Olympia_Dorf_1050

Journalist outet Olympia-Athleten

Für einen Artikel stalkte er schwule Sporter auf Grindr. Auch Teilnehmer aus Ländern, wo Homosexualität illegal ist.

Es war schon ein wirklich bizarres Stück Journalismus, dass das US-Magazin „Daily Beast” da vergangene Woche veröffentlicht hat. Wohl um der Webseite ein paar mehr Klicks zu verschaffen, prangerte der Journalist Nico Hines in seinem Artikel „I got three Grindr dates in an Hour in the Olympic Village” über mehrere Absätze hinweg den „Sündenpfuhl” Rio an und ließ sich in zotigen Ausführungen über das Datingverhalten der Sportler im Olympiadorf aus. Nichts anderes als „Sex, Sex, Sex” hätten die Athleten im Sinn und vor allem die schwulen Sportler nutzten die Zeit zwischen den Wettkämpfen für sexuelle Ausschweifungen.

Um seine These zu beweisen, erstellte der Journalist, der selbst heterosexuell und Familienvater ist, ein Grindr-Profil und stalkte im Olympiadorf schwule Athleten. Im Text ließ er dann verlauten, wen er so alles aufgestöbert hatte – zwar ohne Nennung von Namen, aber dafür mit Merkmalen wie Alter, Sportart, Größe, Gewicht und teilweise sogar Wettkampf-Platzierungen. Der Artikel ging vorerst so für einige Stunden online, bis im Netz die ersten kritischen Stimmen aufkeimten. Allen voran wies das Slate-Magazin darauf hin, dass man „die Namen von mindestens fünf Athleten durch einfaches Googeln binnen weniger Minuten herausfinden” konnte und nannte Hines Machwerk „gefährlich und unethisch”.

Schutzraum für Klickzahlen gekapert

Danach folgte ein Shitstorm, der sich gewaschen hatte. Denn schnell stellte sich heraus, dass Hines nicht nur bereits geoutete Athleten an den Pranger gestellt hatte – was an sich schon extrem respektlos wäre. Auch ungeoutete Sportler aus Ländern, in denen Homosexualität illegal ist, waren dabei. Entsprechend wütend zeigten sich vor allem die Olympia-Teilnehmer selbst. Gus Kenworthy, offen schwuler Sieger im Freestyle-Skiing, schrieb, Hines haben für einen „Scheißartikel” Athleten bewusst in die Falle gelockt. Der aus Konga stammende Schwimmer Amini Fonua (MÄNNER-Archiv) hob hervor, dass Hines einen „sicheren Raum” für schwule Männer zerstört habe, nur um „sich einen Scherz zu erlauben”. Einige der geouteten Sportler seien Freunde von ihm. Tonga gehört zu den Ländern, in denen Homosexualität illegal ist.

Bei Daily Beast hat man scheinbar inzwischen eingesehen, dass man Mist gebaut hat. Der Text von Nico Hines war nach den wütenden Reaktionen anfangs noch in einer gekürzten Fassung mit einer Entschuldigung des Chefredakteurs neu veröffentlicht worden. Nun ist er ganz verschwunden. „Dies war ein Versagen einer ganzen Redaktion. Wir lagen falsch, wir werden es besser machen”, heißt es stattdessen nun in einem Statement. Für einige der erwähnten Sportler könnte diese Entschuldigung allerdings zu spät kommen, immerhin war der Artikel mit ihren Personenbeschreibungen mehrere Stunden online.

Foto: Imago


12 Kommentare

  1. Armin Sauermann

    Was für eine dreckiges Arschloch. Ganz allgemein, es geht einfach niemanden etwas an ob und wie die Sportler bei Olympia rumvögeln. Ist reine Privatsache. Woah das macht mich wütend… „Sündenpfuhl”.. Bah

  2. Siegfried Ramsberger

    Einfach nur ekelhaft: Leute die nur aus eigenem Streben an Anerkennung und Aufmerksamkeitssucht, andere zu diskreditieren und zu diffamieren versuchen, sollten selbst durch böse Gerüchte ins gesellschaftliche Abseits gedrängt werden.


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