Jagd auf Schwule in Gütersloh

Zwölf Männer wurden innerhalb eines Jahres angegriffen

Die Neue Westfälische berichtet über mehrere Hassverbrechen in Gütersloh. Nachdem ein  von der Redaktion „Stefan M.“ genannter Mann am Samstag der letzten Woche in der Brockhäger Straße nur knapp mehreren Männern entkommen konnte, die ihn mit Eiern und Steinen bewarfen, stellte er einen Warnhinweis auf Gayromeo. Denn eigentlich war „Stefan“ an einer Bushaltestelle mit „Uwe“ verabredet gewesen, zu einem, wie die Westfälische schreibt, „erotischen Treffen“. Die beiden Männer hatten ein Internetdate. Allerdings darf bezweifelt werden, dass es „Uwe“ überhaupt gibt. Und wenn, ist er mit großer Wahrscheinlichkeit den Dates eigentlich nicht abgeneigt. (MÄNNER-Archiv)

Jemand rief ganz laut: ,Los, den machen wir fertig!’

Denn seit die Warnung öffentlich ist, haben sich elf weitere Männer gemeldet, denen das Gleiche passiert ist wie „Stefan“. Auch sie wurden an die Bushaltestelle in der Brockhäger Straße gelockt und dort angegriffen. Zwei der Fälle ereigneten sich am selben Abend wie der von „Stefan“. Die Westfälische schreibt: „Jemand rief ganz laut: ,Los, den machen wir fertig!’ Ich bin dann zum Auto gelaufen, das ich in einer Seitenstraße geparkt hatte, und bin schleunigst abgehauen“, berichtet ein 58-jähriger Mann aus Bielefeld. Und: „An dem Abend hatte ich schon richtig Angst, muss ich gestehen.“ Auch ein 34-jähriger Mann aus der Umgebung wurde an dem Tag Ziel eines Angriffs.

Da sind Leute am Werk, deren Ziel es ist, möglichst viele Schwule in eine Falle zu locken.

„Stefan“ sagt dazu: „Da sind Leute am Werk, deren Ziel es ist, möglichst viele Schwule in eine Falle zu locken. Der logistische Aufwand, drei Männer innerhalb weniger Stunden zur gleichen Stelle zu lotsen, lässt eine hohe kriminelle Energie vermuten.“ Ein Fake-Profil mit Bildern aus dem Netz zu erstellen, ist nicht schwer. Allerdings gaben der oder die Täter auch immer eine Handynummer an und telefonierten vor den angeblichen Treffen mit ihren Opfern. Haben also für ein Gayromeo-Date alles richtig gemacht. Der erste der Fälle, die jetzt bekannt sind, liegt schon mehr als ein Jahr zurück. Damals wurde ein 37-Jähriger das Opfer, der „Stefan“ schrieb: „Ich fuhr zu der Haltestelle, dann fing er an, mich zu bedrohen. Ich sollte die Drogen (gemeint ist Poppers A.d.R.) auf den Boden legen und verschwinden. Ansonsten würde er mich zusammenschlagen.“

Da keiner der Männer Anzeige erstattet hat, kann die Gütersloher Polizei bislang nicht ermitteln.

Da keiner der Männer Anzeige erstattet hat, kann die Gütersloher Polizei bislang nicht ermitteln. „Bei den geschilderten Vorfällen handelt es sich um Antragsdelikte. Das heißt, wir können erst dann tätig werden, wenn jemand Anzeige erstattet“, so Polizeisprecherin Corinna Koptik gegenüber der Neue Westfälische. Selbstständig ermitteln könnte die Polizei erst dann, wenn jemand verletzt würde. Für versuchte Körperverletzung, wie sie hier vorliegt, gilt das nicht.

Bild: Fotolia/Gina Sanders, Video: Neue Westfälische


29 Kommentare

  1. Mathias Braasch

    Ich habe vor einiger Zeit mal einen Beitrag im TV gesehen, bei dem ein ähnliches, aber noch krasseres Vorgehen einer homophoben, Putin nahestehenden Gruppierung gezeigt wurde. Vielleicht ist in diesem Milieu hierzulande ja auch nach den oder dem Täter(n) zu suchen?

  2. Rudy Berger

    Ja es ist schrecklich, aber mal ganz ehrlich, ich treffe mich doch nicht mit einem Unbekannten irgendwo. Beim ersten Date immer auf neutralem Boden wo Leute drumherum sind… Mensch Bursch’n es ist einfach zu gefährlich!!!

  3. Martin Wache

    Im Text steht ja außerhalb >> Bushaltestelle. Nicht desto trotz.Die Gay Treffforen sind voll von unwahrheiten, ich meine damit aussehen, Alter, wohnort usw. vieles und fast alles gefakt. wehm kann geglaubt werden. Letztlich egal wo man mann sich trifft. Zu Hause kann es tropfen geben ect,…. Aber sehr tragisch in einem Gebiet .

  4. Mathias Páfiðrildi

    Rudy Berger Du hast leider recht. Schwierig ist es dann für diejenigen, die ihre Sexualität – aus welchen Gründen auch immer – geheim halten wollen. Darauf basiert ja das Ganze Oder auf dem Verständnis dafür, dass es jemand geheimhalten möchte. Weiß ja nicht, wer darauf bestand.

  5. Jürgen Engelmann

    Ich verabscheue dieses Verhalten , aber bitte auch um mehr Mut um diese tat zur Anzeige zu bringen. Muss erst ein Mensch verletzt werden oder schlimmeres? Habt Ehre und verteidigt euch

  6. Vitalij Bokk

    Ich finde sowas echt traurig , die Polizei kann erst dann ermitteln wenn jemand verletzt wurde finde Schwachsinn. Wenn die Polizei jetzt nicht damit anfängt was dagegen zu unternehmen, werden diese Leute weiter Männer dahin bestellt und fertig machen. Irgendwann wird es so sein das eine diese Männer Tod aufgefunden wird (was ich suche nicht hoffe) und erst dann wird die Polizei anfangen was zu machen. Ich komme selber ursprünglich aus Gütersloh und ich kann eins sagen das dort viele Homophobe leben. Letztes Jahr habe ich bei Mr Gay Germany teilgenommen musste viele Beleidigungen über FB weg stecken , iwann bekam ich auch Mord Drohungen und das alles von den Leuten aus Gütersloh. Ich die Politiker und Polizei müssen dagegen was tun,vorallem die Politiker müssen mal langsam aufwachen und endlich mal sehen das es so nicht mehr weiter geht.

  7. Thorsten Heß

    Ich glaube nicht, daß das kein Thema für die Polizei ist. Nur sind die Ermittlungsansätze schwierig, wenn die Betroffenen nicht befragt und Handydaten nicht ausgewertet werden können.


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