Männer, die auf Fahnenstangen klettern

Für den durchgeknallten Wettbewerb suchen sich die Italiener stets den heißesten Tag des Sommers

Die Meisterschaft im Schweinegrunzen hat sicher sehr viel schönes, die alljährlich Anfang August im südfranzösischen Trie-sur-Baïse stattfindet – vom Ferkeljammern nach Muttermilch bis hin zum Gebrüll eines notgeilen Ebers wird da alles bedient. Auch für die WM im Badewannen-Rennen können wir uns prinzipiell erwärmen – für die Weltmeisterschaft im Frauen-Tragen, alljährlich im finnischen Sonkajärvi, nun wieder gar nicht. (Und dann ist da noch die Handtaschenweitwurf-WM, bei der MÄNNER 2015 teilnahm und kläglich scheiterte – MÄNNER-Archiv.)

Das wäre nun alles natürlich viel zu einfach, darum wird die Fahnenstange mit Seife eingerieben

Ganz toll dagegen finden wir, was die Italiener seit 200 Jahren in Pozzuoli abziehen. Um den bei uns unterschätzten katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt, der in Italien mit dem heißesten Tag des Sommers zusammenfällt und als „Wen­de­punkt des Sommers“ gilt – am 15. August – , zu zelebrieren, klettern alljährlich Hunderte Männer auf Fahnenstangen, um die Flaggen vom Ende der Stange zu zupfen. Drei Fahnen gibt es insgesamt bei dem Wettbewerb, der von den Fischern von Pozzuoli veranstaltet wird. Das wäre nun alles natürlich viel zu einfach, darum wird die Fahnenstange richtig fett mit Seife eingerieben. Wer runterfällt, hat Pech, landet aber verhältnismäßig weich – im Wasser, genau genommen im Golf von Neapel. Mehr als eine Handvoll Männer oder auch mal zwei pro Jahr schaffen es selten, sich eine Fahne zu holen. Es gibt aber auch Menschen, wie den 61-jährigen Vincenzo Perrotta, der den Wettkampf insgesamt 36 Mal gewonnen hat.

Am Abend besinnt man sich wieder auf die gute alte Maria, feiert ihr zu Ehren eine Prozession und zündet ein Feuerwerk.

Fotos: Imago/Pacific Press Agency


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