loving gay male couple on their wedding day.

Sachsens Landeskirche soll sich öffnen

Liberales Forum setzt auf Konfrontation statt Kompromiss

In Sachsen evangelisch-lutherischer Landeskirche formiert sich Widerstand gegen die konservative Kirchenführung. Am Samstag hat sich ein Bündnis aus 250 Pfarrern und Angehörigen der evangelischen Gemeinden in Leipzig getroffen. Das Motto des seit Pfingsten bestehenden liberalen Forums für Gemeinschaft und Theologie lautet: „frei und fromm“. Pfarrer und Forumssprecher Christoph Maier hatte zuvor erklärt, die sächsische Landeskirche wirke in der öffentlichen Wahrnehmung „zunehmend isoliert und regressiv.“

Sachsen

Peterskirche in Leipzig (Foto: Mapio.net)

Vor allem wurde auf der Tagung der Umgang mit Homosexualität kritisiert. Gleichgeschlechtliche Geistliche dürfen in Sachsen nur dann gemeinsam im Pfarrhaus leben, wenn der örtliche Kirchenvorstand es genehmigt. (In Chemnitz wurde im vergangenen Jahr ein Kantor wegen seiner Homosexualität entlassen – MÄNNER-Archiv.) Und: Homopaaren soll weiterhin nicht der selbe Traugottesdienst offenstehen wie heterosexuellen Paaren. Forumssprecher Maier rief dazu auf, in absehbarer Zeit Trauungen für homosexuelle Paare zu ermöglichen. Er sei sich „ziemlich sicher“, dass die Mehrheit der Basis das auch akzeptieren würde.

Landesbischof: Homotrauungen wird es nicht geben

Landesbischof Carsten Rentzing, der seit einem Jahr im Amt ist, lehnt das allerdings ab. „Trauungen wird es nicht geben.“ Allerdings könne man in seiner Kirche über Formen der Segnung für gleichgeschlechtliche Paare in Sachsen nachdenken. In der rheinischen, der badischen und der hessen-nassauischen Landeskirche sowie in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz können Schwule und Lesben gleichberechtigt getraut werden. (In Württemberg läuft eine Petition, um dies auch dort zu erreichen – MÄNNER-Archiv)

Die Frage ist, wie präsent ist dem Landesbischof tatsächlich, dass auch Homosexuelle Teil dieser Kirche sind

Eine lesbische evangelische Theologin sagte gegenüber dem MDR Sachsen: „Die Frage ist, wie präsent ist [dem Landesbischof] tatsächlich, dass wir Teil dieser Kirche sind. Dass es auch unsere Kirche ist.“

Eine besondere Herausforderung

An der Tagung nahm auch Oberlandeskirchenrat, Burkhard Pilz, aus Dresden teil, den der Landesbischof geschickt hatte. Gegenüber dem MDR sagte Pilz: „Es ist Ausdruck unseres evangelischen Glaubens, dass wir miteinander ringen.“ Er appellierte an die Teilnehmer, „mit Geduld und Aufmerksamkeit“ das zu suchen, „was uns als ganze Kirche verbindet“. Was die Segnung von Homosexuellen betrifft, sagte er: “Man muss natürlich auch sagen, dass für unsere Leute, die homosexuell leben, gerade auch die klare Positionierung des Landesbischofs ganz bestimmt eine besondere Herausforderung darstellt.“

Forumssprecher Maier fand am Samstag deutlichere Worte. Er forderte von den Teilnehmern den Mut zur Konfrontation, ohne gleich nach einem Kompromiss zu suchen.

Titelbild: Fotolia


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