantrag nach §230 StGB könnte verzichtet werden. Liest man aber die Beschreibung des Tatherganges der sich gemeldeten Opfer (gemeinschaftliches Vorgehen und mit Steinen auf Personen geworfen), liegt hier eindeutig eine versuchte gefährliche Körperverletzung vor und diese ist ohne einen gestellten Strafantrag zu verfolgen. Ich hoffe jedenfalls, dass sich Polizei in Gütersloh ihre Vorgehensweise noch einmal überlegt und kann den Opfern nur raten eine Anzeige zu erstatten.“ Ist die Polizei in Gütersloh also nicht willens, gegen den oder die Täter zu ermitteln?


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