Jamaika feiert Pride

In dem Inselstaat sagen 61 % der Einwohner, sie würden homosexuelle Beziehungen „hassen oder ablehnen”

Seit über 160 Jahren – seit 1864 – gilt in Jamaika der „Offences Against the Person Act”, der oft nur Sodomie-Gesetz genannt wird. Es kriminalisiert jede Form von Sexualität zwischen Männern, sogar wenn diese ganz privat stattfindet. Auch wenn das Gesetz selten angewendet wird, befördert es die Stigmatisierung der gesamten LGBTI-Community. Wer in dem Inselstaat schwul oder trans ist, wird bedroht oder verprügelt und hat große Probleme, Arbeit zu finden oder auch nur ärztliche Behandlung. Wer überfallen wird, geht nicht zur Polizei, weil man ihr nicht traut. Aktivisten wie Angelina Jackson, die wir im Video sehen, kämpfen dafür, die Lage für die queere Bevölkerung zu verbessern. (Im vergangenen Jahr fand erstmals ein Pride in Jamaika statt – MÄNNER-Archiv.)

Mehrheit der Jamaiker lehnt Homobeziehungen ab

Der karibische Staat mit seinen 3 Millionen Einwohnern belegt in der Rangliste Gay Travel Index des Spartacus International Gay Guide Platz 187, zwischen Afghanistan und Russland. Im April hat das Jamaican Forum of Lesbian, All-sexuals and Gays die Ergebnisse einer Umfrage unter 1003 Jamaikanern veröffentlicht: 61 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, sie würden homosexuelle Beziehungen „hassen oder ablehnen”. (Wer sich outet, wird in der Regel von der Familie verstoßen – MÄNNER-Archiv.)

Der Anteil derjenigen, der das bestätigt, hat innerhalb von nur fünf Jahren um 15 Prozent zugenommen; noch 2012 hatten nur 46 Prozent der Umfrageteilnehmer diese Aussage bestätigt. Die Awareness, Attitude and Perception-Umfrage über das homosexuelle Leben auf der Insel fand im Sommer letzten Jahres statt. Befragt wurden Arbeitgeber, Politiker und andere Mitglieder der Bevölkerung.

n.c.

In dieser Atmosphäre findet in diesem Jahr erneut der Pride statt. Bevor das Land am Samstag seinen Unabhängigkeitstag feiert, gibt es nun eine Woche lang Veranstaltungen von Podiumsdiskussionen über Sport bis Unterhaltung. Supermodel Naomi Campbell, deren Eltern jamaikanischen Ursprungs sind, sprach via Twitter ihre Bewunderung für die LGBTI-Gemeinde aus.

Titelbild: Screenshot


4 Kommentare

  1. Kai Herlemann

    Naja, wenn es selten angewandt wird, ist es da sicher nicht perfekt, aber da gibt es noch weit schlimmeres.
    Will nicht sagen „das ist Klagen auf hohem Niveau”, sowas gibt es bei Menschenrechten nicht, aber „gehört zu den homofeindlichsten Staaten der Welt” würde die Zustände in Ländern, wo die Todesstrafe dafür herrscht, als unwichtig bezeichnen.


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