Indonesien_LGBTI_1050

Indonesien: Wird schwuler Sex illegal?

Das Verfassungsgericht denkt über eine mögliche Verschärfung der Gesetze nach. Doch noch gibt es Hoffnung.

UPDATE (30.8.2016) Gleichgeschlechtlicher Sex soll ebenso wie vorehelicher Verkehr verboten werden – das fordert eine rechtskonservative Organisation in Indonesien und erscheint heute zum 3. Mal mit ihrer Forderung am Verfassungsgericht. Das Land sei am Rand der moralischen Krise und in Gefahr, dass seine muslimischen Werte durch die Forderungen von LGBTI-Gruppen unterlaufen würden.

Das Verfassungsgericht in Indonesion prüft derzeit, ob gleichgeschlechtlicher Sex in Zukunft eine Strafhandlung im Land werden soll. Bisher sind homosexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Partnern in weiten Teilen von Indonesien legal, lediglich in einigen Provinzen gibt es gesetzliche Verbote. Das will nun eine rechtskonservative Organisation namens Family Love Alliance ändern: Sie fordert, dass ein Gesetz, das landesweit Sex mit Minderjährigen verbietet, so verschärft wird, dass es auch für schwulen und lesbischen Sex gilt.

„Sie können frei leben, wenn sie ihren Lifestyle nicht offen zeigen.”

Vergangene Woche hörte das Gericht die Verfechter der Gesetzesänderung und die von ihnen präsentierten „Experten” an. Am Rande der Anhörung äußerte Rita Hendrawaty, die Vorsitzende der Family Love Alliance, dass ihre Organisation mit der Verschärfung des Gesetzes nicht das Ziel verfolge, LGBTI zu kriminalisieren. „Der wahre Grund ist, dass wir klarere Normen wollen”, sagte Hendrawaty. „Wir wollen die, die eine abweichende Sexualität haben, nicht kriminalisieren. Sie können frei leben, wenn sie ihren Lifestyle nicht offen zeigen.” (Klingt gefährlich nach dem russischen Homopropagandagesetz – MÄNNER-Archiv) Wie ein „freies Leben” möglich sein soll, wenn es verboten ist, Sex zu haben, erklärte sie allerdings nicht.

Aggressive Kampagne gegen LGBTI

Indonesiens LGBTI-Community muss sich dieser Tage mit Händen und Füßen gegen eine aggressive Kampagne zur Wehr setzen, die die Konservativen des Landes gegen sie fahren. So hatte unter anderem zu Beginn des Jahres die psychiatrische Vereinigung des Landes Homo- und Transsexualität zu psychischen Störungen erklärt, die sich „heilen” ließen. Arief Rachadiono Wismansyah, Bürgermeister der Millionenstadt Tangerang hat öffentlich davor gewarnt, dass Fertignudeln und Milchpulver Säuglinge schwul machen könnten (MÄNNER-Archiv). Darüber hinaus hat der indonesische Verteidigungsminister verlauten lassen, Homosexualität sei „gefährlicher als eine Atombombe”, während das staatliche Fernsehen „schwule Propaganda” und „feminine Männer” aus dem Fernsehen verbannte.

Bis das Verfassungsgericht in Sachen Gesetzesänderung zu einer endgültigen Entscheidung kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Ende des Monats wollen die neun Richter laut New York Times auch noch all jene anhören, die sich gegen eine Kriminalisierung von gleichgeschlechtlichem Sex aussprechen. Man kann nur hoffen, dass das Gericht ihnen unvoreingenommen zuhören wird.

Foto: Imago


21 Kommentare


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close