Senior doctor consults young patient

Homoheilung in Ecuador

Mit Zwangsjacken und Elektroschock gegen "unangemessenes Verhalten"

Elektroschock und Zwangsmedikation – das sind nur zwei der Maßnahmen, mit denen Homoheiler-Kliniken in Ecuador arbeiten. César L. Baquerizo hat darüber einen Roman geschrieben: „Un Lugar Seguro Contigo” („Ein sicherer Ort mit Dir“) ist 2013 auf Spanisch erschienen und seit kurzem auch in englischer Sprache erhältlich.

Homoheiler

Die Geschichte erzählt von Tomás and Sebastián und spielt in den 1990ern, als Homosexualität noch strafbar war und es im ganzen Land Konversionkliniken gab. 80 % der Bevölkerung ist christlich – die Kirche dürfte ihren Anteil daran haben. LGBTI-Aktivisten zufolge betreiben religiöse Gruppen im Untergrund solche Kliniken. (Auch der Vatikan soll Homoheilereinrichtungen betreiben – MÄNNER-Archiv.)

Homoheiler

Zulema Constante (li) mit Freundin (Foto: privat)

Im Erscheinungsjahr des Romans machte das Schicksal von Zulema Constante Schlagzeilen: Die lesbische Frau wurde gegen ihren Willen in einer Homoheiler-Klinik festgehalten – ihre homophoben Eltern hatten sie eingewiesen – und ihre Freundin alarmierte die Welt über die Sozialen Netzwerke. Zulema entkam. In der Klinik war sie in eine Zwangsjacke gesteckt, mit Elektroschocks und Schlafentzug gequält worden. Rund 80 illegale Untergrundkliniken würden landesweit betrieben, gab 2014 die damalige Gesundheitsministerin Carina Vance an, selbst offen lesbisch. 30 solcher Einrichtungen waren bereits im Jahr 2011 geschlossen worden. (So arbeiten deutsche Homoheiler – MÄNNER-Archiv.)

Die Eltern von queeren Kindern zahlen extra, um das ‘volle Programm’ zu buchen

Nun ist Baquerizos Buch auf Englisch erschienen und das Thema wieder in den Schlagzeilen. Ecuadors LGBTI-Rechte haben sich nicht wirklich verbessert. „Wann immer so eine Klinik schließt, öffnet sie auch wieder“, sagt die lesbische Aktivistin Diana Maldonado gegenüber dem Magazin VICE. „Offiziell geben sie nicht an, dass sie Homosexuelle heilen. Sie sagen, sie behandeln Alkohol- oder andere Suchtabhängige. Aber die Eltern von queeren Kindern zahlen extra, um das ‘volle Programm’ zu buchen.”

Testosteron-Kur gegen Homosexualität

Baquerizo war selber nie in einer solchen Klinik – sein Roman basiert auf Schilderungen ehemaliger Patienten. Als der Autor sich mit Anfang 20 vor seinen Eltern outete, schickte seine Mutter ihn zum Arzt, damit er Testosteron nähme, um „männlicher“ zu werden. Baqzeizo lehnte das ab, begann ein neues Leben weit weg vom Einfluss seiner Familie und begann 2011 die Arbeit an seinem Roman.

2012 besuchte ein CNN-Team eine solche Einrichtung namens „Puente a la Vida” – „Brücke ins Leben”. Einer der Direktoren, Luis Zavala, erklärte, die Klinik versuche, Menschen ihr „unangemessenes Verhalten” abzugewöhnen – womit er Homosexualität meint.

Titelbild: Fotolia


4 Kommentare

  1. Sunny Sunshine

    Könnte immer wieder platzen, wenn ich so etwas lese!!!!Gerade Ärzte müssten es doch besser wissen, aber wenn der Rubel rollt, therapieren Die Alles und Jeden. Da kann man echt nur den Kopf schütteln!!!! Schlimm so etwas….


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close